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E-Bikes im Vergleich - Design-Stück gegen Praktiker

Schönes Aussehen  - oder hochwertige Bauteile? Wer ein E-Bike kaufen möchte, muss sich entscheiden. Wir haben ein Design-Bike von VanMoof mit verstecktem E-Antrieb gegen ein gut ausgestattetes Tourenrad  antreten lassen.

Sehr klares, aufgeräumtes Design. Am Lenker sieht man, dass das Rad durchaus bequem zu fahren ist.

Sehr klares, aufgeräumtes Design. Am Lenker sieht man, dass das Rad durchaus bequem zu fahren ist.

Das VanMoof Elictrifed S ist einer der großen Hingucker im E-Bike-Markt. Ein Design-Rad, bei dem optisch alles stimmt. Und das Beste: Niemand bemerkt, dass es ein E-Bike ist. Der Antrieb erfolgt durch einen Nabenmotor im Vorderrad. Er ist kaum größer als ein Dynamo und entsprechend unauffällig. Der Akku wurde im Oberrohr des Rahmens versteckt und hat dennoch eine normale Kapazität von 420 Wattstunden. Weiterer Clou des Rades aus Holland ist der Diebstahlschutz: Das Rad wird durch eine spezielle App entsperrt und besitzt einen GPS-Sender, mit dem es bei einem Diebstahlversuch aufgespürt werden kann.

Dynamisches Aussehen und bequeme Haltung

Auf den ersten Blick weniger auffälliger, im Alltag aber fast wichtiger, ist die Geometrie des Rades. Trotz des puristischen Designs kann man in sportlicher, aber dennoch entspannter Haltung auf dem VanMoof sitzen. Die holländischen Entwickler haben ein alltagstaugliches Cityrad geschaffen, das den Fahrer nicht in eine allzu sportlich-gestreckte Folterhaltung zwingt.

Die Lichtanlage wurde unauffällig integriert, zudem sind Schutzbleche installiert. Wer mag, kann einen Gepäckträger nachrüsten. Typisch holländisch ist auch die vollumschlossene Kette. Dreckige Hosenbeine gibt es nicht. Die Wahl der Standardgröße von 28 Zoll für die Räder anstelle der neumodischen 29er zeugt ebenfalls von gesundem Menschenverstand.

Hier wurde gespart

Soweit das Licht, nun der Schatten: Beim VanMoof Elictrifed S floss fiel Energie und Aufwand in den schicken Rahmen. Woanders wurde gespart. Eine Kette mit Kettenschutz ist praktisch, besser wäre sicher ein fett- und wartungsfreier Riemenantrieb gewesen. Es wurden recht günstige Scheibenbremsen verbaut, die mit einem Drahtzug betätigt werden. Weder von der Dosierbarkeit noch vom Endfinish her kann man sie mit den sonst in der Preisklasse üblichen hydraulischen Scheibenbremsen vergleichen. Unsere Meinung: Besser wäre eine Felgenbremse von Magura gewesen.

Das Rad wurde mit einer preiswerten Zwei-Gang-Automatik-Nabe ausgerüstet. Dank der Motorenunterstützung kommt man mit dieser Auslegung zurecht, die Nabe verfügt über einen Anfahrgang und einen Fahrbetrieb. In Sachen Trittfrequenz muss der Radler diesen Mangel natürlich ausgleichen. Der kleine Nabenmotor ist ebenfalls deutlich billiger als Mittelmotoren von Markenherstellern. Der Antrieb des Vorderrades gilt nicht als Königsweg, auf Straßen und Radwegen macht das VanMoof seine Sache aber mit dem Motörchen aber sehr gut. Mit 18,4 Kilogramm ist das VanMoof für ein sogar relativ leicht. Der Preis beträgt 2798 Euro.

Zusammenfassung: Klasse Design, entspannte Haltung - aber knappes Budget bei Teilen der Ausstattung.

Das Attiva wurde als klassisches Touren-und Cityrad entworfen. Es punktet mit hochwertigen Komponenten.

Das Attiva wurde als klassisches Touren-und Cityrad entworfen. Es punktet mit hochwertigen Komponenten.

 

Der Praktiker: Trenoli Attiva 

Beim Design des Trenoli kann man nicht so ins Schwärmen geraten – der Hipster-Preis geht an das VanMoof. Das Attiva ist gut verarbeitetes City/Trekkingrad aus schwarz aloxiertem Aluminium. Kabel und Züge sind im Rahmen integriert – das ist dann aber auch mit den Besonderheiten. Ähnlich wie VanMoof ist Trenoli eine eher unbekannte Marke, anders als bei VanMoof setzt sie nicht auf extravagentes Design sondern auf ein gutes Preis- Leistungsverhältnis.

Für längere Touren geeignet

Die Haltung auf dem Attiva ist ebenfalls entspannt bis leicht sportlich. Dieses Trenoli setzt einen Mittelmotor von ein, es stehen aber auch vergleichbare Räder mit Boschmotor im Programm. Panasonic ist der Markenhersteller mit der längsten Erfahrung mit E-Bikemotoren. Das merkt man dem Motor auch an, die Ansteuerung ist sanft – fast unmerklich. Die Geräuschentwicklung gering. Der Akku fällt mit 432 Wattstunden etwas größer als der des VanMoof – der Unterschied ist jedoch minimal.  

Gute Komponenten verbaut

Wichtiger ist, dass hier vernünftige hydraulische Shimano-SLX-Bremsen verbaut wurden und dass das Vorderrad gefedert ist. Das Rad ist mit einem stabilen Gepäckträger, guter Lichtanlage, integriertem Schoss und natürlich auch Schutzblechen ausgestattet. Einen GPS-Tracker müsste man als Zubehör bestellen, und eine Ansteuerung per Smartphone-App gibt es nicht. Geschaltet wird mit einer hochwertigen 10-Gang-XT-Schaltung.

Anders als bei einem Designrad kann man den Lenker verstellen und auf die eigene Haltung anpassen. Wenn man will, lassen sich Vorbau und Lenker ebenso leicht mit anderen Varianten ersetzen. Und natürlich gibt es das Attiva auch mit einem abgesenkten Oberrohr – das erleichtert das Auf- und Absteigen.

Kein Tarneffekt

Dafür ist das Trenoli allerdings sofort als E-Bike zu erkennen. Unübersehbar lauert der Akku im Rahmendreieck. Der Vorteil ist ebenso offensichtlich: Man kann den Akku vom Rad trennen, um ihn im Büro oder der Wohnung aufzuladen. Ein Rad wie das VanMoof braucht dagegen immer eine Steckdose in der Nähe. Das ist ideal, wenn man das Rad in Garage oder Schuppen aufladen kann. Es ist weniger schön, wenn man im dritten Stock wohnt. 

Die Preisempfehlung für das Activa liegt bei 2699 Euro – das sind zwar hundert Euro weniger als beim VanMoof, beide Räder befinden sich aber dennoch in einer Klasse. Beim Händler kostet das Rad allerdings nur 2500 Euro, das sind immerhin 300 Euro weniger als das VanMoof Elictrifed S. 

Zusammenfassung: Unspektakuläres, solides Design, entspannte Haltung – angesichts des Preises eine sehr gute Ausstattung des Rades.

Abwägung

Auf beiden Rädern ist man in der Stadt gut unterwegs – weitgehend mühelos und bis zu 25 km/h schnell.  Beide Räder lassen sich übrigens nicht so simpel tunen, wie ein Rad mit Boschmotor. Hier treffen zwei Welten aufeinander. Beim Design entscheidet das VanMoof das Rennen für sich.

Es besticht durch seinen Look und den Diebstahlschutz, muss dafür aber praktische Nachteile in Kauf nehmen. Der Hauptnachteil: Immer muss das ganze Rad an die Steckdose. Das integrierte Design hat weitere Tücken. Und das Rad muss so "passen", wie es geliefert wird. Einfache und typische Nachbesserungen – etwa für einen zweiten Besitzer - wie ein höherer Lenker, eine andere Lenkerform oder eine gefederte Sattelstütze sind bei so einem Gesamtkunstwerk immer schwierig, wenn nicht unmöglich.

Bei einem Rad wie dem Activa ist das aber kein Problem. Aber – wie schon erwähnt – für ein Rad, das so spektakulär aussieht, ist das VanMoof erstaunlich alltagsgerecht.  In Sachen Ausstattung hat das Trenoli dafür die Nase vorn. Die Federung macht das Rad komfortabler. Motor und Bremsen sind deutlich wertiger. Angesichts des Preises sind Teile der Ausstattung des VanMoof grenzwertig.

Die Vorderradfederung macht das Fahren überhaupt komfortabler. Wie viel das wert ist muss jeder Radfahrer selbst entscheiden. Auf kurzen, städtischen Strecken und glatten Radwegen kann man leichter auf eine Federung verzichten, als auf Kopfsteinpflaster oder bei langen Touren. Beim Preis muss man beim VanMoof einen deutlichen Designzuschlag berücksichtigen.

Fazit: Wer einen stylischen "Café Racer" will, sollte zum VanMoof greifen. Wer auch mal längere Touren fahren will und wer Wert auf eine solide Ausstattung legt, ist mit dem Trenoli besser bedient.

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