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Nachrüstsatz E-Bike: Der Pendix-Motor macht aus jedem Rad ein E-Bike

Individualisten kaufen kein E-Bike von der Stange, sie bauen sich ein schönes Fahrrad mit einem Umrüstsatz. Das System von Pendix ist schlank und unauffällig und bietet Fahrleistungen wie ein gekauftes E-Bike.

Der Motor von Pendix ist unauffälliger als die Systeme der großen Konkurrenten.

Der Motor von Pendix ist unauffälliger als die Systeme der großen Konkurrenten.

Der Markt für Elektrobikes boomt. Im Vergleich zu den Hunderttausenden fertig montierter E-Räder ist der Markt für Nachrüstsätze eher eine Nische. Aber die Idee ist reizvoll: Nur so ist es möglich, sich ein ganz eigenes individuelles Elektrorad aufzubauen. Und das auch mit klassischen Rahmen etwa aus Stahl, für die es keine fertigen E-Räder gibt.

Nur ein Gedankengang geht leider nicht auf: Wer denkt, "da steht noch ein altes Rad im Schuppen, Anbausatz ran und so komme ich billig zu einem E-Rad", liegt falsch. Die Umrüstsätze sind so teuer, dass man auch ein fertiges E-Rad zum gleichen Preis bekommen könnte. Das eigene E-Rad aufzubauen, ist ein Projekt für Individualisten und nicht für Sparfüchse.

Der Umrüstsatz von Pendix arbeitet ganz anders als das Copenhagen Wheel, das wir vor ein paar Monaten vorgestellt haben. Beim Wheel sind Motor und Batterie komplett in der Radnabe untergebracht, es muss nur das neue Rad eingehängt werden und schon kann man losfahren.  Das sieht schick aus und geht denkbar einfach. Der Nachteil: Die Akkukapazität ist begrenzt und das Drehmoment des Motors ist überschaubar. Richtige Power hat das Wheel nicht, der Vergleich mit dem eingebauten Rückenwind trifft es ganz gut.

Der Pendix hingegen ist ein schlanker Mittelmotor, der von einer Fachwerkstatt ins Tretlager geschraubt wird. Pendix sieht den fachgerechten Einbau in der Werkstatt vor, auch wenn ein echter Fahrrad-Schrauber den Einbau auch allein hinbekommen könnte. Dazu kommt ein Akku in Form einer Thermosflasche, der auf die Getränkehalterung des Rahmens montiert wird.

Echte E-Power

Der Satz lässt sich auch wieder demontieren, doch nicht mit einem Handgriff. Anders als das Copenhagen Wheel kann man den Pendix mit einer Nabenschaltung kombinieren. Der Rahmen muss allerdings so aufgebaut sein, dass der Akku Platz findet. Auf Display und Schalter am Lenker wurde verzichtet. Daher benötigt der Pendix auch keine langen Kabel, die nachträglich am Rahmen entlang geführt werde müssen.

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Der Testsieger KTM Macina Fun 9 SI-P5I erreicht die Note Gut (1,7). Die Tester loben den kraftvollen Motor und den breiten Lenker mit ergonomischen Griffen. Kosten: 2800 Euro.

Der Testsieger KTM Macina Fun 9 SI-P5I erreicht die Note Gut (1,7). Die Tester loben den kraftvollen Motor und den breiten Lenker mit ergonomischen Griffen. Kosten: 2800 Euro.

Hersteller

Fertig montiert sieht das Ganze sehr professionell aus. Nur ganz moderne Bikes mit im Rahmen integriertem Akku wirken noch aufgeräumter. Mit dem kleineren Akku wiegt das System etwas mehr als sechs Kilogramm – das ist sehr wenig.

Und wie fährt es sich? Der Motor passt sich dem Fahrer an und braucht eine gewisse Lernkurve. Einmal eingefahren, ist die Unterstützung sehr angenehm. Es fiel auch kein nerviges Nachschieben des Motors auf, über das andere Tester klagten. Dazu ist der Motor sehr leise und unauffällig. Die Unterstützung entspricht einer Charakteristik, wie man sie von Touren- und Citybikes mit Stromantrieb gewohnt ist. Der Motor entfaltet mehr Druck als das Copenhagen-Wheel – angegeben sind immerhin 50 Newtonmeter Drehmoment.

Keine Kraft-Maschine

Die brachiale Power, die die speziellen Motoren von Bosch, Shimano oder Yamaha für Mountainbikes oder Heavy-Duty entfesseln, stellt der Pendix aber nicht bereit. In den stärkeren Unterstützungsstufen reichte es aber für einen frischen Anfahrspaß mit deutlich mehr Schwung als bloß Rückenwind. Zum Aufladen wird der Akku abgenommen, das Rad muss also anders als beim Copenhagen Wheel nicht in der Nähe einer Steckdose abgestellt werden.

Liebhaber gesucht

Mit dem kleinem 300-Wh-Akku kostet der Pendix Satz 1500 Euro, mit einem Akku von 500 Wh Kapazität 1700 Euro. Die Preise sind marktgerecht. Wenn man sein Rad etwa mit dem chinesischen Bafang-Motor – der deutlich klobiger ist – umrüsten will, muss man inklusive Akku auch mit Kosten von über 1000 Euro rechnen. Ein gutes Marken-E-Bike kostet 2200 bis 2500 Euro – regulär. Ist man bereit, ein Rad aus der Ausstellung eines Händlers oder ein Vorjahresmodell zu nehmen, wird das neue Komplett-Rad kaum teurer als der Umbausatz.

Man sollte also schon ein besonderes Projekt im Auge haben, wenn man sich für einen Umrüstsatz entscheidet.

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