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E-Bike Umbausatz: Das Copenhagen Wheel verwandelt Ihr altes Rad in einer Minute in ein E-Bike

In diesem roten Diskus steckt ein ganzes E-Bike. Das Copenhagen Wheel muss nur hinten eingesetzt werden, und schon geht es auf dem Fahrrad mit Motorunterstützung voran. Eine tolle Idee, wenn nur der Preis nicht wäre.

Reichweiten von 40 bis 60 Kilometern sind möglich.

Reichweiten von 40 bis 60 Kilometern sind möglich.

E-Bikes boomen seit Jahren. Die meisten Kunden kaufen ein fertiges E-Rad, das ab Werk mit einem Motor ausgestattet ist. Einige wenige bauen ein vorhandenes Rad selber um. Das ist technisch nicht ganz einfach und es ist nicht immer leicht, ein ordentliches Erscheinungsbild hinzubekommen. Meist besteht ein Umbausatz aus den Bauteilen Motor, Akku, Controller, Bedienelemente und Display am Lenker, die allesamt mit Kabeln verbunden werden müssen.

Wesentlich einfacher geht das Umrüsten mit dem Copenhagen Wheel, das anders als der Name suggeriert, nicht aus Dänemark, sondern aus den USA kommt. Motor, Akku und Controller sind in einem großen roten Diskus im Hinterrad untergebracht. Gestartet und angesteuert wird das Wheel per App und Bluetooth – Kabel sind überflüssig. Allerdings kann man das Copenhagen Wheel nicht in jedes Bike einbauen. Es verträgt sich weder mit Scheibenbremsen noch mit einer Nabenschaltung. Felgenbremse und Kettenschaltung – oder gar keine Schaltung - sind Vorausbedingung. Übersetzt heißt das: Ein höherwertiges Mountainbike lässt sich wegen der Bremsen so nicht umrüsten. Passt das Wheel aber zum Rad, ist der Einbau denkbar einfach. Vorteil auch: Die Elektrifizierung lässt sich spurenlos rückgängig machen. 

Gute Lösung für den urbanen Raum

Fragt sich, wie sich das Copenhagen Wheel im Alltag schlägt. Um einen spürbaren Push beim Antritt zu erleben, muss man das Wheel schon auf die stärkste Turbo-Stufe stellen. Beim Beschleunigen nimmt das Rad einem dann einen Großteil der Mühe ab. Über 24 km/h reduziert sich die Unterstützung, so dass man sehr weich in den nicht unterstützen Bereich oberhalb von 25 km/h kommt. Wie bei allen Pedelecs wird in Europa wegen gesetzlicher Bestimmungen bei 25 km/h die Motorunterstützung abgeklemmt. In den USA beschleunigt das Wheel auf flotte 40 km/h.

Während der Fahrt kann man das Handy am Lenker befestigen. Das ist aber nicht unbedingt nötig, das Copenhagen Wheel funktioniert genauso gut, wenn das Smartphone in der Tasche steckt. Die Handykopplung hat natürlich auch Nachteile. Ohne Phone fährt das Bike nicht, das gleiche gilt für einen leeren Akku im Handy. Dafür lohnt es sich nicht das Rad zu klauen, ohne Registrierung mit der App startet das Copenhagen Wheel nämlich nicht. Fraglich bleibt, ob Raddiebe so gut informiert sind.

Der rote Diskus fällt auf.

Der rote Diskus fällt auf.


Das Wheel bringt 7,6 Kilogramm auf die Waage, ersetzt aber das alte Laufrad, so dass ein Mehrgewicht von etwas über sechs Kilo bleiben. Das ist sehr wenig für einen Elektroantrieb. Gedacht ist das Copenhagen Wheel für Radler im städtischen Raum. Auf der Straße fällt das Mehrgewicht nicht negativ auf. Mit Einstellung Turbo, einer Zielgeschwindigkeit von 25 km/h und der Bereitschaft auch ein bisschen selbst zu treten, kann man eine Reichweite von 40 Kilometern erreichen.

Mit weniger Unterstützung und/oder einer geringeren Geschwindigkeit dürften selbst 60 Kilometer drin sein. Mit einer Rückwärtsbewegung der Pedale bremst der Motor elegant ab und gewinnt auch ein wenig Energie für die Batterie zurück. Der Akku lässt sich übrigens nicht aus dem Diskus entnehmen. Zum Aufladen muss das ganze Rad also in die Nähe einer Steckdose. Akkus haben eine begrenzte Lebenserwartung, der Austausch der Zellen im Copenhagen Wheel dürfte aufwändig sei. Bei getrennten Systemen reicht es aus, ein neues Akku-Pack zu kaufen.

In der Stadt produziert das Copenhagen Wheel eine merkliche Unterstützung.

In der Stadt produziert das Copenhagen Wheel eine merkliche Unterstützung.


Der Lithium-Ionen-Akku besitzt eine Kapazität von 279 Wattstunden. Zum Vergleich: Der weitverbreitete Motor von Bosch wird mit  von 400 oder 500 Wattstunden ausgeliefert. Für urbanen City-Radler reichen die 279 Wattstunden aus. Lange Touren und deftige Steigungen im Gebirge dürften den kleinen Akku jedoch schnell leersaugen. Auch den brutalen Antritt, wie ihn E-Mountainbikes mittlerweile hinlegen, schafft das Copenhagen Wheel nicht. Für die Trethilfe in der Stadt ist das auch nicht notwendig. Die US-Version regelt erst bei etwa 40 km/h ab. In der Praxis dürfte man damit bis etwa 33 km/h fahren. Das beschert ein deutlich flotteres Pendler-Erlebnis.

Teurer als ein komplettes E-Bike

In unserem Praxistest hat das Copenhagen Wheel durchaus überzeugt, dennoch wird es nicht jedermann glücklich machen. Dafür sorgt vor allem der Preis von 1750 Euro – für das gleiche Geld gibt es schon ein komplettes Markenfahrrad mit einem Boschantrieb. Ein Klick auf eine Preissuchmaschine ergibt zahlreiche Treffer wie dieses: Cube Cross Hybrid ONE 400, Modell von 2017, für 1350 Euro.

So ist das Copenhagen Wheel ein Nischenprodukt für Liebhaber, die partout kein Rad von der Stange wollen, sondern unbedingt ihr individuelles Traumrad elektrifizieren wollen. 

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