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Kommentar

E-Bike Boom: Das E-Bike überrollt die Städte – jetzt muss man reagieren

Drei Millionen E-Bikes gibt es in Deutschland – jährlich kommt über eine halbe Million hinzu. Das entlastet die Städte und die Umwelt, es fragt sich nur: Wo sollen die schnellen Räder eigentlich fahren?

Mit Motor wird Radfahren ohne Mühe möglich. 

Mit Motor wird Radfahren ohne Mühe möglich. 

In diesem Jahr ist es das erste Mal, dass ich auf dem Weg zur Arbeit manchmal mehr Elektrofahrräder sehe, als Räder ohne Motor. Das mag zum Teil an der Strecke liegen – zwölf Kilometer entlang der . Zum Teil wird es auch eine gefühlte Wahrheit sein, weil ein E-Rad einen eher überholt als ein Hollandrad mit Muskelantrieb. Aber dennoch: Das E-Rad ist im Alltag angekommen. Ganz überraschend ist das nicht. Schon vor Jahren sah man sie in allen Naherholungsgebieten. Rentnerpaare auf großer Fahrt. Mit Motor, Körbchen und dem obligatorischen Tiefeneinsteiger.

Keine Tiefeinsteiger mehr

Auf dem Arbeitsweg entdecke ich inzwischen alle möglichen Elektro-Räder – nur die betulichen Tiefeinsteiger sind nicht dabei. Überraschend beliebt sind dagegen Falträder mit kleinen . Das Gros stellen die üblichen Tourenräder meist mit dem obligatorischen Boschmotor in der Mitte. Das absolute Highlight fährt ein älterer Herr. Ein Eigenbau verbindet einen klassischen Diamantrahmen aus Stahl in British-Racing-Green mit einem chinesischen Motor in der Hinterradnabe. Akku und Controller sind in einer Ledertasche im Rahmenviereck untergebracht. Stilvoller geht es nicht.

Dazu sind Elektro-Mountainbikes im flachen Hamburg sehr im Kommen. Diese gern in der 45-km/h-Variante, dafür aber ohne Nummernschild und auf dem Rad- bzw. Fußweg unterwegs.

Politik mauert

Endlich einmal eine Umweltrevolution, die funktioniert. Erstaunlicherweise hält sich die Begeisterung der Politik sehr in Grenzen. Was man hört, sind Bedenken. Sind diese Räder mit ihrem "irren" Tempo von 25 km /h nicht viel zu schnell, fragen Politiker, die Tempo 250 auf der Autobahn ganz in Ordnung finden.

Die Räder sind mit 25 km/h nicht zu schnell – die bestehende Radwege sind allerdings eher Verkehrsverhinderungsprojekte und sicher keine Verkehrsadern. Entworfen wurden viele in den Fünfziger-Jahren mit dem erklärten Ziel. die rückständigen Räder aus dem Verkehr zu drängen.

Stufe zwei der E-Bike-Invasion sind Sharingstationen.

Stufe zwei der E-Bike-Invasion sind Sharingstationen.

Flutwelle an E-Räder

Und so entsteht ein Problem: Anders als bei E-Autos kommt kein Rinnsal an Fahrzeugen auf uns zu, sondern ein Tsunami. Mittlerweile sind drei Millionen E-Bikes in Deutschland auf der Straße. 2016 wurden 650.000 Stück verkauft, 2017 werden es noch mehr sein.

Und das sind keine Freizeiträder für Senioren mehr – es werden immer Gebrauchsräder oder betont sportliche Modelle gekauft. Diese Räder werden nicht mehr allein für den Sonntagnachmittag angeschafft, sie sollen als normales Verkehrsmittel benutzt werden. Und das Zeug dazu haben sie: Wer keinen Sinn für Radsport hat, fährt nur überschaubare Distanzen. Mit dem – auch in der 25 km/h Version – sind aber auch Entfernungen von zehn bis 15 Kilometern möglich – für eine Strecke wohlgemerkt.

Entwicklung lässt sich nicht mehr stoppen

Die Verkehrspolitik müsste eigentlich Beifall klatschen. Jedes Jahr kommen ohne Subventionen mehr als 500.000 Räder dazu, die allesamt das Zeug haben, zumindest teilweise Fahrten mit dem Pkw zu ersetzen. Im Vergleich zu einem benötigt ein E-Rad sehr wenig Verkehrsfläche, aber nicht einmal die gibt es.

Soll das Rad – ob mit Motor oder mit Muskelkraft - eine ernsthafte Alternative für Berufstätige sein, benötigt man Verkehrswege, die auf Tempo 25 ausgelegt sind und das Überholen langsamer Räder erlauben. Vielen Städten setzen jedoch lieber auf gemischte Zonen, die dann rechtlich irreführend als Radweg angekündigt werden. Wie bei meiner Strecke entlang der Elbe. Doch auf einem Weg mit Kinderwagen, Hunden und nebeneinander schlendernden Fußgängern sind 25 km/h tatsächlich zu viel – hier sollte man Schrittgeschwindigkeit fahren. Nur mit einem Tempo von etwa 12 km/h wird das Rad nie eine ernstzunehmende Alternative für Pendler.

Das Problem ist jetzt: Die E-Rad-Revolution lässt sich nicht mehr stoppen. International kann man beobachten, wie E-Bikes den Sharing-Markt erobern. Auch in Deutschland werden in Zukunft gleich Dutzende von Stromrädern an Ausleihstationen bereit stehen.

Entsteht keine angemessene Infrastruktur, werden sie eben auf nicht passenden Wegen und Straßen bewegt. Und dann kann man wieder sagen: 25 km/h? Wahnsinn, das ist ja viel zu schnell.

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