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Steueraffäre: Der geheimnisvolle BND-Informant

In der Liechtensteiner Steueraffäre geht das Rätselraten um den BND-Informanten weiter. Möglicherweise war es Heinrich K., ein bis Ende 2002 bei der Liechtensteinischen LGT-Bank beschäftigter Mitarbeiter. Ein Mann mit interessanter Vergangenheit.

Von Manuela Pfohl, Liechtenstein

Eigentlich hatten sie ihn hier in Vaduz schon fast vergessen. Immerhin liegt seine Verurteilung vier Jahre zurück. Und nach außen schien er sich auch völlig unauffällig zu verhalten: Heinrich K. Doch plötzlich rückt der jetzt 42-jährige Liechtensteiner in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit. Alle Welt fragt sich, ob er möglicherweise der Informant des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) ist, der hunderte streng vertraulicher Kontendaten der liechtensteinischen LGT-Bank klaute.

Der Sprecher des Fürstlichen Landgerichtes in Vaduz, Richter Lothar Hagen, ist ein vorsichtiger Mensch. Gerade jetzt, wo die Situation so hochsensibel ist, müsse man sehr genau überlegen, was man wegen der Erpressung der LGT-Bank an Informationen herausgebe. Er hofft, dass der Fall Heinrich K. dem Fürstentum keine neuen Negativschlagzeilen bringt. Die Behörden setzen deshalb auf Aufklärung. Lothar Hagen und der Leitende Vaduzer Staatsanwalt Robert Wallner haben die alten Akten zum Fall Heinrich K. noch einmal aus dem Archiv geholt.

Urteil gegen K. im Jahr 2004

1996 war Heinrich K. an einem lukrativen Immobiliengeschäft in Spanien beteiligt. Er versuchte daraus einen - illegalen - Gewinn von rund 600.000 Schweizer Franken zu ziehen. Der Betrug flog auf. Heinrich K. floh und wurde zunächst von den Spaniern und später auch in Liechtenstein gesucht.

Im Januar 2003 meldete er sich plötzlich im Fürstentum und sorgte ein erstes Mal für Aufregung. Er teilte mit, dass er von April 2001 bis November 2002 bei der LGT beschäftigt war und ein Paket hochvertraulicher Kundendaten der Bank gestohlen habe. "Er trat damals an die liechtensteinischen Behörden mit der Forderung heran, man möge ihm zwei falsche Reisepässe ausstellen, andernfalls werde er die Kundendaten der LGT Treuhand an ausländische Medien und Behörden weitergeben", berichtet Lothar Hagen.

Doch die Behörden lehnten die dreiste Forderung ab - und wunderten sich. "Denn der Gesuchte stellte sich trotzdem der Strafverfolgung in Liechtenstein", sagt Hagen. Im folgenden Prozess zeigte sich K. reuig und vor allem gab er die Kundendaten zurück. Das Urteil, das am 7. Januar 2004 vom Fürstlichen Obergericht gesprochen wurde, fiel entsprechend glimpflich aus. Heinrich K. wurde wegen schweren Betrugs, versuchter Nötigung und Urkundenunterdrückung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Vom Vorwurf des Verbrechens der "Auskundschaftung eines Geschäfts- und Betriebsgeheimnisses" sprachen ihn die Richter frei. Laut Urteilsbegründung "weil sie davon ausgingen, dass er bei der Entwendung der Kundendaten noch nicht den Vorsatz hatte, diese dem Ausland preiszugeben".

Danach verschwand Heinrich K. aus dem Blickfeld der liechtensteinischen Justiz. Glaubt man den Gerüchten, die auch auf den Fluren des Vaduzer Landgerichtes die Runde machen, tauchte er allerdings wenig später bei den Ermittlern des deutschen Bundesnachrichtendienstes wieder auf und hat Erfolg. Die deutsche Steuerfahndung ist an den millionenschweren Kundendaten der LGT höchst interessiert. Richter Lothar Hagen und Staatsanwalt Robert Wallner können sich gut vorstellen, dass Heinrich K. derjenige ist, der vom BND mit einer Summe von 4,2 Millionen Euro fürstlich für seine Dienste belohnt wurde. Aber: "Es liegen uns dazu keine Bestätigungen vor", versichert Hagen.

Die liechtensteinischen Strafverfolger würden einiges dafür geben, zu erfahren, wo sich der Mann aktuell aufhält. "Ich habe gehört, er soll in Australien sein", sagt Lothar Hagen. "Aber es wird ja jetzt so viel spekuliert und nur selten stimmt etwas." Ganz sicher sind sich Hagen und Staatsanwalt Wallner nur in einem Punkt: "Deutschland weiß mit Sicherheit mehr als wir."

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