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Steueralltag: Und täglich grüßt der Fiskus

Unbemerkt greift der Fiskus von früh bis spät in unser Portemonnaie. Vom ersten Weckerklingeln bis zum letzten Bier. Erleben Sie einen Zahltag mit Herrn Mustermann

6 Uhr. Hier der Deutschlandfunk mit den Nachrichten. Berlin. Der Streit um die Vermögensteuer geht weiter ..." Heinz Mustermann wacht auf, und für den Staat startet der Einnahmetag - auch ohne Vermögensteuer.

Beim Frühstück

Mustermann knipst das Licht an, täglich zahlt der Single neun Cent Stromsteuer. Um fit zu werden für den Arbeitstag, macht der 34-Jährige im Morgengrauen einen Spaziergang mit seinem Hund. Für sein Haustier zahlt er Hundesteuer, jeden Tag 25 Cent. Danach freut sich Mustermann auf das Frühstück. Pro halbe Kanne werden 15,6 Cent Kaffeesteuer fällig. Mustermann isst zwei Brötchen (3,5 Cent Umsatzsteuer) und liest Zeitung (7 Cent Umsatzsteuer). Er raucht nach dem zweiten Brötchen seine erste von täglich 20 Zigaretten. Insgesamt verqualmt er Tag für Tag 1,12 Euro an Tabaksteuer.

Im Büro

Die 20 Kilometer zur Arbeit fährt Mustermann mit dem Auto. Allein das Benzin kostet ihn täglich 2,64 Euro Mineralölsteuer. Hinzu kommt die Kfz-Steuer mit 27,5 Cent am Tag. Im Büro angekommen, vermutet er sich im steuerfreien Paradies. Doch gerade hier ist Mustermann eine ergiebige Steuerquelle. Pro Arbeitstag macht er den Staat mit Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag, die direkt von seinem Lohn abgezogen werden, um 34,70 Euro reicher.

Im Supermarkt

In der Mittagspause kennt der Fiskus erst recht keine Gnade: Am Automaten zieht sich Mustermann einen importierten Schokoriegel, der mit 16 Prozent Einfuhrumsatzsteuer belegt ist (16 Cent). Während seiner Mittagspause macht er im Supermarkt schnell ein paar Besorgungen. Für seine Geburtstagsfeier kauft Mustermann Lebensmittel für 36,18 Euro und Getränke, darunter eine Flasche Rum für zehn Euro (3,65 Euro Branntweinsteuer). Kurz überlegt er, ob er für seine weiblichen Gäste noch eine Flasche Sekt für fünf Euro (1,02 Euro Schaumweinsteuer) oder Eierlikör für sechs Euro (1,07 Euro Zwischenerzeugnissteuer) in den Einkaufswagen legt. Er entscheidet sich für Sekt. An der Kasse schlägt Hans Eichels Behörde zu: 16 Prozent Umsatzsteuer auf den Alkohol (2,40 Euro) und der ermäßigte Satz von sieben Prozent auf Lebensmittel (2,53 Euro).

Bei der Geldanlage

Bevor er das Büro verlässt, wirft Mustermann im Internet einen Blick auf sein Konto: Der Junggeselle hat vor kurzem 30.000 Euro in einem Geldmarktfonds angelegt. Leider werden die Zinsen auf sein Kapital voll besteuert, weil er vergessen hat, einen Freistellungsauftrag zu stellen. Jeden Tag zahlt er deshalb 92 Cent Zinsabschlagsteuer. Dann klickt sich Mustermann ins virtuelle Wettbüro und setzt zehn Euro auf einen Champions-League-Sieg von Bayern München. Darin enthalten: Lotteriesteuer in Höhe von 1,67 Euro. Über ein E-Mail mit Glückwunschkarte von seinem Pfarrer zum Geburtstag freut sich der gläubige Christ - Mustermann zahlt 2,77 Euro pro Tag Kirchensteuer. Zu Hause angekommen, hofft er auf einen Abend ohne staatliche Zwangsabgaben. Doch in der Post findet er die Nebenkostenabrechnung und eine Dividendenbenachrichtigung für seine Aktien. Selbstverständlich hat der Vermieter darauf geachtet, die Grundsteuer an Mustermann weiterzugeben (pro Tag 52,4 Cent). Umso mehr freut ihn deshalb die positive Entwicklung seiner Unternehmensanteile. 35 Aktien hatte Mustermann gekauft, jetzt bekommt er pro Anteil eine Dividende von einem Euro. Doch leider gelangt das Geld nicht direkt zu ihm, sondern macht noch einen Schlenker vorbei am Finanzamt: 21,1 Prozent der Dividende bleiben als Kapitalertragsteuer (inklusive Solidaritätszuschlag) dort hängen, zwei Cent täglich.

Im eigenen Wohnzimmer

Jetzt endlich abschalten, denkt Mustermann und macht den Fernseher an. Zum Feierabend gönnt er sich zwei Weizenbier (10,2 Cent Biersteuer pro Liter). Entspannt lehnt er sich im Sessel zurück, bis plötzlich sein Fernseher qualmt - Kabelbrand. Mustermann löscht mit einer Decke, ruft aber vorsorglich noch die Feuerwehr an. Gegen Feuer hat er schließlich eine Hausratversicherung abgeschlossen. Die täglichen zwei Cent Feuerschutzsteuer und vier Cent Versicherungsteuer hat er bereits mit dem Jahresbeitrag überwiesen. Mustermann hat an diesem Tag 56,65 Euro in die Staatskasse gezahlt - die Gebühren für Rundfunk, Abwasser oder Müll sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Gute Nacht, Herr Mustermann.

Claas Piper / print