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Steuerschätzung: Warmer Regen für Steinbrück

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück darf sich nach Einschätzung von Experten in diesem Jahr über höhere Steuereinnahmen als erwartet freuen. Im Mai könnte die Steuerschätzung sogar noch einmal nach oben korrigiert werden.

Steuerexperten erwarten für das laufende Jahr erhebliche Mehreinnahmen für den Bundeshaushalt. Der Steuerschätzer des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Alfred Boss, rechnet demnach für Bund, Länder und Kommunen mit rund fünf Milliarden Mehreinnahmen als in der letzten Steuerschätzung im November angenommen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet demnach sogar bis zu sechs Milliarden Mehreinnahmen. DIW-Steuerschätzer Dieter Vesper sagte der "Berliner Zeitung", die nächste offizielle Steuer-Prognose im Mai werde mit Sicherheit höher liegen als noch im November. Damals rechneten die Steuerschätzer, die zwei Mal im Jahr im Auftrag des Bundes die Steuereinnahmen schätzen, für 2006 mit einem Steueraufkommen von 457,4 Milliarden Euro. Grund ist demnach die günstigere Konjunkturentwicklung, vor allem steigende Unternehmensgewinne. "Die Gewinnprognosen der Unternehmen haben sich gefestigt", wurde Vesper zitiert. Sowohl die Einnahmen aus der Körperschaftssteuer als auch aus der Gewerbesteuer werden sich demnach besser entwickeln.

Maastricht-Kriterien schon 2006 erfüllbar

Ebenfalls positiv bewerten die Steuerschätzer die Entwicklung der Mehrwertsteuer, wie die Zeitung berichtete. Als Grund hierfür gilt demnach, dass viele Konsumenten in der zweiten Jahreshälfte größere Anschaffung vorziehen werden, um die höhere Mehrwertsteuer ab 2007 zu vermeiden. Die Steuerschätzer erwarten demnach auch, dass die gesamtstaatliche Defizitquote in diesem Jahr unter die Drei-Prozent-Marke sinkt. "Wir gehen davon aus, dass wir am Ende des Jahres bei 2,8 oder 2,9 landen werden", sagte Vesper demnach. Das Kieler Institut rechnet demnach mit einer Defizitquote (Neuverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) von 2,9 Prozent. Damit würde Deutschland bereits in diesem Jahr das Maastricht-Kriterium erfüllen - ein Jahr früher als von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vorgesehen.

AP / AP