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Trotz Kosten für Ölpest: BP macht Milliardengewinn

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat das Image des Ölriesen BP massiv beschädigt. Wirtschaftlich kann sie den Giganten aber nicht in die Knie zwingen. Trotz Kosten in Höhe von 40 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Ölpest macht BP schon wieder satte Gewinne.

Der gesamte britische Staat will in den nächsten vier bis fünf Jahren umgerechnet rund 90 Milliarden Euro sparen und alle fragen sich, wie das gehen soll. Der größte britische Energiekonzern BP hat in sechs Monaten nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 40 Milliarden US-Dollar (29 Mrd Euro) abschreiben müssen - und ist ein halbes Jahr nach dem Unglück schon wieder in der Gewinnzone. Die Zahlen mögen nur bedingt vergleichbar sein, zeigen aber, welche immense Wirtschaftskraft in dem Ölriesen aus London steckt.

Die Aktie zog an den Börsen leicht an, die Aktionäre bekommen 2011 wieder eine Dividende. Grund für knallende Sektkorken ist der vergleichsweise schmale Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar im dritten Quartal für Konzernchef Bob Dudley aber dennoch nicht. Dafür sind die Kosten zu hoch und der Imageschaden zu groß, den die Explosion der Deepwater Horizon angerichtet hat. Die Konkurrenz von Shell oder Total hat dank des anziehenden Ölpreises deutlich höhere Quartalsgewinne verkündet.

Anwaltskosten im dreistelliger Millionenhöhe

Bis zu 48.000 Menschen, 6800 Schiffe und 125 Flugzeuge waren an den Arbeiten beteiligt, die schließlich am 19. September zum späten Erfolg führten und die Ölquelle MC252 zum Versiegen brachten. Bis dahin waren 4,9 Millionen Barrel (1 Barrel 159 Liter) Rohöl ins Meer gelaufen und elf Menschen gestorben. Noch immer sind 11.000 Helfer mit den Aufräumarbeiten der einzigartigen Katastrophe beschäftigt. Gerichte in den USA werden sich vermutlich noch jahrelang damit auseinandersetzen müssen, wem wie viel Schadensersatz zusteht. Allein die Anwaltskosten dürften für BP in den dreistelligen Millionenbereich gehen.

"Die endgültige Summe, die von BP in Verbindung mit dem Vorfall bezahlt werden muss, ist von erheblicher Unsicherheit gekennzeichnet", gibt BP zu. Bezahlt sind bisher 11,6 Milliarden Dollar. Viel wird für Dudley und seinen Führungsstab auch davon abhängen, ob sie die Partnerfirmen - unter anderem den Zementlieferanten Halliburton - mit ins Boot der Verantwortlichen ziehen können. Auch hier arbeiten die Juristen auf Hochtouren. Einer Tochter des japanischen Mitsui-Konzerns, der zehn Prozent an der Plattform gehören, flatterte von BP bereits eine Rechnung über 1,9 Milliarden Dollar auf den Schreibtisch.

Immerhin: Der neue Mann an der Spitze des Ölriesen hat verstanden. Einfach zum Tagesgeschäft übergehen, das würden weder die Betroffenen noch die Medien verzeihen. Das neue Sicherheitskonzept, das BP am 29. September vorstellte, trägt bereits die Handschrift des Nachfolgers Tony Haywards. Der Brite war auf dem Höhepunkt der Krise lieber in Schottland segeln gegangen, als sich um die Aufräumarbeiten in den USA zu kümmern: Menschlich nach aufreibenden 20-Stunden-Tagen verständlich, für die Außenwirkung aber ein schwerer Schnitzer.

Michael Donhauser/DPA/be / DPA