HOME

Herbstgutachten: Moderates Wachstum für 2004 erwartet

Hoffnungsschimmer für die deutsche Wirtschaft: In ihrem Herbstgutachten prognostizieren die sechs führenden Wirtschaftsinstitute für 2004 ein leichtes Wachstum von 1, 7 Prozent. Allerdings bei steigenden Arbeitslosenzahlen.

Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten nach einer Stagnation im laufenden Jahr für 2004 eine wirtschaftliche Belebung mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Angesichts vielfältiger Unsicherheiten sei aber noch nicht gesichert, dass diese Erholung in einen lang laufenden Aufschwung einmündet.

"Von einem Aufschwung kann man nicht sprechen"

Erwartungsgemäß senkten die Institute in ihrem am Dienstag veröffentlichten Herbstgutachten ihre Prognosen für das deutsche Wachstum. Im Frühjahr hatten sie noch mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im nächsten Jahr gerechnet. Das Wachstum beruhe im kommenden Jahr wesentlich auf der höheren Zahl an Arbeitstagen. Um diesen Effekt bereinigt, ergebe sich lediglich ein Zuwachs von 1,1 Prozent. "Von einem Aufschwung kann man daher nicht sprechen", betonten die Institute.

Defizit auch 2004 über drei Prozent

Anders als in der Frühjahresprognose gehen die Institute inzwischen davon aus, dass Deutschland auch 2004 und damit zum dritten Mal in Folge die europäische Grenze beim Staatsdefizit von drei Prozent mit 3,5 Prozent überschreiten wird. Im laufenden Jahr werde die Defizitquote vier Prozent betragen.

Kurzfristige Erholung oder´langfristiger Aufschwung?

Derzeit sei unklar, ob die leichte Belebung 2004 Vorbote eines längeren Aufschwungs sei oder ob 2005 erneut eine Konjunkturschwäche drohe, erklärten die Forscher. Aus heutiger Sicht spreche aber vieles für eine kräftige Expansion der Weltwirtschaft, an der dann auch Deutschland teilhaben werde. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass der finanzpolitische Kurs in Deutschland bis Ende 2004 unklar bleibe und die Unsicherheiten bei Verbrauchern und Unternehmen andauerten. Deren Erwartungen entschieden mit darüber, ob die Erholung zu einem Aufschwung werde.

Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich nach Einschätzung der Institute in Deutschland auch im nächsten Jahr nicht bessern. Vielmehr rechnen sie mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent im Durchschnitt diesen Jahres auf 10,5 Prozent im nächsten Jahr. Das bedeute einen Anstieg der Arbeitslosenzahl von 4,393 Millionen im Durchschnitt des laufenden Jahres um rund 50.000 auf 4,448 Millionen im nächsten Jahr. Vor allem in Westdeutschland werde die Arbeitslosikeit steigen. Gleichzeitig bezeichneten die Forschungsinstitute die Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung als "einen Schritt in die richtige Richtung".

Exporte bleiben Wachstumsmotor

Die zunehmende Erholung der Weltwirtschaft und vor allem der US-Wirtschaft wird sich den Instituten zufolge 2004 auch positiv auf die deutschen Exporte auswirken. Im laufenden Jahr dürften die deutschen Ausfuhren nahezu stagnieren, dann aber im nächsten Jahr um 5,3 Prozent wachsen. Die deutschen Außenhändler erwarten für dieses Jahr ein Exportwachstum von 3,5 Prozent. Die Importe werden den Instituten zufolge 2003 um 3,0 Prozent steigen und nächstes Jahr mit 5,1 Prozent noch kräftiger anziehen. Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland bleibt den Instituten zufolge weiter moderat.

Kaum Auswirkungen der Steuerreform

Das geplante Vorziehen der Steuerreform hat den Forschern zufolge die Erwartungen privater Konsumenten verbessert. Wegen der hohen Arbeitsplatzrisiken und der Belastungen der Verbraucher durch andere Reformen, etwa bei der Gesundheit, werde die Konsumneigung zunächst aber nur verhalten bleiben. Anfang 2004 dürften sich die Konsumausgaben dann wegen der erwarteten Steuersenkungen kurzzeitig beschleunigen, doch werde dieser Effekt bald wieder abebben, auch wegen neuer Belastungen durch Gegenfinanzierungsmaßnahmen für die Steuerreform. Insgesamt werde der reale private Konsum in diesem Jahr um 0,7 Prozent und im nächsten - mit dem Impuls der Steuerreform - um 1,5 Prozent steigen. Die Inlandsnachfrage insgesamt werde 2003 um 0,8 Prozent und im nächsten Jahr um 1,4 Prozent wachsen.