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Abbau Ost Gagfah will Zehntausende Dresdener Wohnungen verkaufen


Die finanziell angeschlagene Immobilienfirma Gagfah will rund 38.000 Wohnungen ihrer Tochter Woba Dresden verkaufen. Der Gagfah-Konzern soll die Investmentbank Leonardo mit der Suche nach einem Käufer beauftragt haben.

Der um seine Refinanzierung ringende Immobilienkonzern Gagfah prüft Finanzkreisen zufolge einen Verkauf seines Wohnungsbestandes in Dresden. Die rund 38.000 Wohnungen der ehemals kommunalen Gesellschaft Woba machten etwa ein Viertel des gesamten Portfolios aus und stünden mit rund 1,8 Milliarden Euro in den Büchern der Gagfah, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Die Investmentbank Leonardo sei beauftragt worden, Käufer dafür zu suchen. Infrage kämen eher strategische Interessenten als Finanzinvestoren. Es gebe aber noch keine konkreten Gespräche. "Der Prozess steht noch ganz am Anfang", sagte ein anderer Insider.

Gagfah wollte sich zu den Plänen in Dresden nicht äußern. Ein Sprecher sagte nur: "Wir prüfen grundsätzlich immer alle Optionen."

Anleger nahmen die Nachrichten als Anlass zum Verkauf. Die Gagfah-Aktie büßte im frühen Handel fast vier Prozent auf 6,81 Euro ein und war damit einer der größten Verlierer im Nebenwerteindex MDax.

Über die Verkaufspläne hatte zuvor auch die "Financial Times Deutschland" berichtet. Gagfah hatte die Woba Dresden 2006 gekauft. Dabei handelt es sich überwiegend um einfache, aber gut vermietete Plattenbauten in der sächsischen Landeshauptstadt. Mit der Privatisierung des Wohnungsbestandes konnte sich die Stadt damals auf einen Schlag entschulden. Zuletzt machten aber nur negative Schlagzeilen darüber die Runde: Die Stadt hatte die mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Fortress gehörende Gagfah auf eine milliardenschwere Vertragsstrafe verklagt, weil das Unternehmen gegen Mieterschutzklauseln verstoßen haben soll. Der Rechtsstreit ist inzwischen beigelegt. Gagfah kam mit einem Vergleich und der Zahlung von 40 Millionen Euro davon.

Gagfah muss mehr als drei Milliarden Euro refinanzieren

Doch der monatelange Rechtsstreit belastete die Gespräche mit den Banken über die Refinanzierung. Insgesamt muss Gagfah in den nächsten Monaten rund 3,2 Milliarden Euro an Schulden verlängern. Eines der beiden 2013 fälligen Darlehen entfällt auf die Woba. In der Branche wird der angelaufene Woba-Prozess zwar nicht als Notverkauf eingeordnet. Doch das ungelöste Refinanzierungsthema dürfte den Preis drücken. "Realistisch sind eher 1,5 statt 1,8 Milliarden Euro", sagte ein Branchenkenner, der das Portfolio sehr gut kennt. Damit bliebe für die Gagfah am Ende kaum etwas übrig.

Aber auch mit 1,5 Milliarden Euro wäre der Woba-Verkauf die bislang größte Immobilientransaktion in Deutschland in diesem Jahr. Branchenkreisen zufolge dürfte sich die expansionshungrige Gagfah-Rivalin Deutsche Wohnen das Portfolio ebenso anschauen wie Pensionskassen und Versicherer, die sich zunehmend als Co-Investoren im Immobilienbereich engagieren. Dass in Dresden ein neuer Private-Equity-Investor zum Zuge kommt, gilt eher als unwahrscheinlich: Der Verkäufer muss eine nach dem Rechtsstreit verschärfte Sozialcharta mittragen, das Renditepotential ist begrenzt.

AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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