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Sie wollen nicht verkaufen Störrische Hausbesitzer ärgern den mächtigsten Golfclub der Welt

Der Rest des Viertels ist dem Erdboden gleichgemacht, nur das Haus in 1112 Stanley Drive steht unverwüstlich da
Der Rest des Viertels ist dem Erdboden gleichgemacht, nur das Haus in 1112 Stanley Drive steht unverwüstlich da
© Screenshot Google Maps
Der Augusta National Golf Club brauchte mehr Platz. Daher kaufte er ein ganzes Viertel am Rande der Anlage auf und ließ die Bulldozer los. Nur ein störrisches Rentnerpaar lassen die Millionen-Angebote des Clubs kalt.

Der Augusta National Golf Club ist das Herz des internationalen Golfsports. Seit 1934 veranstaltet der elitäre Club in Georgia das US-Masters, das wichtigste Golfturnier der Welt. In der 80. Auflage kämpfen bis zum Sonntag aktuell wieder die weltbesten Spieler um neun Millionen Dollar Preisgeld und den Gewinn des legendären "Green Jacket", das ein lebenslanges Teilnahmerecht garantiert.

Der Club ist so reich, dass er nach und nach eine ganze Siedlung aufgekauft hat, die an die Anlage grenzt. Mehr als 40 Millionen US-Dollar soll der Golfclub bezahlt haben, um Grundstücke und Häuser zu erwerben. Der einzige Zweck: Alles dem Erdboden gleichmachen, um Parkplätze zu schaffen.

Die Thackers bleiben standhaft

Nur ein störrisches Hausbesitzerpaar spielt da nicht mit. Herman und Elizabeth Thacker, deren Haus mitten in dem gebulldozerten Gelände liegt, widerstehen seit Jahren allen Offerten der feinen Golfherren, die auch ihr Haus gerne plattmachen würden. "Wir wollen wirklich nicht gehen", sagte Frau Thacker einem Reporter von NJ.com, der das Paar kurz vor Turnierbeginn besucht hat. "Geld ist nicht alles", ergänzt ihr Ehemann.

Und Geld hat der Augusta National den Thackers wahrlich viel geboten. Als der Club begann das Viertel aufzukaufen, habe er rund 250.000 Dollar für die eher bescheidenen Häuser gezahlt, erinnern sich die Thackers. Nachdem nur noch wenige übrig waren, lockten die reichen Golfer mit immer höheren Angeboten. Der letzte Nachbar verkaufte 2013 für 960.000 Dollar. Die Thackers aber blieben standhaft.

Ein Golf-Vertreter schaut regelmäßig vorbei

Nach wie vor bekommt das Ehepaar Thacker regelmäßig Besuch von einem Vertreter des Golf-Clubs, der freundlich anfragt, ob sie es sich nicht anders überlegt hätten. Die Thackers bitten ihn dann freundlich, doch hereinzukommen. "Und wir geben ihm jedes Mal die gleiche Antwort", sagt Herman Thacker nj.com.

Die Thackers haben das Haus 1959 gebaut. Sie haben dort zwei Kinder großgezogen und sie freuen sich, wenn die mit ihren fünf Enkeln und ebenso vielen Urenkeln zu Besuch kommen. Sie lieben ihr Heim - und wollen für kein Geld der Welt weg. 

Der Enkel ist mittlerweile Golfprofi

Geldsorgen haben die Thackers nämlich nicht. Vor Jahren verkauften sie ein anderes Grundstück im Viertel für 1,2 Millionen Dollar an den Golfclub. Hermans Bruder trennte sich von seinem Haus, dem schönsten der Gegend, für 3,6 Millionen Dollar. 

Dass jedes Jahr in der Masters-Woche tausende Golffans die ehemalige Siedlung komplett mit Autos vollstellen, nehmen die Thackers gerne in Kauf. Herman klemmt sich dann einen Klappstuhl unter den Arm und geht die paar Meter zur Anlage rüber, um sich die besten Golfspieler der Welt anzuschauen. Meistens hat er seinen Enkel Scott Brown dabei. Der ist mittlerweile selbst Golfprofi und arbeitet auf seine erste Masters-Teilnahme hin.


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