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Immobilienmarkt: Lotterie statt Verkauf: So wollte eine Frau ihr Haus loswerden - und abkassieren

Mit nur fünf Pfund konnte man zum Hausbesitzer in der Nähe von London werden. Zumindest im Prinzip – denn für das Geld erhielt man nur ein Los. 

Zur Verlosung stand ein stattliches Anwesen. 

Zur Verlosung stand ein stattliches Anwesen. 

3,75 Millionen Pfund - für diesen Betrag wollte die jetzige Besitzerin Renu Qadri ihr Haus loswerden. Doch den stolzen Preis hätte sie wohl kaum durch einen Verkauf erzielt. Daher entschied sie sich für einen ungewöhnlichen Weg, nämlich eine Lotterie. Der Hausverkauf per Verlosung wäre für sie ein gutes Geschäft, denn das Haus ist bei weitem nicht diesen Preis wert. Derzeit hat die Mutter von fünf Kindern Probleme, die Hypothek für ihren stattlichen Besitz zu bezahlen. Auf normalen Weg hatte Renu Qadri  das Haus auch schon angeboten - allerdings vergeblich. Sie wollte 1,25 Millionen Pfund erlösen und das war trotz der Größe des Anwesens wohl zu viel für die Gegend, in der sonst nur die Hälfte ihres Preises für Immobilien gezahlt wird. Bei der Verlosung hatte sie ihre angestrebten Einnahmen auf 3,75 Millionen Pfund hoch gesetzt. Für die meisten Briten wird ein Hauskauf immer schwieriger, insofern müsste es ein Interesse für unorthodoxe Methoden geben. 

+++ Kein Geld von Mama und Papa? Dann wird's mit dem Hauskauf schwer +++

Die Einrichtung ist geradezu überwältigend.

Die Einrichtung ist geradezu überwältigend.

Interessante Einrichtung

Das Haus ist vollständig möbliert – über den Stil der Inneneinrichtung lässt sich streiten. Imposante Stücke, die besser zu einem Las-Vegas-Hotel passen würden, werden zwanglos mit Schränken vom Möbel-Discounter kombiniert. "Wir wollten diesen Verkauf in die eigene Hand nehmen und jedem die Chance geben, dieses wunderbare Haus zu genießen", sagte Qadri dem Blatt "News Shopper". "Es ist so schwer in London ein Haus zu kaufen. Wir wollen uns verkleinern und jemand anders sollte hier leben."

Das Haus ist komplett möbliert.

Das Haus ist komplett möbliert.

Behörden ziehen den Stecker

Die Auktion wurde nach einer Woche von den Behörden gestoppt. Sie sahen die Verlosung als illegales Glückspiel an. Rechtlich ist die Konstruktion ohnehin kompliziert. Der Gewinner der Lotterie hätte nämlich nicht das Haus erhalten, sondern einen Geldbetrag, der sich aus den Einnahmen der Lotterie abzüglich der Kosten für die Verlosung ergibt. Mit diesem Geld hätte er dann das Haus gekauft. Diese Verschränkung ist steuerlich notwendig, da Renu Qadri bei einem Hausverkauf weniger Steuern hätte zahlen müssen, als bei Einnahmen von 3,75 Millionen Pfund aus der Organisation einer Lotterie. 

Derzeit ist es unklar, ob diese Form von Verlosung wirklich gegen das britische Recht verstößt. Ein Sprecher der Gemeinde sagte lediglich: "Das Schatzamt begrüßt die Beendigung dieser Verlosung, nachdem wir die betroffenen Einwohner darauf aufmerksam machten, dass sie möglicherweise gegen das Gesetz zum Glücksspiel verstoßen könnten." Alle bisherigen Teilnehmer bekommen das Geld zurück überwiesen. Unbekannt ist auch, ob die Verlosung eine realistische Chance hatte, tatsächlich 750.000 Lose zu verkaufen. Renu Qadri hat sich für den kleinen Betrag von fünf Pfund entschieden, daher mussten so viele Teilnehmer zusammenkommen. Wenig seriös wirkt auch ihr Versuch, mehr als den dreifachen Wert des Hauses durch die Lotterie einzunehmen.

In Deutschland denkbar - aber schwierig

In Deutschland können Privatpersonen grundsätzlich keine Glücksspiele legal durchführen. Im Prinzip ist es denkbar, die Verlosung in ein Gewinnspiel mit dem Haus als Hauptpreis zu organisieren. In etwa so, wie es die TV-Sender mit ihren Votes über gebührenpflichtige Nummern anbieten. Es ist jedoch anzunehmen, dass die staatlichen Behörden dieser Art des Hausverkaufs kritisch gegenüber stehen und nach Mitteln suchen werden, so ein Gewinnspiel zu stoppen. 

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