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München "Gehört für mich zum Grundrecht": Rentnerin vermietet Wohnungen für neun Euro pro Quadratmeter

Gisela Aeckerlein
Die 83-jährige Gisela Aeckerlein aus München gehört zu einer ganz seltenen Spezies
© Facebook / stern TV /screenshot
Eine Vermieterin aus Deutschlands teuerster Stadt für Mieter:innen verlangt lediglich neun Euro pro Quadratmeter. Und das im Münchner Glockenbachviertel. In einem Interview erklärt sie ihre Beweggründe.

Die 83-jährige Gisela Aeckerlein, CSU-Mitglied und Immobilieneigentümerin, gehört zu einer ganz seltenen Spezies. Nämlich zu jener, die es nicht wagen, die Mietpreise der von ihnen vermieteten Wohnungen auf das Maximum anzuheben. trotz der in München üblichen Durchschnittsmiete von circa 19 Euro, verlangt Aeckerlein für ihre Wohnungen lediglich neun Euro pro Quadratmeter und somit weniger als die Hälfte des Möglichen.

Wohnen als Grundrecht

Im Gespräch mit stern TV äußert sie sich zu ihren Beweggründen: "Wohnen gehört für mich zum Grundrecht.“ Weiter führt sie aus: "Wohnen und Arbeiten ermöglicht einem jeden, sein Leben selbst zu gestalten. Wenn aber eins von beidem wegfällt, dann ist das nicht mehr so möglich.“ Für sie sind eine gute Hausgemeinschaft und soziale Mieten wichtiger als der eigene Profit.

Eine der Mieterinnen, Rentnerin Rita Kirnes, die seit über zehn Jahren in einer der Wohnungen lebt, fasste im Bayerischen Rundfunk (BR) zusammen, warum diese Wohnsituation für sie so einmalig, wie auch wichtig ist: "Ich fühle mich einfach in der Wohnung wohl. Die Hausgemeinschaft passt einfach gut zusammen und man hilft sich gegenseitig. Das ist ganz wichtig, dass man sich versteht. Ich habe Bäume vor dem Fenster, es sind Vögel da." Auch auf Facebook, wo der stern-TV-Beitrag gepostet wurde, sind die Reaktionen zur Vorgehensweise Aeckerleins positiv: "Von der alten Damen könnten sich andere Vermieter eine gaaanz dicke Scheibe abschneiden", kommentierte beispielsweise die Userin Stephanie Meußer.

Münchener Vermieterin klagt über Erbschaftssteuer

Wie lange sie dort jedoch noch wohnen bleiben kann, sei laut BR ungewiss. Rita Kirnes' Vermieterin Gisela Aeckerlein wohnt gleich in der Wohnung gegenüber und besitzt das Haus in dritter Generation. Doch wie es nach dem Tod der jetzigen Vermieterin mit dem Haus einmal weitergeht, ist äußerst unsicher. Bei stern TV berichtet sie, dass das gesamte Haus mittlerweile 5,5 Millionen Euro wert sei. Und das treibe die Erbschaftssteuer in die Höhe, die sich die Erben von Aeckerlein wohl nicht werden leisten können.

Die 83-Jährige schlug vor, die Erbschaftssteuer – im konkreten Fall würden circa 800.000 Euro fällig werden – für Vermieter zu senken und dadurch günstige Mieten garantieren zu können. Dass sie mit diesem Wunsch in der Politik Gehör findet, ist jedoch zweifelhaft, denn wie der BR bereits 2020 aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums zitiert, greife derzeit im Gesetz schon "ein verminderter Wertansatz von 90 Prozent des Grundstückswertes, wenn das ererbte Grundstück zu Wohnzwecken vermietet wird."

Diese Minderung des Wertansatzes wäre jedoch immer noch weit über dem Tragbaren für die Erben in diesem Fall, weswegen in absehbarer Zeit diese Preisoase für Mieter:innen in München wohl verschwinden wird.

Quellen:  BR, RTL


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