Arbeit 60-Stunden-Woche bei Nappo


60 Stunden pro Woche arbeiten: Bei einem Krefelder Süßwaren-Hersteller ist das zur Wirklichkeit geworden. Die Gewerkschaft lief Sturm, die Geschäftsleitung wiegelte ab.
Von Malte Arnsperger

60-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich hieß es bis gestern beim finanziell angeschlagenen Krefelder Süßwaren-Herstellers Nappo. Das Traditionsunternehmen ließ seine 150 Beschäftigten nach Darstellung der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) zwölf Stunden am Tag arbeiten und das zum Tariflohn einer 38-Stunden-Woche. "Die 60-Stunden-Woche ist gesetzeswidrig", meint Brigitte Bresser, bei der Gewerkschaft NGG für Nappo zuständig.

Nappo:"Keine gesetzeswidrige Arbeitszeit"

Die Unternehmensleitung bestreitet die Vorwürfe. Man habe seit vergangener Woche in Absprache mit der Belegschaft eine auf drei Monate befristete, höhere Arbeitszeit eingeführt. Angeblich fehlen der Firma in diesem Jahr rund zwei Millionen Euro, deshalb sah sich die Geschäftsleitung zum diesem Schritt veranlasst. Als bekannt wurde, dass das "gemeinsame Projekt" gegen arbeitszeitrechtliche Vorschriften verstoßen könnten, "wurden alle nötigen Schritte eingeleitet.(...)" damit die Arbeitszeit nicht gegen das Gesetz verstößt, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Von 60-Stunden-Woche aber will man bei Nappo nichts wissen: Kein Beschäftigter sei gezwungen worden, "einen höheren Beitrag zu leisten, als es den arbeitsvertraglichen Verpflichtungen entsprochen hätte", versichert der Geschäftsführer Berndt Bleser.

Gesprächsbedarf gab es aber anscheinend doch, denn nachdem die Gewerkschaft den Arbeitsschutz eingeschaltet hatte, traf sich die Geschäftsleitung am Mittwoch abend mit dem Betriebsrat. Bei diesem Treffen sei eine "interne Betriebsvereinbarung" getroffen worden. Diese bewege sich im "gesetzlichen und tariflichen Rahmen", wurde knapp vom Unternehmen mitgeteilt.

Ab sofort "nur" noch zehn Stunden pro Tag

Die Gewerkschaft geht davon aus, dass bei Nappo nun statt zwölf Stunden "nur" noch zehn Stunden pro Tag gearbeitet wird. Diese Mehrarbeit sei für eine begrenzte Zeit durchaus möglich, wenn der Betriebsrat zustimmt, sagte Bresser. Man vertraue der Vereinbarung: "Ich gehe davon aus, dass die gesetzliche Höchstgrenze von zehn Stunden bei Nappo eingehalten wird. Ich würde sonst sofort davon erfahren", so Bresser weiter. "Aber vorerst ist jetzt Ruhe."


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