Arbeitskampf Darum wollen die Lokführer mehr Geld


Die Lokomotivführer wollen mehr Geld. Die Rede ist von einer 30-prozentigen Gehaltserhöhung. Die Gewerkschaft aber sagt: "Ganz so viel soll es nicht sein und auch nicht für alle" - stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Arbeitskampf der Lokführer.

Der Arbeitskampf bei der Eisenbahn ist noch nicht beendet. Obwohl die Gewerkschaft Transnet GdED für ihre Bahn-Beschäftigten jetzt ein Lohnplus in Höhe von 4,5 Prozent herausgehandelt hat, steht eine Lösung im Konflikt mit den in der GDL organisierten Lokführern noch aus. Deren Vertreter wollen vor allem das Einstiegsgehalt deutlich erhöhen - um knapp 27 Prozent. Außer den Löhnen soll unter anderem über eine Arbeitszeitverkürzung verhandelt werden.

Besonders die Forderung von fast 30 Prozent mehr Geld erregt die Gemüter. Die Gewerkschaft begründet sie damit, dass für Lokführer Schichtdienst der Normalfall ist (bis zu drei Wochenenden im Monat), und sie eine hohe Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere tragen. Der Lohn dagegen falle karg aus, so die GDL - vor allem im Vergleich zu Piloten, die als Vergleich gerne herangezogen werden.

stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Forderungen der Lokomotivführer

Warum fordert die Lokführer-Gewerkschaft GDL 30 Prozent mehr Gehalt?

Die GDL sagt, sie wolle lediglich das Einstiegsgehalt der Lokomotivführer von aktuell 1970 auf 2500 Euro erhöhen. Das entspräche einem Plus von rund 27 Prozent.

Was verdienen Lokomotivführer im Durchschnitt?

Die Bruttogehälter liegen derzeit zwischen 1970 und 2200 Euro. Das entspricht einem Nettogehalt von maximal 1900 Euro je nach Schichtzulagen und Familienstand. Durchschnittlich bleiben aber nur 1600 Euro übrig.

Warum stellt sie diese Gehaltsforderungen gerade jetzt?

Bislang haben die Eisenbahnergewerkschaften Transnet GdED und GDL so genannte inhaltsgleiche Tarifverträge gleichzeitig gebilligt. Nachdem die Bahn AG im vergangenen Jahr ein Bruttogewinn von 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftet hat, versucht die GDL nun unabhängig vom Transnet-Abschluss ein Stück vom Kuchen abzukommen.

Warum kämpfen die Gewerkschaften nicht zusammen?

Bei den Tarifgesprächen 2003 hat die Eisenbahnergewerkschaft Transnet GbED dem Vorschlag der Bahn AG zugestimmt, 18 unbezahlte Schichten zusätzlich zu leisten. Dieser Kompromiss ging den Lokführern deutlich zu weit. Seitdem sind sich die Arbeitnehmervertreter nicht mehr grün.

Haben die Lokführer früher mehr verdient?

Nein. Laut GDL beträgt der Reallohnverlust der Lokführer (durch Inflation und Arbeitszeiterhöhung) seit der Bahnprivatisierung 1994 9,5 Prozent.

Zum Vergleich: Was verdienen etwa Piloten?

Die Gehälter schwanken je nach Arbeitgeber. Kopiloten können zwischen 2000 und 5600 Euro brutto verdienen. Kapitäne verdienen bei der Lufthansa rund 112.000 Euro im Jahr, also rund 8000 im Monat.

Ist das aktuelle Lokomotivführer-Gehalt angemessen im Verhältnis der Ausbildung?

Kommt darauf an. Für den Beruf des Lokführers, offiziell "Eisenbahner im Betriebsdienst" genannt, wird im Allgemeinen ein Realschulabschluss vorausgesetzt, es werden aber auch Hauptschüler genommen, die eine technische Ausbildung haben. Die Lehre dauert drei Jahre, zuzüglich Weiterbildungen. Zum Vergleich: Eine Verkäuferin bei Aldi verdient nach einer dreijährigen Ausbildung 2400 Euro im Monat, das Einstiegsgehalt von Grundschullehrern (Studium plus Referendariat) liegt bei 2300 Euro.

Wie geht es im Tarifstreit zwischen der Bahn und den Lokführern weiter?

Bislang gab es nur Gespräche, am 13. Juli sollen erste Verhandlungen geführt werden. Dabei geht es nicht nur die Gehälter, sondern etwa auch um betriebliche Altersvorsorge und Arbeitszeiten. Zurzeit müssen Lokomotivführer 41 Stunden die Woche arbeiten. Die GDL will kürzere Wochenarbeitszeiten.


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