Arbeitsmarkt Ein-Euro-Jobber helfen Reisenden


Ratlose Reisende auf dem Frankfurter Flughafen sind ihr Ziel: Seit Anfang der Woche begrüßen Ein-Euro-Jobber in den Ankunftshallen Touristen und Geschäftsleute aus aller Welt.

In blau-gelben Kostümen und Anzügen begrüßen Ein-Euro-Jobber auf dem Frankfurter Flughafen Touristen und Geschäftsleute aus aller Welt. Zumindest auf Englisch und Deutsch bieten die "internationalen Gästebetreuer" Orientierung. Mit Hilfe eines Rollcontainers, auf dem ein Laptop mit Internetanschluss und ein Drucker Platz haben, können sie über Sehenswürdigkeiten und aktuelle Angebote in Frankfurt und Umgebung informieren.

Mit dem Projekt sollen Bezieher von Arbeitslosengeld II wieder in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Die Stadt Frankfurt erhofft sich gleichzeitig eine Verbesserung ihres Images: "So wie der erste Eindruck bei Menschen oft entscheidend ist, ist es auch bei Städten", sagt Sozialdezernent Franz Frey (SPD). Ein Vorbild für das Projekt gebe es nicht. "Aber jeder hat schon mal ratlos vor dem Fahrkartenautomat in einer fremden Stadt gestanden."

"Viele Menschen blicken sich hier hilflos um"

18 Männer und Frauen haben zum Beginn des Projektes ihren Schichtdienst zwischen Terminal 1 und 2 aufgenommen. Bis Jahresende sollen es 60 werden, dann sollen auch Fremde in der Innenstadt und am Hauptbahnhof begrüßt werden.

"Die meisten fragen nach einem Aufzug, der Information, den Toiletten oder dem Bahnhof", berichtet die Betreuerin Iseuska in Ankunftshalle B. Die attraktive 24-Jährige, die vor sechs Jahren aus der Dominikanischen Republik kam, hat noch keinen Beruf gelernt, aber schon in der Verwaltung eines Computerdienstleisters gearbeitet, bevor sie arbeitslos wurde.

"Viele Menschen blicken sich hier hilflos um", sagt ihre Kollegin, eine gepflegte junge Frau, die ihren Namen nicht nennen will. Bislang hätte sie alle Fragen beantworten können, manche Menschen musste sie an die Fachstellen des Flughafens verweisen: "Ein Mann hatte seinen Schwager verloren. Da konnten wir nichts machen, außer ihn für eine Lautsprecher-Durchsage zur Information zu schicken."

Zertifikat als "fremdsprachliche Gästebetreuer"

Freundlich stehen die Gästebetreuer Rede und Antwort, wenn sie angesprochen werden. Allerdings werden die raren Helfer inmitten des Trubels an dem Mammut-Flughafen trotz ihrer Kleidung mit einem bunten Logo der Skyline und dem Aufdruck "Welcome to Frankfurt" leicht übersehen. "Sie müssen auch auf die Reisenden zugehen", sagt Frey. Das machen aber noch längst nicht alle; Iseuska findet auch das lange Stehen anstrengend. "Einige sind noch etwas schüchtern", erklärt das die Leiterin des Projekts der Gemeinnützigen Frankfurter Frauen-Beschäftigungsgesellschaft (GFFB), Susanne Podehl. Gemeinsam mit einer Kollegin zieht sie von Station zu Station und gibt den Ein-Euro-Jobbern Tipps.

Eine kaufmännische oder Service-Vorbildung nennt GFFB-Geschäftsführerin Barbara Wagner als Voraussetzung für den Ein-Euro- Job. Vier Wochen lang werden dann Sprachkenntnisse und das Wissen über Frankfurt trainiert, Serviceorientierung und Computer-Kenntnisse geschult. Maximal neun Monate können die 20 bis 50 Jahre alten Betreuer arbeiten, zu den 20 Wochenstunden kommen noch fünf Stunden individuelle Weiterbildung, am Ende gibt es ein Zertifikat "als fremdensprachliche Gästebetreuer".

Die GFFB bietet 18 verschiedene Projekte für Ein-Euro-Jobs

Wagner sieht in ihrem "Lieblingsprojekt" - die GFFB bietet 18 verschiedene Projekte für Ein-Euro-Jobs - eine gute Brücke in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Angehenden Lehrlingen der Tourismus-, Reiseverkehr- und Hotelbranche könne die Zeit auf die Ausbildung angerechnet werden. Die Langzeitarbeitslosen könnten am Flughafen Kontakte zum Betreiber Fraport knüpfen, der rund 65.000 Menschen beschäftigt und jedes Jahr 500 bis 1000 einstellt, wie Arbeitsdirektor Herbert Mai sagt. Auch er ist überzeugt: "Es gibt hier die besten Chancen."

Ira Schaible/DPA


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