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Arbeitsrecht: Kirmesbesuch auch im Krankenstand

Weil eine Angestellte trotz Krankmeldung einen Rummelplatz besuchte, erhielt sie von ihrem Arbeitsgeber die fristlose Kündigung. Das Arbeitsgericht Frankfurt gab nun der Arbeitnehmerin Recht: In ihrem Fall habe der Besuch des Rummels eine gesundheitsfördernde Wirkung gehabt.

Der Besuch von Vergnügungsveranstaltungen rechtfertigt nicht automatisch die fristlose Kündigung eines krankgeschriebenen Arbeitnehmers. Darauf hat das Arbeitsgericht Frankfurt im Prozess zwischen einer Friseurin und einem Frisiersalon hingewiesen.

Die wegen Depressionen krankgeschriebene Frau war von Kollegen am Wochenende auf einem Volksfest gesehen worden. Ihre Chefin zweifelte daraufhin an deren Arbeitsunfähigkeit und kündigte fristlos wegen Betrugsverdachts. Wer auf einem Rummelplatz spazieren gehe, könne auch im Frisiersalon arbeiten.

Das Gericht wies jedoch auf die mögliche gesundheitsfördernde Wirkung solcher Freizeitbetätigungen hin. Gerade depressive Arbeitnehmer müssten nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen oder gar das Bett hüten, wenn sie krankgeschrieben seien. Die Friseurin hatte vor Gericht angegeben, ihre Ärztin habe ihr empfohlen, "unter die Leute zu gehen". Das Unternehmen erklärte sich bereit, der Frau eine Abfindung zu zahlen.

DPA / DPA
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