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Bangladesch: Westliche Firmen versprechen Unterstützung für Einsturzopfer

Bei dem Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch starben 382 Menschen. Von den schlechten Arbeitsbedingungen dort profitierten Unternehmen in Europa und Nordamerika. Zwei von ihnen kündigten Hilfe an.

Eine britische und eine kanadische Firma wollen die Opfer der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch unterstützen. Die kanadische Supermarktkette Loblaw kündigte am Montag (Ortszeit) an, die Betroffenen und ihre Familien sollten "jetzt und in der Zukunft" Hilfe erhalten, ohne einen konkreten Betrag zu nennen. Die Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden, hieß es in der Erklärung. Loblaw bestätigte, dass Zulieferer der Supermarktkette in der Unglücksfabrik herstellen ließen.

Zuvor hatte die britische Billigtextilkette Primark Unterstützung für die Opfer angekündigt. "Wir arbeiten mit einer örtlichen Hilfsorganisation zusammen," teilte der Konzern mit, der für seine Discountpreise bekannt ist. Seit Mai 2009 ist Primark auch mit Filialen in Deutschland vertreten.

Die spanische Kleidermarke Mango erklärte hingegen, sie habe in einer der Werkstätten lediglich Muster fertigen lassen. Der italienische Konzern Benetton bestätigte eine "einmalige Bestellung" in der Fabrik.

Der Vorfall hat den Druck auf internationalen Firmen erhöht, für bessere Bedingungen bei ihren Lieferanten zu sorgen. Vertreter von 45 Unternehmen - darunter H&M, JC Penney, Nike und Wal-Mart - trafen sich mit dem Verband der Textilexporteure von Bangladesch, um über die Sicherheitsstandards zu sprechen.

Kritik an Arbeitsbedingungen

Das mehrstöckige, illegal errichtete Gebäude mit fünf Werkstätten war am Mittwoch vergangener Woche eingestürzt, bis zum Dienstag wurden 382 Todesfälle bestätigt. Zum Unglückszeitpunkt sollen sich etwa 3000 Menschen in der Fabrik aufgehalten haben. Es war der schlimmste Industrieunfall in Bangladeschs Geschichte.

Textilarbeiter demonstierten nach dem Einsturz gegen die Arbeitsbedingungen in der Branche und griffen Textilfabriken an und setzten Autos in Brand. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein.

Fabrikbesitzer vor Gericht

Der Eigentümer des Gebäudes wurde am Montag erstmals vor Gericht angehört, er war zuvor an der Grenze zu Indien festgenommen worden. Vor dem Gericht in Dhaka forderten Opferangehörige die Todesstrafe für Sohel Rana: "Hängt Rana, hängt den Mörder", riefen etwa 100 Menschen. Er wird von der Staatsanwaltschaft der fahrlässigen Tötung beschuldigt, weil er beim Bau minderwertiges Material verwendet haben soll.

sas/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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