E-MAIL AUS NEW YORK Ein Wochenende in den Hamptons


Nach den letzten turbulenten Wochen dachte ich mir, gönne ich mir eine kleine Erholung. Da kam mir die Einladung eines neuen Freundes wie gerufen.

Nach den letzten turbulenten Wochen dachte ich mir, gönne ich mir eine kleine Erholung. Da kam mir die Einladung eines neuen Freundes wie gerufen. Er lud mich für ein Wochenende in sein Sommerhaus in den Hamptons ein.

Reizvolle Vorstellung. Ein ganzes Wochenende keine New York-Geräuschkulisse, keine Hektik, kein Dreck.

Die Hamptons sind der äußerste Zipfel von Long Island und setzen sich aus wohlklingenden Städtchen wie East Hampton, Sag Harbour, Bridgehampton und Amangasset zusammen. Während der Woche sind das verschlafene idyllische Örtchen, die mich ein wenig an Keitum auf Sylt im Frühjahr erinnern.

Doch wehe das Wochenende naht. Augenblicklich ändert sich das Bild der Hamptons. Am Freitagabend beginnt es damit, dass sich eine Blechlawine aus den teuersten - und natürlich größten - Autos über den Long-Island-Expressway ostwärts wälzt. Die teuren Restaurants sind auf einen Schlag ausgebucht.

Während man in der Woche hier problemlos den schönsten Tisch ohne Vorreservierung bekommt, sieht es freitags düster aus, überhaupt einen Platz zu ergattern. Außer man wartet ein, zwei Stündchen.

Ich bin leider nicht mit ausreichend Geduld gesegnet, um mit knurrendem Magen eine Stunde lang den anderen beim genüsslichen Speisen zuzuschauen. So entschlossen wir uns an diesem Freitag nach längerem erfolglosen Suchen, ein Picknick zu machen. Wir kauften gegrillten Fisch und Bier an einem Kiosk - ich musste tatsächlich mal wieder meinen deutschen Pass vorzeigen um zu beweisen, dass ich schon des Biertrinkens berechtigt bin! - und suchten uns dann ein ruhiges Plätzchen auf einem Steg in Sag Harbour. Allerdings war äußerste Vorsicht beim Verzehr unserer alkoholischen Getränke geboten. Wir befanden uns schließlich in der Öffentlichkeit und taten somit etwas höchst Illegales...

Lächerlicherweise versteckten wir tatsächlich bei jedem ankommenden Boot unsere Bierflaschen in den hässlichen braunen Tüten, in Angst, es könnte ja die Wasserschutzpolizei sein. America - land of the free!

Der Rest des Wochenendes wurde fast ausschließlich am Strand verbracht. Die Strände der Hamptons sind wunderschön. Richtige Dünenlandschaften, hohe Atlantikwellen und erstaunlicherweise wenig Menschen. Anscheinend zieht es den Amerikaner nicht unbedingt ans Wasser, solange das Wetter nicht perfekt ist. Ein weiteres Problem ist die Zufahrt zum Meer. Es gibt nahezu keine öffentlichen Parkplätze, kostenlose schon gar nicht. Und da der Amerikaner bekanntlich nicht allzu gerne zu Fuß geht, ist das sicher auch ein Grund, weshalb die Strände so angenehm leer sind.

Am Sonntag standen auch wir natürlich im Heimfahrt-Stau, aber erholt, glücklich und Bob Dylan-Songs hörend. Da kann gar keine schlechte Laune aufkommen.

Hamptons, ich komme wieder!

Fortsetzung folgt...


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