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Erfahrungsbericht: Zwischen Kasse und Klassenraum

Gut ein Drittel aller deutschen Schüler jobbt. Nach der Schule und an den Wochenenden verdienen sich die Teenager ihr Geld in Kneipen, Supermärkten und Tankstellen. Einer von ihnen ist Henning Rathert.

Faulenzen im Freibad, am Wochenende auf Partys gehen und ein Auto wäre auch prima - das Leben eines Teenagers. Doch das will auch finanziert werden. Gut ein Drittel der deutschen Schüler bessert das Taschengeld durch einen Job auf. Einer von ihnen ist Henning Rathert.

"Angefangen habe ich damit, das örtliche Sonntagsblatt zu verteilen, danach habe ich drei Garten-Jobs gleichzeitig gemacht", sagt Abiturient Rathert, der seit seinem 13. Lebensjahr regelmäßig jobbt. Es folgte eine Sommer-Aushilfstätigkeit beim Tiefbau und die ersten schlechten Erfahrungen: "Mein Chef hat damals versucht mich finanziell über den Tisch zu ziehen." Doch nicht mit Henning Rathert! Konsequent ist er dagegen angegangen und hat sein hart erarbeitetes Geld schließlich doch bekommen.

Mit steigenden Ansprüchen an das Teenager-Leben musste ein fester und besser bezahlter Job her: "Meine Mutter hatte eine Anzeige in der Tageszeitung entdeckt. Die BP-Tankstelle im Nachbarort suchte eine Aushilfe." Der damals 17-Jährige bewarb sich, bekam den Job und stieg an den Wochenenden in der Spätschicht ein. Vor einem Jahr konnte dann auch in der Nachtschicht arbeiten.

Einer der nicht da ist, wenn man ihn braucht, kann gehen

Das Geld gibt er aber nicht nur für sein Vergnügen aus: "Ich musste die Schule wechseln und hatte plötzlich einen Weg von 20 Kilometern pro Strecke", so Henning. In seiner kleinen Heimatstadt Lübbecke bedeutet die Fahrt in die Kreisstadt Minden zwei Stunden Busfahrt. Zum Nachmittagsunterricht mussten ihn seine Eltern bringen, da die öffentlichen Verkehrsmittel nicht flexibel sind. Also musste ein motorisierter Untersatz her. Erst ein Moped, dann ein Motorrad und schließlich auch ein Auto. "Ich habe gelernt, dass man jobben muss, um sich das alles leisten zu können."

Ratherts Freizeit ist begrenzt: Neben Job, Arbeit und seinem Ehrenamt als Schülersprecher bleibt wenig Zeit übrig: "Ich musste mein Leben neu strukturieren. Anderthalb Monate im Voraus kommt der Dienstplan raus, da kann ich nicht einfach spontan entscheiden, wozu ich Lust habe. Ich muss mich nach der Arbeit richten und mich flexibel zeigen, wenn zum Beispiel ein Kollege ausfällt." Sein Chef legt Wert darauf, dass die Kollegen sich untereinander vertreten – einer der nicht da ist, wenn man ihn braucht, kann gehen. Eine harte Schule und dennoch schätzt Henning genau das: "Die Tankstelle ist ein Ort, wo man mit einer breiten Masse an verschiedenen Menschen zusammen kommt." Neben dem Chef und den Kollegen gilt es vor allem zu den Kunden freundlich zu sein, auch wenn die eigene Laune mal zu wünschen übrig lässt. "Ich habe an Menschenkenntnis dazu gewonnen und es macht mir unheimlich Spaß", stellt er fest.

"Wenn ich wenig zu tun habe, leiste ich auch nichts"

Die Schule hat unter seinen vielen Jobs nicht gelitten – im Gegenteil: "Ich gehe selten früh schlafen, die Nachtarbeit kommt meinem Rhythmus entgegen. Wenn ich wenig zu tun habe, leiste ich auch nichts. Ich muss körperlich und geistig ausgelastet sein." Dennoch: nach einem Jahr fiel auch dem Nachtschwärmer die ständige Umstellung von zwei durchgearbeiteten Nächten auf den Schulrhythmus schwer. "Meine Leistungen sind nicht abgefallen, aber ich musste lernen, mein leben gut zu organisieren, um alles unter einen Hut zu bringen. Aber ich habe auch begriffen, dass man für sein Geld arbeiten gehen muss", erklärt der angehende Zivi.

Gebracht haben ihm die Jobs neben dem Geld aber auch jede Menge Erfahrung: Disziplin, sich auch mal unterordnen zu können und Teamgeist sind eine wohl nicht ganz schlechte Schule für das spätere Leben als Berufstätiger. Zwar haben ihn die Jobs in seiner Berufsfindung nicht wirklich weiter gebracht, doch er weiß, was er auf keinen Fall will: "Mein Leben in einer Tankstelle verbringen!", erklärt er augenzwinkernd.

Katarina Spilker
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(