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Fachhochschule Gelsenkirchen: Cornelia allein auf weitem Flur

Alle 25 Lehrkräfte des Studiengangs PR an der FH Gelsenkirchen kümmern sich nur um sie, die einzige Studentin am Fachbereich: Cornelia Keller. Diese traumhaften Bedingungen verdankt sie ausgerechnet dem misslungenen Selbst-Marketing der PR-Profis.

Von Matthias Lauerer

In ganz Deutschland sitzen fast zwei Millionen Studenten in überfüllten Hörsälen und ärgern sich über lange Wartezeiten vor den Türen ihrer Professoren. In ganz Deutschland? Nein, denn an der Fachhochschule Gelsenkirchen herrschen sagenhafte Studien-Bedingungen: Zumindest im Master-Studiengang Public Relations. Hier studiert Cornelia Keller, 33. Bislang ganz alleine.

Begonnen hatte alles im Sommer 2006. Durch Zufall geriet Keller, die zuvor schon Romanistik und Politikwissenschaften studiert hatte, an ein Buch. In dem wurde der damals nagelneue Gelsenkirchener Studiengang beschrieben. Keller bewarb sich blitzschnell und begann Ende September 2006 mit ihrem Studium. Möglich war dies, weil der Einstieg an der Fachhochschule (FH) nicht an Fristen gebunden ist.

Damit ist sie die bislang einzige Studentin, die im Studiengang unterrichtet wird. Stolze 20.000 Euro zahlt Keller dafür in zwei Jahren - obwohl der Studiengang einige Vorteile bietet. So lehrt man im Ruhrgebiet nur an drei Tagen im Monat. Deshalb fehlt Frau Keller einmal monatlich donnerstags und freitags bei ihrer Arbeit.

Noch bis Anfang Mai sitzt sie im "Modul Nummer Neun" mit dem Schwerpunkt "General Management". Insgesamt 24 Monate braucht sie bis zum Master-Abschluss. Bis dahin hat Keller 20 der jeweils dreitägigen Module absolviert und den kuscheligen Vis-à-Vis-Unterricht genossen. Fast 25 Lehrbeauftragte kümmern sich allein um ihre einzige Studentin und bilden sie unter anderem in den Bereichen Recht und Ethik der Public Relations, der Finanz-Kommunikation und der Krisen-Kommunikation aus.

Keller genießt ihren Einzelunterricht und dank der kurzen Module kann sie bequem neben dem Job studieren. Nicht unwichtig für die 33-Jährige, weil sie bereits seit 2001 bei einer Hochschul-Organisation arbeitet.

Im Grunde profitiert Cornelia Keller davon, dass den PR-Profis um Studiengangsleiter Karl-Martin Obermeier das Marketing in eigener Sache gründlich misslungen ist. So sollte schon länger massiv für den Studiengang geworben werden. Doch "dann ist uns ist die Sache mit dem Finanz-Debakel an der Fachhochschule hammerhart auf die Füße gefallen", sagt Institutsleiter Obermeier.

Er meint damit die Veruntreuung von Förder-Mitteln in zweistelliger Millionenhöhe aus Steuergeldern. Diese Mittel wurden laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft von den Beschuldigten abgerufen, bevor sie verfielen. Die FH hatte kein Geld mehr, um die Werbetrommel zu rühren. Mittlerweile steht die Hochschule unter der Aufsicht des nordrhein-westfälischen-Bildungsministeriums, Rektor Peter Schulte und Kanzler Hans-Joachim Baier wurden beurlaubt. Nach dem jetzigen Stand der Dinge soll der Studiengang in nur 1,5 Jahren den Break-Even erreichen, der Punkt an dem sich Kosten und Erlös die Waage halten. Danach sollen schwarze Zahlen geschrieben werden.

Mehr als zweieinhalb Monate haben Obermeier und sein Team am Küchentisch an der Ausrichtung des Studienganges getüftelt. Das Ergebnis begeistert den PR-Mann: "Wir fahren hier wirklich die Creme de la Creme der deutschen PR-Profis auf. Dieser Studiengang ist einmalig in Deutschland."

Einmalig sicher für Studentin Keller. Vor allem der manchmal harte Einzel-Unterricht. "Ich fühle mich im Studiengang pudelwohl und profitiere von der persönlichen Atmosphäre. Es ist schon toll, mit den ganzen PR-Gurus zu lernen. Und natürlich bekommt man super Kontakte."

Für sie könnte sich der bislang sehr private Studienrahmen bald ändern. Denn laut Institutsleiter gibt es mittlerweile einige Interessenten, die sich wohl schon Mitte Mai für den Master-Studiengang einschreiben wollen. Dann heißt es für die Studentin Keller wohl endgültig: 'Bye, Bye Studienhimmel'. Und: 'Hello' Studien-Alltag. Keller nimmt die Veränderung sportlich: "Das wird dann wohl schon eine ganz schöne Umstellung für mich werden. Aber ich freu mich drauf!"