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Verrückte Jobs: Bekenntnisse eines Fake-Shoppers: Gekaufte Kunden sollen echte Kundschaft in Läden locken

In ein leeres Geschäft geht kein Kunde gern. In den USA kann man Fake-Shopper buchen, die eine ausgelassene Einkaufsstimmung simulieren.

Einkaufen soll Spaße machen. Das muss ein  Fake-Shopper glaubhaft darstellen.

Einkaufen soll Spaße machen. Das muss ein  Fake-Shopper glaubhaft darstellen.

Getty Images

Es gibt gefälschte Produkte, ganze Läden werden gefakt, aber was machen Fake-Shopper? Die Antwort ist ganz simple: Sie machen einen leeren Laden voll.

Das liegt am menschlichen Herdentrieb. Niemand setzt sich auf eine leere Restaurant-Terrasse, wenn nebenan im Restaurant zwei, drei Tische besetzt sind. Warten zwei Personen an der Kasse, stellen sich auch noch gern weitere dazu.

Gähnende Leere bedeutet: Da stimmt doch etwas nicht. Streifen aber mehrere Personen durch ein Geschäft und bestaunen begeistert die Waren, dann muss es dort etwas Interessantes geben. Ladenbesitzer ohne Kunden können glückliche Kunden-Darsteller anheuern, deren Begeisterung dann dazu führt, dass auch echte Kunden in den Laden stürmen. Die Geschäftsinhaber müssen nur die Lohnkosten bezahlen, die angeblich verkauften Waren landen später wieder im Regal.

Bekannt durch Verkaufsevents

Bekannt wurde der Schwindel bei weltweiten Phänomenen wie dem iPhone-Launch. In den USA gibt es immer genügend Fans, die sich stundenlang anstellen, um eines der ersten Geräte in der Hand zu halten. In Ländern wie Polen sind die Kunden nicht so verrückt. Also bezahlte der Mobilfunkanbieter Orange 2008 Dutzende von Schauspielern, die vor 20 Läden lange Schlangen bildeten, wie Reuters damals berichtete. Fake-Shoppers unterscheiden sich übrigens von den Mystery-Shoppern. Diese spielen keine Kunden, sondern überprüfen den Service und die Standards von Läden und Filialen, indem sie Testkäufe tätigen und ihren Auftraggebern detailliert Bericht erstatten.

Fake-Shopper – das ist eine bestechende Idee, die in der Praxis aber Probleme bereitet. Wenn man immer die gleichen vier Verwandten und Bekannten dazu bringt, fröhlich einzukaufen, dürfte der Schwindel alsbald auffallen. Also kommen Personen wie der Autor Sam Dunnington in Spiel. Er bessert seine Künstlerkasse als Fake-Shopper auf.

Offenbar ist das Geschäft in den USA professioneller organisiert, als man vermutet. Dunnington arbeitet nämlich bei einer Zeitarbeitsfirma. Sam Dunnington kam zu dem Job, nachdem ihn seine künstlerischen Tätigkeiten nicht ernähren konnten. Zuerst probierte er es mit Bewerbungen beim Legoland und versuchte sich bei einem Beerdigungsunternehmen. Als davon nichts klappte, meldete er sich bei der Zeitarbeitsfirma. Weil er weder Erfahrungen als Barkeeper noch als Koch hatte, wurde er zum Fake-Shopper ernannt. Seine Kollegen: Arbeitslose Schauspieler, klamme Künstler und Rentner, die einen Nebenerwerb suchen. Bezahlt wird der Mindestlohn, dafür ist die Tätigkeit nicht anstrengend.

Einsatz durch eine Zeitarbeitsfirma

Sam Dunnington schildert einen Arbeitstag. Früh am Morgen versammelte sein Teamleiter eine Einsatzgruppe von immerhin 50 Fake-Shoppern in einer Bahn-Station in Philadelphia. Dort stellte er die Herausforderungen des Tages vor. Ein Kaufhaus hat durch eine Baustelle vor dem Gebäude viel Laufkundschaft verloren – nun soll die Horde von glücklichen Käufern dort eine hervorragende Einkaufslaune simulieren.

Dem Kaufhaus ging es tatsächlich nicht gut. Ein schicker Laden, mit wirklich guten Schnäppchen, wie die Mit-Shopperin Rhonda erkennt. Doch wegen des Baugerüstes war es dort praktisch menschenleer. Dunningtons Kollegin Rhonda befindet sich in einer anderen Lage als er selbst. Sie ist Rentnerin und suchte Beschäftigung. Das Geld interessiert sie bei diesem Job weniger. Hinzu kommt, dass Rhonda von Einkaufsbummeln jeder Art begeistert ist. Am Ende des Einsatzes hat sie dann auch weit mehr Geld für einmalige Angebote in dem Kaufhaus ausgegeben, als sie verdient.

Damit die Profi-Käufer auch wirklich einen Einkauf simulieren, gibt es sogar Supervisoren. Sie passen auf, dass die Fake-Shopper nicht nur herumalbern oder in eine Ecke auf das Smartphone starren. Dunnington musste nicht angehalten werden. Das herabgesetzte Porzellan inspirierte ihn zwar nicht so wie die Seniorin Rhonda, doch er war so lange so pleite gewesen, dass er sich erleichtert fühlte, endlich mal wieder ganz legitim in einem Laden zu stöbern.

Quelle: Narratively.com

Kra
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