Fluglotsen Arbeitgeber bieten drei Prozent


Keine Entspannung im Tarifstreit mit den deutschen Fluglotsen: Die Arbeitgeber haben zwar erstmals ein Angebot vorgelegt, die Lotsen schließen einen Streik dennoch nicht aus. Ein solcher Arbeitsausstand könnte den europäischen Flugverkehr lahmlegen.

Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Deutschen Flugsicherung beraten die Fluglotsen über mögliche Streiks. Am Mittwochabend hatte der Arbeitgeber erstmals ein konkretes Angebot vorgelegt, um Arbeitskämpfe noch in letzter Minute zu verhindern. Ein Sprecher der Flugsicherung zeigte sich zuversichtlich, dass damit ein Streik zunächst abgewendet werde.

Das Arbeitgeberangebot sieht eine Gehaltssteigerung von drei Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung von 1750 Euro vor. Die Gewerkschaft forderte zuletzt vier Prozent mehr Geld, eine Einmalzahlung sowie Umstrukturierungen in den Vergütungsgruppen. Wann die Gewerkschaft über mögliche neue Verhandlungen entscheidet, war zunächst noch offen. Ein Sprecher erklärte, man werde sich nicht unter zeitlichen Druck setzen lassen.

Arbeitskampf könnte Flugverkehr in Europa lahm legen

Die Tarifverhandlungen für die 5300 Mitarbeiter der Deutschen Flugsicherung - davon 1800 Lotsen - waren Mitte November für gescheitert erklärt worden. Daraufhin hatten die Fluglotsen mit der Vorbereitung von Streiks begonnen. Ein Arbeitskampf bei der Deutschen Flugsicherung könnte den Flugverkehr in ganz Europa massiv beeinträchtigen.

Zuletzt hatte die Gewerkschaft ihre Forderungen ein wenig zurückgenommen und sich damit die Möglichkeit eines legalen Streiks eröffnet. Der Arbeitgeber hatte einen Streik ursprünglich als illegal bezeichnet, weil er sich auch auf Punkte beziehe, die im nicht gekündigten Manteltarifvertrag enthalten seien. Nach der Modifizierung der Forderung stufte auch die Deutsche Flugsicherung einen Streik als legal ein.

Im Falle eines Streiks größere Maschinen oder Umbuchungen

Die Lufthansa als größte deutsche Fluggesellschaft appellierte an die Gewerkschaft, den Arbeitskampf nicht auf dem Rücken der Kunden auszutragen. Bei Ankündigung eines Streiks werde versucht, die Auswirkungen für die Passagiere so gering wie möglich zu halten, sagte ein Sprecher. Dazu wäre der Einsatz von größeren Maschinen oder Umbuchungen denkbar.

Anfang der 70er Jahre waren bei Bummelstreiks der Fluglotsen - die damals noch Beamte waren - zehntausende Flüge gestrichen worden, mehrere Millionen Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern. Wegen sechs Monaten Bummelstreiks 1973 hatte die Bundesregierung vom damaligen Verband der Fluglotsen Schadensersatz verlangt. Später einigte man sich in einem Vergleich auf die ratenweise Zahlung von 1,5 Millionen D-Mark. Strafverfahren gegen rund 1200 Fluglotsen unter anderem wegen Nötigung eines Verfassungsorgans und Freiheitsberaubung wurden später eingestellt.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker