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GESPERRT! Bundesagentur für Arbeit: "Alle Zahlen werden frisiert"

Glaub keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Für diese Volksweisheit liefert die Bundesagentur für Arbeit einen eindrucksvollen Beleg: Bei der Lehrstellenvermittlung wird skrupellos getrickst.

Von Georg Wedemeyer

Erstmals seit 2001 mehr Lehrstellen als Bewerber", "Lehrstellenlücke geschlossen" - als Mitte Oktober die Bundesagentur für Arbeit diese Meldungen verbreitete, war der Jubel groß. "Ich bin dankbar", gestand Bundesarbeitsminister Olaf Scholz ergriffen vor der Presse. "Das starke Engagement der Partner des Ausbildungspaktes zahlt sich aus", lobten sich die Arbeitgeberverbände selbst. Alles Schmu. Tatsächlich ist die geschlossene Lehrstellenlücke in erster Linie statistischen Tricks zu verdanken.

Der heilige 30. September

Um die zu durchschauen, muss man verstehen, wie die Arbeitsagenturen ticken. Im Ausbildungsmarkt geht das "Berichtsjahr" immer vom 1. Oktober eines Jahres bis zum 30. September des Folgejahres. Stichtag für die Erfolgsstatistik ist der 30. September. "Das ist der heiligste Tag für uns, auf den hin werden alle Zahlen frisiert", so Heiner Pfeiffer, Mitarbeiter einer bayerischen Agentur, der seinen echten Namen nicht nennen will.

Übers ganze Jahr gerechnet, war die Lehrstellenlücke nämlich keineswegs geschlossen. Den rund 620.000 Lehrstellensuchenden standen nur rund 512.000 Ausbildungsplätze gegenüber. Die Lücke war also 108.000 "Lehrlinge" groß. Nur am 30. September war das anders: Damals gab es plötzlich nur noch 14.500 "unversorgte Bewerber" aber noch 19.500 freie Ausbildungsplätze. Ein Wunder? "Nein, harte Arbeit am Statistikrechner", sagt Insider Pfeiffer.

Die Vorbereitungen für den "Jahresabschluss" beginnen in den meisten der bundesweit 178 Arbeitsagenturen schon im Januar. Dann wird in "Zielvereinbarungen" festgelegt, wie viele "UVBs" es im September noch geben darf. UVBs sind "unversorgte Bewerber". Spätestens im Juni werden dann "Jahresabschlussteams", so genannte JATs oder Jahresabschlussbeauftragte (JABs) ernannt. Ihre einzige Aufgabe: die Statistik nach UVBs zu durchsuchen und von ihnen zu bereinigen.

Fehlende Mitwirkung provozieren

"Die Gefundenen schicken sie uns dann als Wiedervorlage per Mail", so Berufsberater Pfeiffer. Eine dieser Standardmails liegt dem stern vor. Darin steht nicht etwa "Bitte dringend Lehrstelle vermitteln", sondern "noch UVB, bitte Status prüfen, gegebenenfalls abmelden".

"Abmelden" heißt: aus der Statistik werfen. Das ist nicht sonderlich schwer. In einem anonymen Schreiben, das kürzlich Wilhelm Adamy erhielt, Mitglied im DGB-Bundesvorstand und im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit, wurde beschrieben, wie man das macht: "Da werden die Bewerber an einem Freitag in großen Gruppen für den nächsten Mittwoch zu einer Info-Veranstaltung geladen. Man hofft, dass wegen der kurzen Frist viele Eingeladene nicht erscheinen. Die werden dann wegen fehlender Mitwirkung bei der Lehrstellensuche abgemeldet."

Gegenüber Adamy hat die Bundesagentur eine solche Praxis dementiert. Dem stern bestätigt Insider Pfeiffer: "Ja, fehlende Mitwirkung zu provozieren ist einer unserer Tricks." Abgemeldete Jugendliche, die sich beschweren, bekommen zwar oft einen neuen Termin - aber erst nach dem Stichtag 30. September.

Andere Maßnahmen

Ein anderer Trick ist, den suchenden Jugendlichen gar nicht erst zum "Bewerber" zu machen. Unsichere Jugendliche werden zunächst nur als "Ratsuchende" eingestuft. Sie tauchen in der Statistik nicht auf. In einem internen Dienstprotokoll wird gemahnt: "Bewerbereigenschaft sollte bewusst vergeben werden. Bewerber nur, wenn auch Aussicht auf Realisierung besteht."

Mit anderen Worten: Ist einer schwer vermittelbar, weil er zu schlechte Noten hat oder es zu wenig Lehrstellen gibt, dann wird er kaum Bewerber. Olaf Schwede von der DGB-Jugend hat das für Hamburg über Jahre statistisch nachvollzogen: "Gibt es mehr Lehrstellen, steigt die Zahl der Bewerber, gibt es weniger, gelten plötzlich viele Jugendliche als ‚noch nicht ausbildungsreif ‘." Nach Schwedes Auswertungen erreichen nur zehn Prozent der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss den Status eines Bewerbers.

Jugendliche mit schlechten Aussichten auf eine Lehrstelle werden anderweitig "versorgt". Für sie gibt es "Maßnahmen" wie EQ (Einstiegsqualifizierung), BvB (Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme) oder die BaE (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen). "Die Angebote sind im Prinzip sinnvoll, aber vor dem Jahresabschluss werden sie zum großen Verschiebebahnhof. Wir buchen jede Menge Luftnummern", sagt Berufsberater Pfeiffer.

Beispiel: Für EQ-Maßnahmen benötigt man Betriebe, die die Jugendlichen zum "Schnuppern" aufnehmen. Gibt es zu wenig, werden "alle für EQ vorgemerkten Jugendliche, die noch keinen Betrieb haben, auf BvB gebucht. Umgehungslösung". So steht es im Dienstprotokoll einer bayerischen Agentur von Anfang August, das dem stern vorliegt. Einziger Zweck: Säuberung der Statistik von "unversorgten Bewerbern".

Der Ferienjob-Trick

Doch damit ist die Trickkiste der Statistik-Frisierer noch lange nicht leer. Kündigt einer der Jugendlichen an, er bemühe sich um ein Praktikum und habe möglicherweise eines in Aussicht, zählt er schon als "versorgt", auch wenn noch kein Praktikumsvertrag existiert. Wieder ein UVB weniger. Das Gleiche gilt, wenn der Berater die Jugendlichen zu der "Absicht" überreden kann, ein freiwilliges soziales Jahr oder ein "Berufsvorbereitungsjahr" abzuleisten. Ob er es antritt, spielt für die Statistik Keine Rolle.

Wenn gar nichts anderes geht, gibt es immer noch den Ferienjob-Trick. Heiner Pfeiffer wendet ihn oft an: "Wenn ein Jugendlicher in der Wartezeit irgendwo jobbt, egal was, egal wo, buchen wir das einfach wie ein Praktikum als ,Berufspraxis‘, unabhängig davon, was der Jugendliche werden will." Dieser Weg, die lästigen jungen Leute als "UVB" loszuwerden, ist amtlich abgesegnet. In einem Agentur- Merkblatt "Beratung und Erledigung der unversorgten Bewerber" steht wörtlich: "Arbeit jeder Art in Werdegang eintragen als Berufspraxis. Ende."

Spätestens im August beginnt dann der Endspurt. Das JAT (Jahresabschlussteam) kündigt nun wöchentliche "Suchläufe" im Computer nach unversorgten Bewerbern an. In den Dienstprotokollen werden die Anweisungen zunehmend hektischer. Da heißt es zum Beispiel "BvB können noch nicht gebucht werden, da Träger noch nicht bekannt." Lösung: "Vorläufiger Eintrag Schulbildung. Name der Schule: B v B+Losnummer und gegebenenfalls nachbuchen." Auf Deutsch: Hier wird eine ganze Schule frei erfunden.

"Ganz starke Leistung"

Brenzlig wird es dann noch mal Mitte September. Neue Bewerber drohen die Statistik zu verderben. Doch man weiß sich zu helfen, wie diese Brand-Mail einer bayerischen Arbeitsagentur vom 17. September 2008 belegt: "Zur Zeit werden noch täglich neue Ausbildungsplatzprofile gerade bei Ausbildungsabbrechern angelegt. (So) ... werden natürlich neue UVB erzeugt. Lösung: Ab heute werden neue Ausbildungsplatzprofile für dieses Jahr nur angelegt, wenn bereits Alternativen (neuer Betrieb/BaE/BVB) bekannt sind. In allen anderen Fällen: Wiedervorlage auf den 2. 10. 2008." Zweck: Überbrückung des Stichtags 30. September.

So erreichte man schließlich in nahezu allen Arbeitsagenturen schon kurz vor dem Stichtag die Zielvorgaben. Am 22. September lobt der Abteilungsleiter einer Arbeitsagentur seine Trickser per Mail: "Sie sehen mich stolz auf Sie, das Jahresabschlussteam und alle involvierten Berufsberater. Ganz starke Leistung!!!"

In Wahrheit sieht die Leistung so aus: Von allen 620.000 Lehrstellensuchenden des vergangenen Berichtsjahres wurde nur knapp jedem zweiten eine Lehrstelle vermittelt. Der Rest wurde mit den beschriebenen anderen "Maßnahmen" versorgt. 120.000 verschwanden aus der Statistik "ohne Angabe eines Verbleibs".

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(