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Hartz IV - Das Tagebuch: Noch ist die Geldbörse nicht leer

Wie lebt man als Hartz IV-Empfänger? Wie kommt man mit 345 Euro im Monat aus? Torsten Misler macht vier Wochen lang den Selbstversuch. RTL dokumentiert seinen Alltag. Im stern.de-Tagebuch berichtet er über einen schönen Abend mit - noch - nicht leerer Geldbörse.

Tag 6

Ein Plattenbau in Berlin, Beilsteiner Straße, das Jobcenter Marzahn-Hellersdorf. Schon äußerlich kein Ort, den man gern besucht. Ich verlasse die Straßenbahn und und möchte ein Gefühl für die Situation Hartz IV-Betroffener bekommen. Mit mir läuft bestimmt ein Dutzend Menschen hinüber Richtung Plattenbau. Alle eilen - fast scheint es so, als wolle niemand erkannt werden.

Auf den Treppen sitzen Männer und rauchen. Ich gehe für wenige Minuten in den Wartebereich und sehe große Hinweisschilder, dass jeder seine BG-Nummer bereithalten soll (später lerne ich: BG heißt Bedarfsgemeinschaft.) Im Haus selbst gibt es viele Etagen - in die oberen darf man nur mit Termin.

Ich fahre zurück zu den Cernys, die mich am Abend mit in den Imbiss um die Ecke nehmen. Kleines Bier für einen Euro, Döner für zwei und viele Geschichten. Es ist Monatsanfang, lerne ich, und die Geldbörsen sind noch nicht leer. Schnell sitzen andere Nachbarn mit am Tisch - wir reden, wir lachen, jeder hat sein Schicksal, doch heute Abend treten sie vielleicht ein bisschen zurück.

Ausgaben, Tag 6
Bier3 Euro
Lebensmittel3 Euro
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