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Insolvenz: Neuer Pleitenrekord 2003 befürchtet

Nach einem rabenschwarzen Jahr 2002 für viele Unternehmen fürchtet der Verband Creditreform einen neuen Pleiterekord auch für 2003. Deutschland ist Schlusslicht beim Wachstum und Spitze bei den Insolvenzen.

Nach einem Anstieg um 66,4 Prozent auf insgesamt 82.400 Insolvenzen in diesem Jahr, davon 37.700 Unternehmenszusammenbrüche, erwarten die Experten für 2003 einen weiteren Anstieg auf bis zu 42.000 Firmenpleiten. Dadurch könnten etwa 680.000 Jobs bedroht sein. Die Zahl aller Pleiten - einschließlich der Verbraucherinsolvenzen - dürfte auf bis zu 90.000 steigen.

»Deutschland steht am Ende der Wachstumsskala, aber vorne beim Pleitenranking in Europa«, sagte der Hauptgeschäftsführer der Creditreform, Helmut Rödl, heute in Frankfurt am Main. Als Ursachen für die unaufhörlich steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen nannte er die Konjunkturflaute sowie die schwache Eigenkapitalbasis vor allem im Mittelstand. 41,2 Prozent der Mittelständler seien mittlerweile unterkapitalisiert. Rödl wies darauf hin, dass selbst in Zeiten guter Konjunktur die Zahl der Firmenpleiten nur leicht sinke, meist aber auf einem hohen Niveau verharre. So habe sich die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche in den vergangen zehn Jahren verdreifacht.

Rund 590.000 Arbeitsplätze gingen in diesem Jahr den Angaben zufolge durch Firmenzusammenbrüche verloren, 17,3 Prozent mehr als 2001. Der Anteil der durch Pleiten verloren gegangenen Jobs liege bei 15 Prozent der Gesamtarbeitslosigkeit. Die Summe der Insolvenzschäden bezifferte Rödl auf 38,4 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Zuwachs von fast 20 Prozent. Im kommenden Jahr dürften die Schäden auf 40 Milliarden Euro steigen.

Verbrauchinsolvenzen deutlich gestiegen

Vor allem der Handel war wegen der Konsumflaute in diesem Jahr von der Pleitewelle betroffen. Die Zahl der Insolvenzen stieg um 32,2 Prozent. Einen deutlichen Anstieg verzeichnete auch der Dienstleistungsbereich, der konsumnahe Bereich leide unter der flauen Binnenkonjunktur, hinzu kämen die Folgen des Zusammenbruchs der New Economy, sagte Rödl. Relativ »insolvenzresistent« habe sich dagegen das verarbeitende Gewerbe gezeigt.

Auch der Gründungsboom sei zunächst einmal vorbei. Die Zahl der Unternehmensgründungen sank in diesem Jahr um 3,8 Prozent auf etwa 729.000 Neugründungen. Zugleich sei bis Jahresende mit 627.000 Firmenabmeldungen zu rechnen.

Noch stärker als die Firmenzusammenbrüche stieg in diesem Jahr die Zahl der Verbraucherinsolvenzen und zwar um fast 70 Prozent auf 22.900. Rödl führte dies unter anderem auch auf die Reform des Insolvenzrechts zurück. Die Schuldner- und Verbraucherberatungsstellen hätten 2001 - als eine Erleichterung für Privatpersonen bereits absehbar gewesen sei - dazu geraten, die Reform noch abzuwarten. Seit dem 1. Dezember 2001 ist jeder Privatperson die Möglichkeit eröffnet, nach der auf sechs Jahren verkürzten so genannten Wohlverhaltensperiode schuldenfrei zu sein. Bei der Mehrzahl der Verfahren würden die Ansprüche der Gläubiger trotz des hohen Aufwandes bei der Abwicklung nicht mehr befriedigt, kritisierte Rödl. Zugleich seien die Insolvenzgerichte völlig überlastet.