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Firmenpleiten: Pleitegeier auf Diät

Das starke Wirtschaftswachstum hat die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland auf den niedristen Stand seit dem Jahr 2000 gedrückt. Bei den Verbraucherinsolvenzen ist es genau umgekehrt: Hier steigen die Zahlen ständig, ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist in diesem Jahr wegen des starken Wirtschaftswachstums auf den niedrigsten Stand seit 2000 gesunken. 2006 haben 31.300 Unternehmen Insolvenz beantragt, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Donnerstag in Frankfurt berichtete. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Minus von gut 15 Prozent und der stärkste Rückgang seit 1998. "Die Insolvenzen reagieren erfreulicherweise direkt auf die Konjunktur", sagte Vorstandsmitglied Helmut Rödl. Vor allem der Aufschwung in der Bauwirtschaft, in der 22,3 Prozent weniger Betriebe aufgeben mussten, habe die Pleitewelle abebben lassen.

Als Grund für die positive Entwicklung bei den Unternehmen nannte Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl die angesprungene Konjunktur. Davon profitierten mittlerweile auch kleine Unternehmen. Außerdem kommt den Unternehmen ein gelockertes Kreditvergabeverhalten der Banken zugute. Der Rückgang wird sich den Experten zufolge zunächst auch 2007 fortsetzen, im zweiten Halbjahr könnte es aber wieder eine Zunahme geben. Neu im Vergleich zu früheren Jahren ist, dass die Entwicklung bei den Insolvenzen immer rascher auf den Konjunkturverlauf reagiert. Dabei nahmen die Unternehmensinsolvenzen in Ostdeutschland stärker ab (minus 17,3 Prozent) als im Westen (minus 14,3 Prozent).

Eineinhalb Jahre Wartezeit auf Beratung

Dagegen steigen die Verbraucherinsolvenzen trotz der Besserung am Arbeitsmarkt weiter dramatisch an: In diesem Jahr stellten 89.700 Verbraucher einen Insolvenzantrag, gut 30 Prozent mehr als 2005, berichtete Creditreform. Ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. Als Grund für die starke Zunahme nannte Rödl einen "Aufstaueffekt" bei Gerichten und Schuldnerberatungen. "Die Leute warten inzwischen bis zu eineinhalb Jahre auf eine Beratung", stellte er fest. In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge etwa drei Millionen überschuldete Haushalte. Viele Privatpersonen wollen sich durch ein Insolvenzverfahren von ihren drückenden Schuldenlasten befreien.

In diesem Zusammenhang begrüßte die Creditreform-Vorstandsmitglied die jüngst vom Bundesjustizministerium angekündigte Vereinfachung des Insolvenzverfahrens. Dabei sollen die Länder von Verfahrenskosten entlastet werden. "Momentan kostet ein Verfahren etwa 2.500 Euro", so Rödl. Er sprach sich dafür aus, die Einsparungen zur Unterstützung der Schuldnerberatungen zu nutzen, denen er eine gute Arbeit bescheinigte.

Schuldner aktiver einbeziehen

Künftig sollten aber auch die Schuldner noch aktiver in das Verfahren einbezogen werden. Denn in den meisten Fällen sähen die Gläubiger keinen Cent. Er sprach sich für die Einführung einer Mindestquote bei der Begleichung der Schulden aus. Dafür könne die so genannte Wohlverhaltensphase verkürzt werden, in der sich ein Schuldner an strenge Auflagen halten muss, um eine Restschuldbefreiung zu erlangen.

2007 wird die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nach Schätzung von Creditreform auf 110.000 klettern und damit den Rekordstand dieses Jahres um fast ein Viertel übertreffen. Dagegen werden sich die Unternehmensinsolvenzen auf dem diesjährigen Niveau stabilisieren. Während die Zahl der Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2007 weiter rückläufig sein werde, dürfte es im zweiten Halbjahr wegen höherer Zinsen eher wieder einen Anstieg geben. "Das gleicht sich dann in etwa aus", sagte Rödl. Die größten Insolvenzen in diesem Jahr betrafen den Handyhersteller BenQ, das Sicherheitsunternehmen Heros, die Geldtransportfirma Arnolds und die Autohäuser Georg von Opel.

DPA/AP / AP / DPA