Jonathan Meyer Feuerwehrhelfer in Taiwan

Allein unter Asiaten: In Tainan war Jonathan Meyer oft wochenlang der einzige Weiße. Doch selbst die anfangs sehr fremde Sprache hinderte den abenteuerlustigen Freiwilligen nicht, sich neben der Erziehungsarbeit einer neuen Leidenschaft zu widmen: den lokalen Garküchen.

Name: Jonathan Meyer
Alter: 22 Jahre
Heimatstadt: Ulemt
Organisation: ICYE Taiwan (Homepage)
Einsatzort: Tainan, Taiwan

Zwei Vorbereitungsseminare und dann ab in den Flieger - so fing mein Freiwilliges Soziales Jahr durch den International Cultural Youth Exchange an. Nach der Ankunft in Taiwan hatten wir die ersten zehn Tage ein Sprach- und Einführungscamp in Tainan, in dem wir auf das Land und die Gebräuche hier vorbereitet wurde. Jeder hatte in dieser Zeit einen Mentor, der ihm zur Seite stand und zum Beispiel beim Sprachunterricht geholfen hat. Anfangs war die schwüle Hitze für mich am schlimmsten, es hat schon ein wenig gedauert, bis ich das aushalten konnte. Aber in den Gebäuden hier gibt's wirklich fast überall Klimaanlagen und mittlerweile geht es ganz gut.

"Stinkender Tofu" und andere Leckereien

Ich habe im Süden Taiwans in einem Ausbildungszentrum der freiwilligen Feuerwehr geholfen. Hier werden Besucher auch über die Auswirkungen von Naturkatastrophen aufgeklärt. Wir hatten eine Windmaschine und konnten Erdbeben und Taifune simulieren, das Abseilen aus Hochhäusern üben. Die Feuerwehrzentrale von Tainan ist ein neuer Bau, in den auch die zentrale Verwaltung, die Rettungsschwimmer, die Notrufzentrale, ein Museeum und ein Zentrum zur Bewusstseinsbildung zum Verhalten im Katastrophenfall untergebracht ist.

In diesem Feuerhaus habe ich auch gewohnt, zusammen mit den Einsatzkräften. Manchmal haben micht die Kollgen von der Küstenwache mitgenommen und wir sind kilometerweit durchs südchinesische Meer gekrault. Besonders faszinierend fand ich die zahllosen Garküchen. Es gibt natürlich Reis in allen Variationen und auch noch einige Dinge, bei denen man gar nicht so genau wissen will, was es eigentlich ist. Meist schmeckt alles total lecker, und auch das Essen mit Stäbchen ist gar nicht so schwer. Ich habe mir sogar vorgenommen, irgenwann einmal "stinkenden Tofu" - eine hiesige Spezialität - zu probieren.

Kaum Europäer da

Die Arbeit macht mir viel Spaß, einfach weil es sehr witzig ist, mit den Kindern umzugehen. In der "Disaster Prevention Education Hall" des Gebäudes führe ich mit acht anderen - taiwanesischen - Zivis Kindergruppen herum. Die Kinder sind im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren. Pro Tag schleusen wir zwischen 150 und 200 Kinder aus dem Bereich Tainan City durch die verschiedensten Stationen. Das fängt mit einem Film an, der zusammen mit einem Modell zeigt, was passiert oder was man tun muss, wenn ein Feuer entsteht und endet in einem Erdbebenhaus, in dem vermittelt wird, wie man Feuer und andere Schäden bei Erdbeben vermeiden kann - und wie man sich selbst schützt.

Am Anfang sprach ich kaum Chinesisch, am Ende konnte ich mich recht gut verständigen. Imponiert hat mir, wie die Leute mit mir umgegangen sind. Hier gibt es ja buchstäblich keine Europäer, ich habe wirklich manchmal mehr als zwei Wochen keinen anderen Weißen auf der Straße gesehen, und ich bin etwas ganz Interessantes für die Kinder. Die Mutigen wollen meine blonde Armbehaarung anfassen, oder sie sehen einen mit großen Augen ganz fasziniert an. Die Menschen sind hier nicht so reserviert, geben dir einen Vertrauensvorschuss. Ich habe viele Freunde gewonnen, und bin jetzt wieder nach Taiwan unterwegs. Auch, um das gute Essen zu genießen.


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