Karriere Tor in die Vergangenheit


Eine Gladiatorenschule in Rom lehrt die Kniffe und Tricks der alten Kämpfer. Auf dem Studenplan stehen Waffenbau, Kostümschneiderei und Gymnastik.

Die Tore an der Via Appia Antica 18 gleichen dem Eingang zu einer Zeitmaschine, die einen vom 21. Jahrhundert direkt ins antike Rom von Kaiser Nero bringt. Der Römische Geschichtsclub (Gruppo Storico Romano) hat hier ein Schrebergärtchen in ein altrömisches Lager umfunktioniert. Vereinsgründer Sergio Iacomoni wandelt als Nero umher. Andere Mitglieder verwandeln sich in Neros Koch Apicio oder den germanischen Gladiator Spiculus - nach heutigen Maßstäben ein Star des alten Roms.

Geschichtsgruppe mit eigenen Kostümen

Die Idee kam Iacomoni, als er vor rund zehn Jahren am Petersdom stand. "Ich habe damals beobachtet, dass die Leute weniger am Vatikan als vielmehr an der Schweizer Garde und deren Uniformen interessiert sind", erzählt der 50-jährige Bankangestellte. Als echter Römer habe ihn die Geschichte seiner Vorfahren schon immer fasziniert - und 1994 entstand die Geschichtsgruppe um ihn. Neben den Nachforschungen über die alten Römer kam auch die Praxis nicht zu kurz. "Wir schneiderten uns die einfachen Lederuniformen der Legionäre nach und gingen damit zum Kolosseum", erzählt Iacomoni. Dort wollten die Freunde ausprobieren, wie das Publikum auf die Uniformen reagiert. "Ein voller Erfolg", sagt er stolz.

Bald schon kamen die ersten Nachfragen von Ortschaften im Großraum Rom, die die Gruppe baten, in ihren Legionärs-, Prätorianer- und Vestalinen-Kostümen auf Festen aufzutreten. "Für uns ist und bleibt es ein Hobby", sagt Neros Kumpel Caius alias Nino Chirico. "Manchmal treten wir auch für ein Abendessen auf."

Waffen bauen und damit umgehen lernen

Die Gründung der Gladiatorenschule folgte bald. "Bei uns lernt man nicht nur, sich seine eigene Rüstung und Waffen selbst zu bauen, sondern auch, wie man damit umgeht", sagt Carmelo Catanzaro, auch bekannt unter dem Namen des berüchtigten Gladiators Spiculus. Für den 35-Jährigen ist sein Künstlername Programm. Er ist zwar einer der Jüngsten, hat aber die meiste Kampferfahrung und darf daher auch den Titel des Lehrers (Magister) tragen.

Jeden Mittwoch- und Freitagabend treffen sich die Gladiatoren. Nach einer Stunde Gymnastik zum Aufwärmen werden die Rüstungen eines Retzarius oder Segutor angelegt. Während der eine nur einen Dreizack, einen Helm, ein Netz und einen Schutz am Arm trägt, ist letzterer von Kopf bis Fuß von einer Rüstung geschützt und kämpft mit zwei Waffen.

"Gladiatoren wurden nicht getötet"

"Die Rollen waren damals streng verteilt", erklärt Catanzaro. "Falls ein Mann mehr Waffen hatte, wurde er durch eine schwere Rüstung behindert. Ein Mann mit einer Waffe war dafür viel wendiger." Und dann verblüfft der heutige Spiculus mit der Darstellung: "Die Gladiatoren werden nur in den Filmen getötet. Im richtigen Leben waren sie dem Trainer viel zu wertvoll, als dass sie sinnlos geopfert worden wären." Oft seien die Gladiatoren nicht nur stark, sondern auch gebildet und vor allem reich gewesen.


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