Karriere Väter - ein Gewinn für Unternehmen?!


Wer hätte das gedacht: Auch für Männer sind Erfolg, Karriere und Familie schwer vereinbar. An gesetzlichen Möglichkeiten herrscht allerdings kein Mangel. Vielmehr stecken in den Köpfen alte Klischees.

Der gute alte Wilhelm Busch wurde in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt heute gleich mehrfach zitiert: "Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr." Und es ist in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren nicht leichter geworden, da waren sich die rund 150 Teilnehmer der Tagung "Väter - Ein Gewinn für Unternehmen?!" schnell einig. Der moderne Vater will seine Kinder miterziehen, viel Zeit mit der Familie verbringen und Rücksicht auf die Berufspläne seiner Frau nehmen. Dies alles scheint schwer vereinbar mit den unveränderten Ansprüchen auf Erfolg, Karriere und hohes Einkommen im möglichst interessanten Job.

An gesetzlichen Möglichkeiten für junge Väter herrscht aber gar kein Mangel. Theoretisch dürfen sie genauso über Jahre hinweg arbeitsfreie Elternzeit nehmen wie ihre Partnerinnen, auch Teilzeit-Jobs sind keineswegs nur Frauen vorbehalten. Die Realität sieht freilich anders aus: Nicht einmal drei Prozent aller Elternzeitler (früher Erziehungsurlaub) sind Männer, ihr Anteil an den hierzulande ohnehin knappen Teilzeitbeschäftigungen ist lächerlich gering.

Kinder können auch für Männer zum Karriere-Knick führen

"In den Köpfen herrschen die alten Klischees", sagt Stefan Becker von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die seit einigen Jahren am hehren Ziel der Vereinbarkeit von Berufswelt und Familie arbeitet. In den meisten Unternehmen, da ist sich Becker sicher, gibt es mehr oder weniger subtile Benachteiligungen für Männer, die sich zu einer aktiven Vaterschaft bekennen. Kinder können so auch für Männer zum Karriere-Knick führen. 300 Betriebe haben sich von der Hertie-Stiftung auf ihre Familienfreundlichkeit testen lassen. Veränderungen seien aber eher langfristig zu erwarten, so Becker: "Das ist eine Frage der Unternehmenskultur, die von den Führungskräften mitgetragen und vorgelebt werden muss."

Ein gutes Stück vorangegangen ist die Deutsche Lufthansa, wo seit drei Jahren mit Wilfried Weiß der erste männliche Beauftragte für Chancengleichheit in einem deutschen Großunternehmen arbeitet. Die Fluggesellschaft verspricht sich von einer familienfreundlichen Personalpolitik handfeste betriebswirtschaftliche Vorteile. "Wir bekommen zufriedene und motivierte Mitarbeiter, die den Rücken frei haben", schildert Weiß das Ziel eines Mix aus flexiblen Arbeitszeitmodellen, Beratungsangeboten und einer Ad-Hoc-Betreuung der Mitarbeiter-Kinder in Notfällen.

"Junge, überleg dir das genau"

Dass Familienfreundlichkeit zumindest bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften bald ein entscheidender Faktor sein wird, glaubt auch die Personalplanerin Barbara David von der Commerzbank. "Der demographische Wandel wird bald dafür sorgen, dass wir gut ausgebildeten Menschen hinterher rennen müssen." Ihre Bank sieht David im Kampf um die besten Köpfe gut gerüstet: Auch hier gibt es dutzende Teilzeitmodelle, Beratungen und Auffangeinrichtungen zur Betreuung der Kinder.

Dass es auch ganz anders gehen kann, hat der Frankfurter Kaprel Demircioglu 1995 bei der Geburt seines Sohnes erlebt. Sein Chef habe sich schon darüber mokiert, dass er bei der Geburt dabei sein wollte, erzählt er. Seinen Wunsch nach Erziehungsurlaub wurde mit einem knappen "Junge, überleg dir das genau" abgebügelt. Der Vertriebsmanager hat nach zwei Wochen Urlaub weitergearbeitet, aber bald die Firma gewechselt. Christian Ebner, dpa


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