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Urteil des Landgerichts: Kölner Anwalt wirbt mit nackten Brüsten – und wird vom Gericht abgewatscht

Wie man Aufsehen erregt, das weiß ein Kölner Anwalt ganz genau: Schon zum zweiten Mal versuchte er, mit einem Erotikkalender Mandanten anzulocken. Die Gerichte haben für diese Art von Werbung allerdings kein Verständnis.

Eine von hinten fotografierte Frau steht mit nacktem Oberkörper in einem Feld

"Schöne Frauen ziehen immer", dachte sich ein Anwalt aus Köln. Diese Art von Werbung ging für ihn aber nach hinten los. (Symbolbild)

Der Kalender für das Jahr 2014 zeigte laut dem "Kölner Express" Frauen, die in aufreizenden Posen und mit blanken Brüsten posierten. Auf der Vorderseite hatte der Anwalt Name und Adresse der Kanzlei abdrucken lassen. Was das alles mit Juristerei zu tun haben sollte? Das blieb unklar. Offensichtlich erhoffte er sich von den nackten Tatsachen mehr Mandanten – was als Werbecoup geplant war, ging aber nach hinten los.

Zunächst bekam der Fachanwalt für Versicherungs- und Medizinrecht Ärger mit der Kölner Anwaltskammer, die sich um die Ehre des Berufsstandes sorgte und für die schlüpfrige Werbung eine Rüge aussprach. Das sah das Kölner Amtsgericht ähnlich und untersagte diese Art von Reklame als "unsachliche und damit unzulässige Form der Werbung".

Kölner Anwalt muss sich erneut vor Gericht geschlagen geben

Doch so schnell wollte der Jurist nicht aufgeben. Im Jahr 2015 verteilte er erneut Nackt-Kalender an Autowerkstätten – auch diesmal mit nur sehr mäßigem Erfolg. Die Anwaltskammer verbot in einem Verfahren wegen Verstoßes gegen die Berufsordnung die Werbeaktion ein weiteres Mal, das Kölner Landgericht bestätigte in der nächsten Instanz diese Entscheidung (Az.: 24 S 22/16).

Da half es auch nicht, dass der Anwalt argumentierte, er habe die Bilder diesmal nur in Schwarz-Weiß abdrucken lassen und zudem in eigener Arbeit eine künstlerische Leistung erbracht, indem er die Kalender noch einmal selbst mit einer Kopflasche versehen habe. Eine These, die das Gericht als "fernab von Sachargumenten" und "nur vorgeschoben" zur Seite wischte.

Ein alter Bekannter vor den Kölner Gerichten

Zu allem Überfluss muss er nun auch noch die eigenen Anwaltskosten selbst tragen: Nach Ansicht des Gerichts greift seine Rechtschutzversicherung nicht, da er den Fall selbst angezeigt hatte. So wollte der Verurteilte einen Richterspruch über die Zulässigkeit seiner Aktion erzwingen.


Vor den Kölner Gerichten ist der Anwalt längst kein Unbekannter mehr – nicht nur aufgrund seiner Arbeit als Rechtsvertreter. Vielmehr ist der Mann Wiederholungstäter: Wie das Rechtsportal "Legal Tribune Online" berichtet, hatte er schon vor zwei Jahren mit drastischen Mitteln versucht, Eigenwerbung zu betreiben.

Bundesverfassungsgericht untersagt provokante Anwaltswerbung

Damals ging es um Tassen, auf die er Motive wie nackte Gesäße hatte drucken lassen. Die Aktion sollte auf häusliche Gewalt aufmerksam machen, der provozierende Anwalt ging damit bis zum Bundesverfassungsgericht. Letztendlich wurde aber auch dort diese Art von Werbung untersagt.

Fortan muss sich der Anwalt aus dem Kölner Umland also wieder auf herkömmliche Mittel besinnen, um Eindruck bei möglichen Mandanten zu machen: Anzug, Krawatte und gute Argumente.

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epp