Krankenstand Lieber krank zur Arbeit, als ohne Job


Deutsche Krankenversicherte waren noch nie so selten krank gemeldet wie im letzten Jahr. Doch das dürfte nicht an der Gesundheit der Versicherten liegen, sondern an deren Angst vor Jobverlust.

Der Krankenstand ist in Deutschland auf ein neues Rekordtief gefallen: Mit 12,7 Kalendertagen haben die Fehlzeiten den niedrigsten Wert seit Statistikbeginn 1976 erreicht, berichtete der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) am Dienstag in Berlin. Der ohnehin niedrige Krankenstand in den Unternehmen ging 2005 noch einmal von 3,6 auf 3,5 Prozent zurück. Im Jahr 2004 fehlten die Beschäftigten im Durchschnitt 13 Tage, 2003 waren es 13,5 Tage. Vor 15 Jahren erschienen die Beschäftigten noch 25 Tage wegen Krankheit nicht am Arbeitsplatz. Damit waren Arbeitnehmer damals fast doppelt so lange krank wie 2005. Die seit Statistikbeginn längsten Fehlzeiten waren 26 Tage im Jahr 1980 gewesen. Der BKK Bundesverband erfasst und analysiert die gesundheitlichen Befunde von 6,9 Millionen Sozialversicherungspflichtigen und damit jedes vierten Beschäftigten in Deutschland.

Psychische Leiden nehmen zu

Bei allen Krankheitsarten halbierte sich der Krankenstand seit Beginn der 90er. Nur psychische Krankheiten nahmen zu. Ihr Anteil hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Mit 26 Prozent der Krankentage gingen jedoch die meisten Fehlzeiten weiterhin auf Muskel- und Skeletterkrankungen zurück.

Insgeamt fehlten im vergangenen Jahr zwei Drittel der Beschäftigten nie oder höchstens eine Woche. 44 Prozent der Beschäftigten waren 2005 nicht einen einzigen Tag krankgeschrieben, wie der BKK Verband berichtete. Anfang der 90er Jahre waren die Beschäftigten noch durchschnittlich doppelt so lange krankgemeldet. Ein Grund für den sinkenden Krankenstand sei die Sorge um den Arbeitsplatz und der Druck auf dem Arbeitsmarkt, sagte die Sprecherin des BKK-Bundesverbands Christine Richter.

Sogar bei Branchen mit hoher Belastung weniger Fehlzeiten

Die Fehltage sanken sowohl in den gewerblichen Bereichen als auch in den Dienstleistungsbranchen. Auch bei den Beschäftigten der Abfallbeseitigung, die auf Grund hoher gesundheitlicher Belastungen die meisten Fehltagen aufweisen, gab es 2005 einen Rückgang um rund einen halben Tag: von 19,7 auf 19,1 Tage.

Häufigste Krankheitsursachen sind der Erhebung zufolge Muskel- und Skeletterkrankungen, auf die 26 Prozent der Krankentage entfielen. Dahinter folgen Atemwegserkrankungen (18 Prozent), Verletzungen (15 Prozent) und psychische Erkrankungen (neun Prozent).

Die Arbeitgeber freut's

Die Bundesregierung schätzt auf Grund anderer statistischer Methoden den Krankenstand 2005 sogar auf nur 3,3 Prozent nach 3,4 Prozent im Vorjahr. "Der niedrige Krankenstand führt zu einer deutlichen Entlastung der Arbeitgeber durch sinkende Lohnnebenkosten", betonte das Ministerium. Die Verminderung der Kosten für Lohnfortzahlung um rund eine Milliarde Euro im Jahr 2004 dürfte sich im Jahr 2005 auf geringerem Niveau fortgesetzt haben.

Reuters, DPA DPA Reuters

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