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Liebe im Büro: Für Arbeitgeber zu brisant

Der Boeing-Chef musste aufgrund einer Affäre seinen Arbeitsplatz räumen, Wal-Mart will seinen Mitarbeitern private Kontakte verbieten - dabei können Liebesbeziehungen durchaus positiv auf das Arbeitsverhalten wirken.

Kürzlich musste Boeing-Chef Stonecipher seinen Arbeitsplatz räumen, nachdem seine Affäre mit einer Mitarbeiterin bekannt wurde. Und der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart untersagt seinen Arbeitnehmern neuerdings mit einem Mitarbeiter auszugehen oder "in eine Liebesbeziehung zu treten, sofern die Arbeitsbedingungen beeinflusst werden können. "Dabei können sich Liebesbeziehungen durchaus positiv auf das Arbeitsverhalten auswirken", meint Carolin Metzger, Business Coach der CoachAcademy.

Tatsache ist, dass sich jede dritte Ehe am Arbeitsplatz anbahnt - ernsthafte Bürolieben sind also keine Seltenheit mehr. „Die Zeiten sind vorbei, in denen Arbeitskollegen meilenweit Distanz hielten, obwohl jeder wusste, dass nicht nur der Arbeitsplatz sondern auch privat Tisch und Stuhl geteilt wurden" erläutert Carolin Metzger. Und selbst wenn Bürolieben scheitern, dann meist aus dem gleichen Grund wie im reinen Privatleben auch: Man passte einfach nicht zusammen.

Hatten Sie schon einmal eine Liebesaffäre/eine Liebe am Arbeitsplatz?

Mit der Liebe am Arbeitsplatz offensiv umgehen

Vergessen wird trotz aller Hürden viel zu oft, dass eine Beziehung am Arbeitsplatz positive Aspekte mit sich bringt, denn glückliche Mitarbeiter sind motivierter. Arbeitsklima, Kommunikation, Teamarbeit, Kreativität und Motivation werden angeregt. Laut Metzger gilt das unmittelbar für die beiden Beteiligten. Es seien aber auch "mittelbar positive Einflüsse auf Außenstehende zu verzeichnen, sofern bestimmte Spielregeln berücksichtigt werden".

Apropos Spielregeln: Was für zwei Verliebte äußerst romantisch ist, kann auf Außenstehende natürlich indiskret und unprofessionell wirken. Der Metzger rät deshalb dazu, mit der Liebe am Arbeitsplatz offensiv umzugehen: "Hat man sich für eine solche Beziehung entscheiden, so sollte man nicht in Geheimniskrämerei versinken, sondern allen Kollegen und dem Vorgesetztem reinen Wein einschenken. Tut man das nicht, läuft man Gefahr, die Gerüchteküche unvorhersehbar anzuheizen und hinterlässt bei den Kollegen im schlimmsten Fall sogar das Gefühl, belogen worden zu sein."

Schwierig wird es, wenn Beziehungen zerbrechen

Wichtig sei außerdem, sich im Büroalltag mit Intimitäten zurückzuhalten: "Wenn der Arbeitsplatz betreten wird, ist professionelles Verhalten gefragt. Das bedeutet nicht, dass jeder Kontakt zum Partner vermieden werden soll. Doch wer ein allzu vertrautes Verhalten an den Tag legt, grenzt Kollegen aus und gefährdet sein professionelles Ansehen im Unternehmen", so Metzger.

Schwierig wird es, wenn eine Liebes- und Arbeitsbeziehung zerbricht. Carolin Metzger rät daher, die weit reichenden Folgen zu bedenken, die eine Beziehung am Arbeitsplatz mit sich bringt. Sofern eine private Trennung folgt, kann der tägliche Umgang miteinander zur Last werden. Ein Wechsel in eine andere Abteilung oder ein anderes Unternehmen wird dann für einen der beiden Beteiligten meist unumgänglich sein.

Das Privatleben ist privat

Auf Dauer hält Metzger es für zweifelhaft, dass - wie bei Wal-Mart unlängst geschehen - ein Arbeitgeber das Privatleben seiner Mitarbeiter regelt und gibt zu bedenken: "Aus kurzer Sicht mag diese Entscheidung nachvollziehbar sein. Auf lange Sicht hingegen ist sie aber sicher nicht durchsetzbar. Dafür sprechen arbeitsrechtliche Bestimmungen und letzten Endes auch die Sicht des Verbrauchers: Denn wer kauft schon gerne bei einem Unternehmen, das sich unsympathisch hart anstatt sympathisch smart präsentiert?"