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Bakterien Zwei US-Amerikaner sterben an einer gefährlichen Tropenkrankheit – Schuld ist offenbar ein Raumspray

Raumspray USA Melioidose
In einem Raumspray konnten die Ermittler die gefährlichen Bakterien nachweisen (Symbolbild)
© Mila Naumova / Getty Images
In den USA erkranken vier Menschen an einem gefährlichen Tropen-Keim. Zwei von ihnen sterben. Wo haben sie sich angesteckt? In den Fokus der Ermittler rückt schnell eine ungewöhnliche Ursache.

Hohes Fieber, Husten, Kopfschmerzen, Hautabszesse, Gewichtsverlust bis hin zu Krampfanfällen: Die Infektionskrankheit Melioidose kann sich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Mitunter ist die Infektion, die durch ein Bodenbakterium ausgelöst wird, schwer zu diagnostizieren, da die Beschwerden jenen anderer Erkrankungen ähneln – darunter Lungenentzündungen oder Tuberkulose. Noch kniffliger wird es, wenn Menschen an Orten erkranken, an denen das Bakterium üblicherweise nicht verbreitet ist. So geschehen jüngst in den USA.

Die US-Seuchenschutzbehörde CDC berichtet von vier Melioidose-Fällen, die im Zeitraum von März bis Juli 2021 in vier unterschiedlichen Bundesstaaten aufgetreten sind: Georgia, Kansas, Minnesota und Texas. Zwei Personen starben. Die Behörden waren alarmiert: An Melioidose erkranken üblicherweise Menschen, die sich zuvor in tropischen Gebieten aufgehalten haben, wo der Erreger häufiger auftritt, etwa in Südostasien oder Nord-Australien. Doch das trifft auf die vier Patienten nicht zu. 

Kontaminierte Böden und Gewässer

Auslöser der Erkrankung ist ein Bakterium namens Burkholderia pseudomallei, das in kontaminierten Böden und Gewässern vorkommt. Menschen können sich mit dem Erreger infizieren, indem sie kontaminierten Staub oder Wassertröpfchen einatmen. Eine Übertragung ist auch durch das Trinken von belastetem Wasser oder über Schürfwunden in der Haut möglich, in die verseuchte Erde eindringt. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch sei zwar grundsätzlich denkbar, schreibt die CDC. Der Übertragungsweg sei jedoch sehr selten. In der Regel treten erste Symptome zwei bis vier Wochen nach der Infektion auf. In selteneren Fällen können jedoch auch Jahre vergehen.

Wo haben sich die vier US-Patienten angesteckt? Die Experten der CDC untersuchten die Bakterien und stellten fest, dass die Erreger genetisch sehr eng miteinander verwandt sind und am ehesten jenen Stämmen ähneln, die üblicherweise in südlichen Regionen in Asien auftreten. Da sich zuvor keiner der Erkrankten dort aufgehalten hatte, ging die CDC dem Verdacht nach, dass ein importiertes Produkt zu den Infektionen geführt haben könnte.

Die Experten nahmen etliche Proben: von Böden rund um die Wohnungen und Häuser der Betroffenen, vom Wasser, sowie sämtlichen Konsumgütern, die von den Erkrankten zuvor benutzt worden waren. Fündig wurden die Ermittler an ungewöhnlicher Stelle: in einem Raumspray. Es gehörte einem der erkrankten Patienten in Georgia.

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Laboruntersuchungen ergeben schließlich, dass der genetische Fingerabdruck der Spray-Bakterien zu jenen der vier Krankheitsfälle passt. Die Ermittler untersuchen nun, ob die drei weiteren Erkrankten dasselbe Spray benutzt haben oder sich über ähnliche Produkte desselben Herstellers angesteckt haben könnten. Der betroffene Raumduft, ein Lavendel-Kamille-Spray mit dem Namen "Better Homes & Gardens aromatherapy", war in 55 Stores der Supermarktkette Walmart in den USA sowie auf der US-Walmart-Website zwischen Februar und Oktober 2021 verkauft worden. Das Produkt sowie fünf weitere Sprays derselben Marke werden nun landesweit zurückgerufen. Der Hersteller der Produkte hat seinen Sitz in Indien.

Ärzte und medizinisches Personal in den USA sind von der CDC nun zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen, sollten sie Patienten behandeln, die typische Symptome einer Melioidose zeigen oder aber wenn sie Personen mit Antibiotika behandeln und diese nicht anschlagen. Der Kreis der betroffenen Personen ist potenziell groß: Rund 3900 Sprays werden zurückgerufen.

Potenziell lebensbedrohliche Krankheit

Ein erhöhtes Krankheitsrisiko haben Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Leber-, Nieren- und Lungenerkrankungen, Krebs sowie Immunschwäche, nicht jedoch HIV und Aids. Aber auch gesunde Personen können erkranken. Die Infektion muss mit speziellen Breitband- und Reserveantibiotika behandelt werden, da gängige Antibiotika gegen den Keim nichts ausrichten können. Die Therapie ist aufwendig und erfolgt anfänglich intravenös.

"Die Melioidose ist eine potenziell lebensbedrohende Krankheit", schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). Eine gefürchtete Komplikation ist eine Blutvergiftung, auch Sepsis genannt. Trotz der Behandlung mit Antibiotika kann die Erkrankung in diesem Fall tödlich verlaufen. Weil Rezidive häufig sind, müssen Patientinnen und Patienten nach der intravenösen Behandlung noch für die Dauer von drei bis sechs Monaten weitere Antibiotika einnehmen. Chronische Verläufe, die sich mit Abszessen in Organen, Muskeln oder Haut äußern, sollen so verhindert werden. 

In Europa ist die Erkrankung nicht endemisch – Ansteckungen über Wasser und Böden sind deshalb nicht möglich. Nach dem Tsunami in Südostasien am 26. Dezember 2004 wurde über Erkrankungsfälle mit Melioidose auch in Deutschland berichtet. Betroffen waren Reiserückkehrer. 

Quelle: Centers for Disease Control and Prevention (CDC) / Reuters


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