Managergehälter 2768 Jahre arbeiten für eine Managerrente


Mit 60 in Rente, Abfindungen und Millionengehälter - was deutsche Top-Managern für ihr Arbeit bekommen, ist für den durchschnittlichen Arbeitnehmer unerreichbar. Politiker wie Kurt Faltlhauser fordern nun ein Ende der Gehaltsspirale.
Von Jan Boris Wintzenburg

Sie verdienen viele Millionen, kassieren Abfindungen, Antrittsgelder und Boni bei jeder Gelegenheit und gehen oft schon mit 60 in den Ruhestand - natürlich mit riesigen Betriebsrenten. So wird zum Beispiel Eon-Chef Wulf Bernotat in nicht allzu ferner Zukunft 868.000 Euro kassieren. Im Jahr versteht sich. Dafür müsste ein deutscher Durchschnittsrentner ziemlich genau 2768 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Deutschlands Top-Manager haben sich in den letzten Jahren zu Meistern des Abkassierens entwickelt. Die 56 bestverdienenden Bosse von Unternehmen aus den Aktienindizes Dax und MDax verdienten im Jahr 2006 zusammen rund 218 Millionen Euro, Tendenz steigend. Der stern veröffentlicht die Liste der Spitzenverdiener in seiner Titelgeschichte "Die maßlosen Manager" in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.

Bisher galten die Firmenlenker der Großunternehmen in Deutschland vielfach noch als Helden der Wirtschaft, ihr Image war zumindest akzeptabel. Doch die Stimmungslage in der Bevölkerung kippt angesichts der Millionen-Gehälter und der steigenden Zahl von Skandalen, Affären und Tricksereien. Bei einer aktuellen, repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa für den stern gemacht hat, zeigte sich, wie gering das Ansehen der Manager geworden ist: 88 Prozent der Befragten geben an, Managern nicht mehr zu vertrauen. Nur acht Prozent sagen, ihr Vertrauen sei "groß". 75 Prozent glauben, dass Manager großer Unternehmen in erster Linie ihre eigenen Interessen verfolgen. Gerade 18 Prozent meinen, das Wohl des Unternehmens sei ihnen am wichtigsten. Verheerende Ergebnisse, deutlich schlechter als noch vor Jahresfrist.

Gehalt ist nicht gerechtfertigt

Auch Regierende sind besorgt über die Entfremdung zwischen Bossen und Bevölkerung: Der Bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) ist einer der ersten Politiker, der sogar ein Ende der Gehaltsspirale fordert: "Ich beobachte mit Sorge, dass führende Manager ihre hohen Gehälter für selbstverständlich halten. Dies ist eine dramatische Fehlentwicklung, die einem normalen Arbeitnehmer nicht vermittelbar ist. Ich behaupte: Ein Manager kann Gehälter über zwei Millionen Euro nicht tatsächlich rechtfertigen. Als Angestellter eines großen Unternehmens kann man dieses Geld im wahrsten Sinne des Wortes nicht verdienen", sagte Faltlhauser dem stern.

Klare Worte, die auch seinen ehemaligen Kabinettskollegen Otto Wiesheu, vormals bayerischer Wirtschaftsminister, nachdenklich stimmen sollten. Der wechselte erst kürzlich als Vorstand zur immerhin noch staatseigenen Bahn AG, dem Großunternehmen, dass seine Manager-Gehälter in den vergangenen sieben Jahren am deutlichsten nach oben schraubte: Um über 400 Prozent legten die Gehälter von Mehdorn und Co. zu. Die Gesamtsumme der Bahn-Vorstandsbezüge stieg seit 2000 von 3,9 auf 20,1 Millionen Euro.

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