In Deutschland muss aus Sicht des Unternehmers Reinhold Würth wieder mehr gearbeitet werden. "Wir müssen wieder mehr schaffen in Deutschland. Wir müssen fleißiger werden", sagte der 90-Jährige, der in Künzelsau (Hohenlohekreis) einen Weltmarktführer im Bereich der Befestigungs- und Montagetechnik aufgebaut hat, der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag).
"Es ist doch eine verrückte Idee von Gewerkschaftern, einen Feiertag, der auf einen Samstag oder Sonntag fällt, nachzuholen. Wo sind wir denn? Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel."
Die Statistik spreche eine klare Sprache, sagte Würth. "Da kann einem Angst und Bange um Deutschland werden: In anderen Ländern wird bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger gearbeitet." Und heimische Beschäftigte seien auch noch häufiger krank als Mitarbeitende in anderen Industrieländern.
Unions-Papier befeuert Arbeitsdebatte
Seit dem Wochenende kocht in Deutschland wieder die Debatte um Arbeitsmoral und Work-Life-Balance hoch. Angestoßen wurde sie durch ein am Sonntag bekannt gewordenes Papier Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT). In dem Dokument mit dem Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" fordert sie eine Reform des Rechtsanspruchs auf Teilzeit. Dieser solle künftig "nur bei Vorliegen einer besonderen Begründung gelten", beispielsweise bei der Erziehung von Kindern oder Pflege von Angehörigen.
Der Vorschlag ziele aber auf die "Lifestyle-Teilzeit" von rund 25 Prozent der Personen, die Teilzeitarbeit als Teil ihrer "Work-Life-Balance" wählten, betonte die MIT. Für die will sie auch die Kombination mit Sozialleistungen streichen. Begründet wird dies mit einer Rekordquote knapp mehr als 40 Prozent Teilzeitjobs.
Der Vorstoß stieß auf Kritik sowohl von SPD, Grünen und Linkspartei, als auch aus der eigenen Partei.
Reinhold Würth: "Niedergang nicht weit"
Unternehmer Würth kritisierte den scheinbar wachsenden Wunsch nach mehr Freizeit und weniger Arbeit. Nach einer "Phase des Wohlstands, des Wohllebens, der Pracht, ja der Freiheit und des freien Worts" seien in Deutschland "die Begehrlichkeiten nach mehr Geld und noch weniger Arbeit" gewachsen. "Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben."
"Wir sind jetzt in Deutschland an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen, befinden uns also in einer Phase, in der der Niedergang nicht weit ist." Zurückzurudern werde unglaublich schwierig, "weil die heutigen jüngeren Beschäftigten von ihren Eltern, die aus der Generation der Babyboomer stammen, wahnsinnig verwöhnt wurden", sagte Würth weiter.
Er selbst schaffe auch im hohen Alter immer noch, erklärte der 90-Jährige. "So diktiere ich manchmal um 21.30 Uhr abends zuhause noch Briefe und gehe immer wieder ins Büro", sagte Würth der Zeitung. "Und ich schwimme jeden Tag eine halbe Stunde." Seine Smartwatch habe ihm unlängst einen Orden verliehen, weil er sich über sechs Jahre entsprechend viel bewegt habe.