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Mitarbeiterüberwachung: Versteckte Kameras auch bei Aldi

Bislang konnte Aldi keine Überwachung von Mitarbeitern nachgewiesen werden. Er würde seine Hand dafür ins Feuer legen, dass im Unternehmen keine Mitarbeiter bespitzelt werden, sagt ein ehemaliger Aldi-Geschäftsführer. Doch nach stern.de-Informationen sind in einzelnen Aldi-Süd-Filialen versteckte Kameras in Feuermeldern installiert.

Von Axel Hildebrand

Im deutschen Einzelhandel werden Mitarbeiter nach Recherchen des stern und stern.de systematisch überwacht. Discounter wie Penny, Plus, Netto und Norma setzen versteckte Kameras und Detektive ein, um ihre Beschäftigten zu kontrollieren. Aber auch Märkte wie Rewe, Edeka, Tegut, Hagebau oder Famila ließen ihre Mitarbeiter bespitzeln und die Beobachtungen schriftlich festhalten. Bei Aldi, dem deutschen Primus unter den Billiganbietern, gibt es solche Protokolle nicht. Eine Bespitzelung konnte dem Discounter nicht nachgewiesen werden. Auf die Frage von "Spiegel Online", ob bei Aldi Mitarbeiter bespitzelt werden, sagte der ehemalige Geschäftsführer bei Aldi Nord, Dieter Brandes, kürzlich: "Nein. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer."

Doch nach stern.de-Informationen sind in mindestens sieben Aldi-Süd-Filialen in Wiesbaden und Mainz Kameras in Brandmeldern versteckt, die die Laderampe filmen. In diesem Bereich halten sich Mitarbeiter auch auf, etwa um faules Obst und Gemüse zu Müllcontainern zu bringen. Und hier geben Lieferanten, wie zum Beispiel Bäckereien, ihre Waren ab. In den Verkaufsräumen von Aldi-Filialen sind ebenfalls Kameras angebracht. Diese sind jedoch als solche zu erkennen.

Aldi Süd bestätigt Existenz der Kameras in Feuermeldern

Eine Aldi-Süd-Sprecherin bestätigte auf Anfrage von stern.de die Existenz der versteckten Kameras in den Feuermeldern. Diese wurden bereits 2003 eingebaut und seien "nicht auf den ersten Blick" als solche zu erkennen. Mitarbeiter und langfristige Lieferanten wüssten jedoch von der Existenz. "Wenn Mitarbeiter neu anfangen, kann es sein, dass denen davon nicht am ersten Tag erzählt wird", sagte eine Aldi-Süd-Sprecherin. Ehemalige Mitarbeiter von Aldi Süd, die jahrelang für das Unternehmen gearbeitet haben, bestreiten gegenüber stern.de, dass die Mitarbeiter über die versteckten Kameras informiert wurden.

Die versteckten Kameras seien bei Aldi Süd rechtswidrig angebracht, urteilt der Berliner Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ulf Weigelt. Da Aldi Süd angibt, alle langfristigen Lieferanten hätten von den versteckten Kameras gewusst, hieße das, so Weigelt, auch: "Garantiert wissen das nicht alle Fahrer." Vertreter und neue Lieferanten seien so ohne ihr Einverständnis verdeckt gefilmt worden. "Das ist ein Eingriff ins Persönlichkeitsrecht." Eine verdeckte Überwachung, sagt die Sprecherin der Datenschutzbeauftragten in Nordrhein-Westfalen, Bettina Gayk, sei generell nur in begründeten Einzelfällen und für einen begrenzten Zeitraum zulässig.

Aldi Süd: Kostensparen als ein Grund

Aldi Süd erklärt die versteckten Kameras damit, dass die Oberservierten die Ausrichtung der Kamera nicht erkennen sollten. Denn sobald der Winkel bekannt sei, wisse jeder, wie er ihn umgehen könnte. Auf die Frage, warum die Kamera dann nicht das gesamte Lager - sondern nur die Laderampe - abdeckt, wusste eine Aldi-Sprecherin gegenüber stern.de keine Antwort. Dies sei womöglich aus Kostengründen geschehen. Die versteckte Kamera sei günstiger als eine schwenkbare Kamera.

Die Begründung, an dieser Stelle sei Aldi Süd das Geld ausgegangen, ist wenig glaubhaft. Das Unternehmen leistet sich ansonsten hochwertige Kameras zur Überwachung. "Die Ausstattung anderer Supermarktketten ist im Vergleich zu der Mercedes-Technik von Aldi vergleichbar mit einem Trabi", sagte ein ehemaliger Aldi-Süd-Filialleiter, der heute bei einem anderen Discounter arbeitet, zu stern.de. Die - erkennbaren - Kameras um die Aldi-Kassen hätten beispielsweise einen so starken Zoom, dass zwischen einem 20- und 50-Euro-Schein unterschieden werden kann.

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