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MOBBING: Erstmals Gerichtsurteil mit Präzedenzcharakter

Rund 1,5 Millionen Menschen erleben jeden Tag Psychoterror am Arbeitsplatz. Jetzt hat erstmals ein Mobbing-Opfer vor Gericht Schadenersatz zugesprochen bekommen.

Arbeiten macht Spaß, wenn Selbstverwirklichung keine hohle Phrase ist und Engagement und Kreativität gefragt sind. Arbeit macht aber auch krank – nämlich wenn Kollegen und Vorgesetzte ihre eigene Unfähigkeit dazu benutzen, Mitarbeiter zu schikanieren und aus dem Betrieb zu mobben.

Quälerei bis zur Arbeitsunfähigkeit

Rund 1,5 Millionen Menschen erleben jeden Tag in der Bundesrepublik Psychoterror am Arbeitsplatz. Viele dieser Betroffenen, aber auch Vorgesetzte und Kollegen, stehen oftmals hilflos vor diesem Problem. Mobbing-Betroffene werden gekündigt oder sind durch die langen Quälereien am Arbeitsplatz arbeitsunfähig geworden.

Zunehmender Leistungsdruck verschärft das Problem

Mobbing ist was anderes als die alltäglichen Konflikte und Streitereien. Und: Das Thema ist keineswegs neu. Mobbing war schon immer ein Problem in der Arbeitswelt. Mit der zunehmenden Verschärfung von Leistungsdruck und Konkurrenz im Betrieb jedoch ist es wieder besonders aktuell geworden. Es gibt kaum einen, der in Zeiten von Arbeitsplatzangst nicht von Stress und Druck im Job erzählen kann. Tinnitus, Bluthochdruck und Nervosität – die Folgen sind vielseitig.

Jetzt hat in Deutschland erstmals ein Mobbing-Opfer vor Gericht Schadenersatz zugesprochen bekommen. Wie das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz am Montag bestätigte, wurde der Chef der Volksbank im pfälzischen Grünstadt zur Zahlung von 15.000 Mark verurteilt, weil er die persönliche Ehre und das berufliche Selbstverständnis eines Mitarbeiters massiv verletzt hatte.

Hohe Zahl von Folgefällen erwartet

Das Opfer, der frühere Leiter der Bank, sei nach einer Fusion von seinem neuen Vorgesetzten systematisch kalt gestellt und mit schikanösen Anweisungen traktiert worden. Der neue Leiter des Kreditinstituts habe ihm die Sekretärin, den Schreibtisch und schließlich das Büro weggenommen. Das Mainzer Urteil gilt als Entscheidung mit Präzedenzcharakter. Es wird erwartet, dass diesem viele ähnliche Verfahren folgen werden: Keiner kommt ungeschoren davon – auch der Chef nicht.