Mobbing In Deutschland die Regel


Mobbing am Arbeitsplatz ist in Deutschland leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Doch Vorsicht: Nicht jede Auseinandersetzung darf gleich als Mobbing bezeichnet werden.

Fast zwei Drittel erleben Mobbing am Arbeitsplatz: Das ist die Quintessenz einer Umfrage des Online-Stellenportals stellenanzeigen.de unter 4500 Beschäftigten. Demnach fühlen sich 61 Prozent der Arbeitnehmer gemobbt. Bei 34 Prozent sind es die "lieben Kollegen", die ständig hänseln, in 30 Prozent der Fälle ist es der Chef höchstpersönlich. Gut ein Viertel (26 Prozent) der Beschäftigten kennen eigenen Angaben zufolge Mobbing am Arbeitsplatz gar nicht. Und 12 Prozent outeten sich selbst als "aktive Mobber".

Alles für die Karriere tun

Viele Arbeitnehmer greifen zu unfairen Methoden, um ihr eigenes berufliches Fortkommen zu beschleunigen. So gaben in der Umfrage über die Hälfte (51 Prozent) zu, ihre körperlichen Reize einzusetzen, um "mit Busen und Po" die Karriereleiter zu erklimmen. 29 Prozent greifen eigenen Angaben zufolge systematisch auf "vollen Körpereinsatz" zu, um beruflich nach oben zu kommen. Und ein Fünftel (20 Prozent) haben schon mindestens einmal die Idee einer Kollegin oder eines Kollegen gestohlen, um sich selbst damit zu brüsten. Ganze 14 Prozent bedienen sich nach eigenem Eingeständnis regelmäßig des "Ideen-Klaus".

Der menschlich zweifelhaften Situation am Arbeitsplatz zum Trotz arbeiten mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Arbeitnehmer in Deutschland länger als sie müssten. Und 40 Prozent arbeiten nach eigenem Bekenntnis "so viel wie nötig", ein knappes Zehntel (neun Prozent) weniger.

Private Streitigkeiten sind nicht gleich Mobbing

Zanken Kollegen untereinander, darf die Auseinandersetzung nicht ohne weiteres als Mobbing bezeichnen werden - und führt nicht zu einem Anspruch auf Schmerzensgeld wegen Mobbing. Das entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz am 18. März 2005 in einem Urteil.

Solche Streitigkeiten seien dem Arbeitgeber haftungsrechtlich nicht zuzurechnen. Mobbing setze vielmehr ein systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren voraus. Und insbesondere bei kurzfristigen Konfliktsituationen mit Kollegen oder Vorgesetzten fehle es am systematischen Vorgehen. Zwischenmenschliche Auseinandersetzungen oder Meinungsverschiedenheiten stellten gewöhnlich keine derart gravierende Verletzung des Persönlichkeitsrechts dar, dass ein Schmerzensgeld gerechtfertigt sei.

Das Gericht wies mit seinem Urteil die Schmerzensgeldklage einer Verkäuferin ab. Die Klägerin hatte vom Arbeitgeber 5000 Euro verlangt, weil sie von einer Filialleiterin schikaniert werde. Konkret konnte die Klägerin aber nur einen Fall schildern, wonach die Filialleiterin bei einer Kollegin über sie gelästert habe.

Az.: 9 Sa 597/04

DPA DPA

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