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NACHWUCHSSORGEN: Ärztemangel in Deutschland

Mediziner beklagen zunehmend den mangelnden Ärztenachwuchs. Im Wettbewerb um gutes Personal locken mittlerweile Krankenhäuser mit übertariflichen Gehältern.

Ärzte sorgen sich zunehmend um mangelnden Nachwuchs. 40 Prozent der Absolventen wanderten ins Ausland ab oder gingen in Wirtschaftsunternehmen, sagte ein Vertreter der Universität Münster gestern im Vorfeld der Veranstaltung Tag des wissenschaftlichen Nachwuchses. Vor fünf Jahren habe die Quote bei zehn Prozent gelegen.

Wochenarbeitszeiten bis zu 70 Stunden, schlechte Bezahlung und mangelnde Karriereaussichten machten die traditionellen Berufsfelder immer unattraktiver, hieß es. Vor allem in der Wissenschaft seien qualifizierte Bewerber rar.

Noch vor fünf Jahren hätten sich jährlich rund 50 Mediziner aus eigener Initiative auf eine Assistenzarzt-Stelle beworben, sagte Josef Vormoor von der Klinik für Kinderonkologie. »In diesem Jahr mussten wir erstmals eine Stelle ausschreiben«, erklärte er. Im Wettbewerb um gutes Personal locken einige Krankenhäuser bereits mit übertariflichen Gehältern. »Wir müssen die Rahmenbedingungen an den Uni-Kliniken verbessern, damit sich wieder mehr Studenten für eine Karriere in der Wissenschaft interessieren«, sagte Vormoor.

Auch die Bundesärztekammer hatte kürzlich vor einem Ärztemangel gewarnt. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hatte zudem bei einer Tagung am 7. April 2002 die Einführung einer Green-Card für Ärzte gefordert. Bundesgesundheitsministerium und Krankenkassen wollten einen Ärztemangel hingegen nicht bestätigen. Bei der Bundesanstalt für Arbeit waren im Februar 2001 rund 3.800 freie Stellen gemeldet; 1994 waren es noch 1.200.