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Vergabe von Studienplätzen: Rösler plant "Landarztquote" gegen Ärztemangel

Gesundheitsminister Philipp Rösler hat dem Mangel an Landärzten den Kampf angesagt: Wer sich verpflichte, in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten, solle bei der Studienplatzvergabe bevorzugt werden, erklärte der FDP-Politiker. Röslers Pläne stießen auf ein geteiltes Echo.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will einem drohenden Ärztemangel auf dem Land mit Anreizen bei der Studienplatzvergabe entgegenwirken. Bewerber sollen demnach bevorzugt einen Studienplatz erhalten, wenn sie bereit sind, sich für einige Jahre als Landarzt zu verpflichten. Entsprechende Überlegungen des FDP-Politikers bestätigte am Dienstag das Gesundheitsministerium.

Rösler orientiere sich bei seinem Vorstoß am Modell der Bundeswehr, für deren potenzielle Ärzte bei der zentralen Studienplatzvergabe ein bestimmter Anteil reserviert sei, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Wie groß eine solche Vorabquote für Landärzte ausfallen könnte und wer nach welchen Kriterien die Kandidaten auswählen solle, sei noch offen.

Das Gesundheitsministerium bestätigte auch Überlegungen Röslers für einen Demografie-Faktor in der Bedarfsplanung für Ärzte. Die aktuelle Planung mit dem Jahr 1990 als Basis gebe den Versorgungsbedarf der Bevölkerung nur unzureichend wieder, hieß es dazu in dem Bericht. Nach Angaben des Ministers gibt es auf dem Land bereits einen erheblichen Ärztemangel. Jeder zweite der 150.000 niedergelassenen Ärzte sei über 55 Jahre alt.

Rösler hatte am Wochenende für die Abschaffung des Numerus clausus plädiert, um den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern. Der Notendurchschnitt allein sage nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt werde. Nötig sei es eine stärkere Berücksichtigung von Auswahlgesprächen sowie die Schaffung von mehr Studienplätzen.

CDU will noch vor dem Sommer Eckpunkte festlegen

Von der CDU kam Zustimmung für die Pläne des Regierungspartners: "Wir begrüßen die Vorschläge und sollten uns in der Koalition noch vor der Sommerpause auf Eckpunkte einigen", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, der "Welt". "Auch Menschen mit einer Zwei oder Drei im Abitur können gute Ärzte werden. Das heißt ja nicht, dass wir gar nicht mehr auf die Note schauen." Auch Spahn forderte, es müsse die Bereitschaft berücksichtigt werden, sich als Hausarzt in unterversorgten Gebieten niederzulassen.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte dem Blatt, bei der Zulassung zum Medizinstudium sollten auch weitere Kriterien wie ein Engagement als Pfleger oder Sanitäter berücksichtigt werden. Zudem müsse die Ausbildung stärker auf Hausärzte hin ausgerichtet werden.

"Ein sehr simpler Vorschlag für ein komplexes Problem"

Der Hartmannbund beurteilte Röslers Vorschläge hingegen skeptisch. Zwar sei grundsätzlich zu begrüßen, dass der Minister den Ärztemangel als Fakt und Problem diagnostiziert habe, erklärte die Ärztevereinigung. Die Vorschläge ließen aber keine Besserung erwarten. Auch sei es eher unwahrscheinlich, dass ein angehender Medizinstudent bereit sei, sich darauf festzulegen, wo er in mehr als zehn Jahren praktizieren werde.

Kritik an Röslers Plänen kam auch von der SPD. "Dies ist ein plakativer und sehr simpler Vorschlag für ein komplexes Problem", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Carola Reimann , der "Frankfurter Rundschau". Zwar sei es richtig, die Hürden bei der Zulassung zu senken, "aber das alleine wird nicht ausreichen."

Studienplätze für Medizin werden in Deutschland bundesweit zu einem großen Teil von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) vergeben, wobei einerseits die Abiturnote, in anderen Fällen die Zahl der Wartesemester ausschlaggebend ist. 60 Prozent der Studienplätze können Universitäten nach bestimmten Kriterien in Eigenregie besetzen.

Reuters/AFP / Reuters