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Grapsch-Skandal bei Charity Dinner: "Die Mädchen waren alle über 18 und wussten, was sie tun" - wie sich Charity-Gäste verteidigen

Nach Berichten über massive sexuelle Belästigung bei einem Wohltätigskeitsessen in London verteidigen sich einige der Gäste. Das Event sei "nicht schlimmer als ein Rugby-Club-Dinner" gewesen.

Eine Frau im schwarzen Minikleid sitzt und zieht sich mit übereinander geschlagenen Beinen einen High Heel an den rechten Fuß

Nach Berichten über massive sexuelle Belästigung der anwesenden Hostessen bei der Wohltätigtkeitsveranstaltung "Presidents Club Charity Dinner" in London wehren sich einige der Gäste gegen die Vorwürfe. Die "Financial Times" hatte zwei Undercover-Reporterinnen zu der ausschließlich Männern vorbehaltenen Gala eingeschleust. Lediglich 130 Hostessen waren zur Bespaßung der rund 360 wohlhabenden männlichen Gäste vor Ort. Den Journalistinnen zufolge seien die Frauen dort massiv begrapscht worden. "Es waren Hände unterm Rock, Hände am Hintern, aber auch Hände an den Hüften, an den Bäuchen, Arme gingen auf einmal um deine Hüfte herum", berichtete eine Reporterin im Gespräch mit "BBC News Night". In britischen Medien äußerten sich mittlerweile auch andere anwesende Hostessen ähnlich zu den Geschehnissen des Abends.

+++ Lesen Sie hier einen ausführlichen Bericht zu den Vorkommnissen des "Presidents Club Charity Dinner" +++

Presidents Club: Gäste verteidigen sich

Die "Financial Times" sprach auch mit zwei Gästen der Veranstaltung, die sich lediglich anonym äußerten und die geschilderten Vorfälle herunterspielten. "Es waren keine minderjährigen Mädchen, sie waren alle über 18 und wussten, was sie tun", zitiert das Blatt den Mann. Alle hätten gewusst, dass es ein "bisschen anzüglich" (engl. a bit racy) werden würde. "Es gibt kostenlosen Champagner, sie können was trinken, haben Spaß. Passieren dann Dinge? Weiß Gott! Wenn, dann können sich ja immer bei der Polizei melden."

Der zweite zitierte Gast verglich die Gala demnach mit einem "Männerabend auf der Piste" (engl. boys night out). Die Veranstaltung sei "nicht schlimmer als ein Rugby-Club-Dinner" gewesen. Manche Männer hätten sich daneben benommen, aber eben nicht alle.

Prostituierte sollen vor Ort gewesen sein

Auch ITV News sprach mit einer der Hostessen des Abends, die die Schilderungen der Journalistinnen bestätigte. Sie habe Männer dabei gesehen, wie sie die jungen Frauen unangebracht berührten, sie küssten oder die Hände unter deren Röcke geschoben hätten. Die Hostessen seien von den Männern wie Prostituierte behandelt worden. In dem Bericht beschreibt die Hostess auch, dass zur After-Party fünf Frauen in roten Kleidern kamen, die ihrer Meinung nach definitiv Prostituierte waren. Diese seien in den Raum gekommen und hätten "sofort angefangen, Leute zu küssen".

Der Skandal um das seit 1985 stattfindende Charity Dinner hat bereits dazu geführt, dass einer der Organisatoren der Spendengala seinen Posten im Beirat des britischen Bildungsministeriums verloren hat. Auch gegen den Bildungsminister Nadhi Zahawi, der Gast bei der Veranstaltung war, werden Rücktrittsforderungen laut. Der BBC zufolge wurden in über 30 Jahren der Gala rund 20 Millionen britische Pfund für Kinderhilfsorganisationen gesammelt.

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