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Presidents Club: Hostess aus Grapsch-Skandal: Wir mussten Brust- und Hüftumfang angeben

Bei der Spendengala "Presidents Club Charity Dinner" in London soll es massenhaft sexuelle Übergriffe auf die anwesenden Hostessen gegeben haben. Eine der Damen berichtet nun von den Kriterien, nach denen sie für den Job ausgewählt wurden.

Eine Frau im schwarzen Minikleid sitzt und zieht sich mit übereinander geschlagenen Beinen einen High Heel an den rechten Fuß

Die Wohltätigkeitsveranstaltung "Presidents Club Charity Dinner" in London sorgt seit Tagen für Schlagzeilen. Viele der rund 130 anwesenden Hostessen, die die 360 ausschließlich männlichen Gäste während der Spendengala bei Laune halten sollten, wurden Berichten zufolge begrapscht und bedrängt. Nun schildert eine Hostess in der britischen "Daily Mail" das Auswahlverfahren durch die Veranstalter. Demnach soll einer der Treuhänder des Spendenfonds, der Immobilienmagnat Bruce Ritchie, explizit "große, dünne Schönheiten" mit "sexy Augen und vollen roten Lippen" verlangt haben. Zudem habe er alle Frauen, deren Kleidergröße size 10 (europäisch: Größe 38) überschreite, kategorisch ausgeschlossen.

Der Hostess zufolge, die mit der "Daily Mail" lediglich anonym sprechen wollte, mussten die Bewerberinnen ihren Brust-, Taillen- und Hüftumfang angeben. Außerdem seien Fotos verlangt worden, auf denen der gesamte Körper zu sehen ist. Ihre Agentur habe doppelt so viele Frauen angeboten, wie von Veranstalter Ritchie gefordert, weil dieser so extrem wählerisch gewesen sei und viele Damen aussortiert habe.

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Die Hostess berichtet auch von einem Fall, der sich vor einigen Jahren auf der jährlich stattfindenden Spendengala zugetragen haben soll. Auch damals sei eine Hostess von einem der wohlhabenden Gäste unsittlich berührt worden und sei daraufhin in Tränen ausgebrochen. Die Chefin ihrer Hostessen-Agentur habe ihr daraufhin gesagt, sie solle "sich entweder amüsieren oder nach Hause gehen".  

Presidents Club: Skandal um belästigte Hostessen

Zu der Wohltätigkeitsveranstaltung hatte die "Financial Times" dieses Jahr zwei Undercover-Reporterinnen als Hostessen eingeschleust, die anschließend von den massenhaften Übergriffen berichteten. "Es waren Hände unterm Rock, Hände am Hintern, aber auch Hände an den Hüften, an den Bäuchen, Arme gingen auf einmal um deine Hüfte herum", berichtete eine der Reporterinnen im Gespräch mit "BBC News Night". In den Tagen nach der Gala meldeten sich mehrere Hostessen zu Wort, viele von ihnen anonym, und bestätigten die Berichte.

Ebenfalls anonym äußerten sich auch zwei männliche Gäste und spielten die Vorkommnisse herunter. "Es waren keine minderjährigen Mädchen, sie waren alle über 18 und wussten, was sie tun", wird einer der beiden zitiert. Alle hätten gewusst, dass es ein "bisschen anzüglich" (engl. a bit racy) werden würde. Der zweite zitierte Gast verglich die Gala demnach mit einem "Männerabend auf der Piste" (engl. boys night out). Die Veranstaltung sei "nicht schlimmer als ein Rugby-Club-Dinner" gewesen. Manche Männer hätten sich daneben benommen, aber eben nicht alle.

Bruce Ritchies Mitorganisator, David Meller, verlor durch den Skandal bereits seinen Posten im Beirat des Bildungsministeriums. Der Presidents Club hat infolge der Enthüllungen angekündigt, sich aufzulösen. Zuvor waren bei Spendengalas seit 1985 rund 25 Millionen Euro zugunsten gemeinnütziger Einrichtungen für bedürftige Kinder zusammengekommen, etwa dem Evelina Kinderkrankenhaus in London.

Eine Frau im schwarzen Minikleid sitzt und zieht sich mit übereinander geschlagenen Beinen einen High Heel an den rechten Fuß
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