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Presidents Club Charity Dinner: 360 reiche Männer und 130 Hostessen in einem Raum: Was denken Sie, was passiert?

Bei einer Spendengala "nur für Männer" in London sollen Hostessen reiche Männer bei Laune halten. Eine Undercover-Reporterin der "Financial Times" berichtet nun, wie massiv junge Frauen bei diesem Event sexuell belästigt werden. 

Eine Frau im schwarzen Minikleid sitzt und zieht sich mit übereinander geschlagenen Beinen einen High Heel an den rechten Fuß

Hostessen sollen auf Messen und Events hübsch aussehen und sich um Geschäftspartner kümmern. Dass manche Männer versuchen, sie anzuflirten, mag für viele der meist jungen Frauen noch okay sein. Nun hat die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" (FT) auf eine Spendengala Hostessen eingeschleust. Und was die berichten, hat mit einem normalen Hostessen-Job wenig zu tun: Sie seien reihenweise belästigt und begrapscht worden.

Das "Presidents Club Charity Dinner" in London richtet sich ausschließlich an Männer, berichtet die Zeitung. 360 Männer aus Politik, Wirtschaft und der Unterhaltungsbranche hätten sich am Donnerstag vergangener Woche im Dorchester Hotel in London versammelt. Um die Wohlhabenden bei Spendenlaune zu halten, hatten die Veranstalter laut "FT" 130 Hostessen dazu gebucht.

Dass die Frauen groß, dünn und hübsch sein sollten, ist bei einem Job als Hostess noch nicht sehr ungewöhnlich. Doch schon bei der Kleidungsvorschriften änderte sich das: Die Frauen wurden aufgefordert, knappe, schwarze Kleidung mit passender Unterwäsche und High Heels zu tragen, berichtet die Zeitung. Schon beim ersten Jobgespräch seien die Bewerberinnen von der beauftragten Hostessen-Agentur gewarnt worden, dass einige der männlichen Gäste "nervig" werden könnten oder versuchen könnten, die Frauen "abzufüllen". Die Agentur-Inhaberin sagte laut "FT" einer der Frauen: "An diesem Job scheiden sich die Geister. Manche Frauen lieben ihn, für andere ist es der schlimmste Job ihres Lebens, den sie nie wieder machen wollen." Sie müsse nur mit den nervigen Männern klarkommen. Wenn sie das schaffe, wäre alles okay.

Schwarze Unterwäsche und High Heels

Zwei Tage vor dem Event hat die Agentur laut der Zeitung an die ausgewählten Frauen eine E-Mail geschrieben: Die Smartphones der Hostessen würden während der Veranstaltung  sicher weggeschlossen und der Freund oder die Freundin seien bei der Spendengala nicht erwünscht. Die E-Mail soll auch genauere Kleidervorschriften enthalten haben: "SCHWARZE sexy Schuhe", schwarze Unterwäsche und Make-up und Frisur, als würden sie in einen schicken, sexy Club gehen.

Bei Arbeitsbeginn um 16 Uhr mussten die Frauen laut "FT" zunächst eine fünfseitige Verschwiegenheitserklärung über die Veranstaltung unterzeichnen, ohne überhaupt die Zeit zu haben, sie durchzulesen. Während des Abendessens für die Hostessen habe die Agentur-Inhaberin den Frauen gesagt, wenn einer der Männer "zu nervig" werde, möge man ihr das sagen. Dann wurde laut "FT" die Arbeitskleidung verteilt: Kurze, enge Kleider, High Heels und ein Gürtel, der an eine Corsage erinnerte - alles in Schwarz.

Hostessen mussten sich den Männern präsentieren

Um 20 Uhr seien die Frauen nach Größe aufgereiht in den Festsaal eingezogen und hätten sich den Männern präsentiert, bevor sie sich zu dem ihnen zugewiesenen Tisch begeben hätten. Beim Dinner lautete ihre Aufgabe laut der Zeitung ganz simpel: Die reichen Männer bei Laune halten, wenn nötig, auch mit Alkohol.

Eine 19-jährige Hostess sagte der Zeitung, dass einer der Gäste, der auf die 70 zugegangen sei, sie direkt gefragt habe, ob sie eine Prostituierte sei. War sie natürlich nicht. Sie habe nie zuvor als Hostess gearbeitet und werde das auch nie wieder tun, sagte sie. "Das ist verdammt beängstigend", zitiert die Zeitung sie. Mehrere Frauen berichteten der "FT", dass an Tischen im ganzen Saal Frauen begrapscht und belästigt worden seien. Auf anderen Events hätten gelegentlich Männer schon versucht, mit ihr zu flirten, berichtete eine 28-jährige Hostess mit mehr Erfahrung der Zeitung. Aber nie zuvor habe sie sich unwohl gefühlt oder sich sogar geängstigt. Sie sei an Po, Hüfte, Bauch und Beine gefasst worden. Einer habe versucht, sie zu küssen. Ein anderer habe sie auf sein Hotelzimmer eingeladen.

"Such Dir den attraktivsten Mann aus"

Die "Financial Times" berichtet, ein Team habe dafür gesorgt, dass auch alle Hostessen die Gäste bei Laune halten. Auch die Zeit, die die Frauen auf Toilette verbracht hätten, sei kontrolliert worden. Von 22 bis 23 Uhr sei es dann um die Spenden gegangen, die Frauen durften sich zurückziehen. Eine war laut der Zeitung schon so betrunken, dass sie Schwierigkeiten hatte, ihren Eyeliner nachzuziehen. An ihrem Tisch soll es mehrere Runden Kurze gegeben haben.

Die meisten Frauen mussten laut "FT" bis 2 Uhr morgens für die "After Party" bleiben. Die Agentur habe einer gesagt, sie dürfe dann trinken, was sie wolle und sich den Mann aussuchen, den sie "am attraktivsten" finde. Die Party habe in einem kleineren Raum stattgefunden, der voller Männer und Hostessen gewesen sei. Die Jüngeren durften sich dann setzen. "Sie sahen schockiert und verängstigt aus und erschöpft von dem, was passiert war", sagte die 28-Jährige der Zeitung.

Bildungsministerium feuert Mit-Organisator der Gala

Seit 33 Jahren ist das "Presidents Club Charity Dinner" fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in London, berichtet die Zeitung. Gemessen an den Reaktionen auf den Bericht der "Financial Times" könnte sich das bald ändern. Firmen, die das Event bislang unterstützt haben, zeigen sich in ihren Stellungnahmen schockiert. Eine Institution, die Spenden aus der Gala bekommen hat, will sogar das Geld zurückgeben.

Für einen Mit-Organisator der Spendengala haben die Vorwürfe schon handfeste Konsequenzen: David Meller, Chef einer gleichnamigen Firma für Luxusgüter, ist aus einem Beirat des britischen Bildungsministerium geflogen. Bildungsstaatssekretärin Anne Milton bat den Unternehmer um seinen Rücktritt. Zwar hat es keine Belästigungsvorwürfe gegen Meller gegeben, das Bildungsministerium kritisierte die Vorkommnisse aber als "inakzeptabel". Staatssekretärin Milton sagte, es gebe wohl "eine Verbindung zwischen reichen, wohlhabenden Leuten und diesem Verhalten". Premierministerin Theresa May empfand die Berichte als "unangenehm", wie ihr Sprecher sagte. Mellers Rückritt sei daher "die richtige Entscheidung".

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tkr