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Private Karrierehelfer: Jobs durch Vitamin B

Ungerecht, aber wahr: Oft bekommt nicht der beste Bewerber den Job, sondern der, mit den besten Kontakten. Besonders bei älteren Arbeitssuchenden ist die Jobsuche über den Freundeskreis erfolgreich.

Die Wirtschaft boomt und die Bundesagentur für Arbeit verkündet Monat für Monat sinkende Arbeitslosenquoten. Doch profitieren nicht alle Erwerbslosen gleichermaßen vom Aufschwung. Während sich gut ausgebildete Fachkräfte in einigen Bereichen mittlerweile ihren Arbeitgeber aussuchen können, bleibt die Jobsuche insbesondere für ältere Arbeitslose und Bewerber mit niedriger Qualifikation schwierig. Und ausgerechnet in so genannten Problemgruppen ist die Vermittlungsbilanz der Arbeitsagenturen schwach, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt. So fand im Jahr 2005 zwar gut jeder fünfte Arbeitslose (21 Prozent) seinen neuen Arbeitsplatz durch die Arbeitsagentur. Deutlich erfolgreicher waren jedoch Arbeitslose, die sich bei der Stellensuche auf die Hilfe von Freunden und Bekannten verlassen konnten: Fast jeder Dritte (31 Prozent) kam dank privater Kontakte zur neuen Stelle.

Blindbewerbungen sind überraschend erfolgreich

Noch wichtiger ist die Arbeitssuche über informelle Kanäle für Bewerber mit schlechten Beschäftigungschancen. So fanden nur zwei Prozent aller Arbeitnehmer über 50, die im Jahr 2005 eine Stelle angenommen hatten, ihre neue Beschäftigung über die Arbeitsagentur. Tipps aus dem Bekanntenkreis verhalfen demgegenüber 46 Prozent der älteren Bewerber zum neuen Job. Auch Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund fanden nur in wenigen Fällen einen neuen Job durch Vermittlung der Arbeitsverwaltung (4 Prozent), überdurchschnittlich häufig hingegen dank der Karrierehelfer im privaten Umfeld (50 Prozent).

Doch auch Bewerber ohne gute Verbindungen zu potenziellen Arbeitgebern haben eine Chance. So fanden 2005 gut 20 Prozent aller ehemals Arbeitslosen ihren neuen Job nicht durch fremde Hilfe oder die Bewerbung auf ein Stellenangebot, sondern auf eigene Initiative. Dieser Wert ist überraschend hoch, zumal nur vergleichsweise wenige Erwerbslose so genannte Blindbewerbungen ohne Stellenausschreibung verschicken oder bei möglichen Arbeitgebern nach offenen Stellen fragen.

Vier Wege führen zum Job

Wie aus der DIW-Studie hervor geht, sucht ein Arbeitsloser im Durchschnitt zwar auf vier verschiedenen Wegen nach einer neuen Stelle. So lesen fast 80 Prozent regelmäßig Stellenanzeigen und sprechen mit dem Vermittler in der Arbeitsagentur, und gut 60 Prozent der befragten Arbeitslosen erkundigen sich im privaten Umfeld nach Jobs. Eine Blindbewerbung hat 2005 jedoch nur knapp jeder vierte Bewerber verschickt, und ein Stellengesuch hat nicht einmal jeder fünfte aufgegeben.

Hendrik Roggenkamp/DDP / DDP