Statistik Noch nie gab es so wenig Arbeitsunfälle


Zahlenmix: Laut Bundesgenossenschaft sind die Zahlen von Arbeits- und Wegunfällen sowie Berufskrankheiten auf einen Rekord-Tief gesunken. Der Beitragssatz stieg trotzdem.

Die Zahl der Arbeitsunfälle ist auf ein Rekordtief gefallen. Auch Wegeunfälle und Berufskrankheiten nahmen im vergangenen Jahr deutlich ab, wie der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) am Montag in Berlin berichtete. Hauptgeschäftsführer Joachim Breuer führte den Rückgang auf den Erfolg von Vorbeugemaßnahmen zurück. Dennoch stieg der Beitragssatz auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung und weniger Beschäftigten leicht an.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 871.145 Arbeitsunfälle gemeldet, das sind 10,5 Prozent weniger als im Jahr davor. Auch das Risiko, am Arbeitsplatz zu verunglücken, ging erneut deutlich zurück; die Unfallquote (je 1.000 Vollarbeiter) verringerte sich von 32,4 auf 29,4 Prozent. Die Zahl schwerer Arbeitsunfälle, die zu einer neuen Unfallrente führen, sank um 4,6 Prozent auf 19.646. 735 Menschen verunglückten 2003 am Arbeitsplatz tödlich, das sind 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Erfolg wirkt sich erst in den nächsten Jahrzehnten aus

Die rückläufigen Unfallzahlen erklärte Breuer mit Präventivmaßnahmen wie etwa einer Kampagne gegen Sturz- und Rutschunfälle und sagte weitere Erfolge voraus. Dennoch folgten daraus noch keine kurzfristigen Beitragssätze. Zwar kämen zu dem Rentenbestand von 848.000 Fällen jährlich nur noch etwa 26.000 Unfallrenten dazu, doch wirkten sich die Präventionserfolge erst in den nächsten Jahrzehnten aus.

Im Gegenteil stieg der Beitragssatz der Unternehmen zur gesetzlichen Unfallversicherung um 0,2 Punkte auf 1,35 Prozent der Lohnsumme leicht an. Ursache sei ausschließlich die wirtschaftliche Entwicklung, sagte Breuer. Der Beschäftigungsrückgang führe dazu, dass die Last auf weniger Schultern verteilt werden müsse. So sank die Zahl der Versicherten um 1,4 Prozent auf rund 42 Millionen.

Gegen "Verschiebebahnhof"

Zu Vorschlägen, Leistungen wie etwa für Wegeunfälle aus der gesetzlichen Unfallversicherung herauszunehmen, äußerte sich Breuer skeptisch. Ein "Verschiebebahnhof" in die Renten- oder Krankenversicherung wäre keine Lösung.

Die Zahl der Unfälle auf dem Weg von oder zur Arbeit verminderte sich um 6,0 Prozent auf 158.301. Die tödlichen Wegeunfälle stiegen dagegen um 4,0 Prozent auf 604.

Bei den Berufskrankheiten nahmen die Verdachtsanzeigen um 8,9 Prozent auf 56.900 ab. Entschieden wurde in rund 64.000 zum Teil auch aus den Vorjahren stammenden Fällen, wovon bei 36,5 Prozent eine Berufskrankheit anerkannt wurde. Die Zahl der Todesfälle als Folge einer Berufskrankheit ging um 1,0 Prozent auf 1.980 zurück.

Bei den Berufsgenossenschaften als Trägern für die gewerbliche Wirtschaft sind 42 Millionen Beschäftigte und drei Millionen Betriebe versichert. Die gesetzliche Unfallversicherung tritt für die Folgen von Unfällen bei der Arbeit und auf dem Arbeitsweg sowie bei Berufskrankheiten ein. Beiträge zahlen allein die Unternehmen. Derzeit gibt es 35 gewerbliche Berufsgenossenschaften. Durch Zusammenschlüsse sollen es ab 2005 nur noch 27 sein.

AP print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker