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Studie: Stress und Müdigkeit machen mürbe

Wer zu lange arbeitet, lebt gefährlich: US-Forscher stellten fest, dass mit der Zahl der Überstunden auch die Unfallgefahr rapide ansteigt. Außerdem erkrankten die Arbeiter häufiger, wenn die Normal-Arbeitszeit überschritten wurde.

Die Forschergruppe um Allard Dembe kam zu dem Ergebnis dass Menschen, die mehr als 12 Stunden täglich arbeiten, tatsächlich gefährlich leben - denn das Risiko sich zu verletzten oder krank zu werden, steigt um 23 Prozent. Das ergab jedenfalls die Untersuchung von mehr als 110.000 Arbeitsperioden im Zeitraum zwischen 1987 bis 2000. Eine Arbeitsperiode ist der Zeitraum, in dem ein Arbeitnehmer bei einer Firma beschäftigt ist. Wenn nach dieser Methode gezählt wird, ist es möglich, dass einige Arbeitnehmer mehrfach genannt werden. Dembe hat festgestellt, dass die Gefährdung nicht mit der Tätigkeit per se zu tun hatte. "Die Studienresultate machen deutlich, dass die Gefahr von alltäglichen Tätigkeiten und vom Stress ausgeht", berichtet der Experte im Fachmagazin Occupational and Environmental Health.

Stress macht krank

Anhand der Aufzeichnungen des Forscherteams konnten 5.139 arbeitsbedingte Verletzungen und Krankheitsfälle festgestellt werden. Darunter waren stressbedingte Krankheiten, Verbrennungen, Schnitt- und Muskelverletzungen. Mehr als die Hälfte der Erkrankungen passierte in Jobs, in denen lange gearbeitet wurde. Daraus zogen die Forscher den Schluss, dass zu viele Überstunden die Verletzungsgefahr wesentlich erhöhte.

Machen Sie ständig Überstunden?

Ein Regulativ wie das von der EU geforderte Maximalarbeitslimit von 48 Wochenstunden in der so genannten EU-Arbeitszeitrichtlinie sei zu begrüßen. Nach Erhebungen arbeiten in Großbritannien 14 Prozent der aktiven Beschäftigten - das sind 3,6 Millionen - mehr als 48 Stunden pro Woche. Nach der Erhebung des so genannten Arbeitsklimaindex 2004, durchgeführt von der Arbeiterkammer Oberösterreich, haben 18 Prozent der Arbeitgeber angegeben, mehr als 45 Stunden pro Woche zu arbeiten. 17 Prozent geben an zwischen 40 und 45 Stunden zu arbeiten.

Deutsche liegen im Mittelfeld

Die Jahresarbeitszeiten in Deutschland liegen laut einer Untersuchung des Instituts Arbeit und Technik (IAT) im europäischen Mittelfeld. Demnach arbeitet ein Vollzeit-Beschäftigter in Deutschland durchschnittlich 1.756 Stunden im Jahr, das sind 99 Stunden über Tarif. Die Arbeitszeiten in Deutschland seien flexibler als in den meisten europäischen Ländern geworden. Sie schwankten heute mit Auftragslage und Kundenströmen. Kürzere Jahresarbeitszeiten als in Deutschland gibt es der Studie zufolge in den Niederlanden mit 1.712 Stunden, den skandinavischen Ländern, Italien und Frankreich. Mit 1.937 Stunden pro Jahr müssen die Briten am meisten arbeiten. Die Arbeitszeiten in den osteuropäischen Ländern lägen noch über westeuropäischem Niveau, jedoch hätten sie sich durch starke Verkürzungen in den vergangenen Jahren angenähert.

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