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Tarifstreit: Schwäbische Ärzte erzielen Einigung

Der Marburger Bund hat sich nach nur drei Tagen mit der Stadt Stuttgart auf einen Tarifvertrag für die Ärzte an kommunalen Kliniken geeinigt. Im Norden der Republik gehen die Streiks hingegen erst richtig los.

Drei Tage nach Beginn des Ärztestreiks an den kommunalen Krankenhäusern gibt es einen ersten Tarifabschluss: Die Stadt Stuttgart und der Marburger Bund verständigten sich für die 760 Mediziner am dortigen städtischen Klinikum auf einen eigenen Tarifvertrag. Wie ein Sprecher der Stadtverwaltung mitteilte, wird dafür der Abschluss bei den Ärzten an den Universitätskliniken weitgehend übernommen.

Hohe Kosten für Krankenkassen

So sehe der Abschluss in der baden-württembergischen Landeshauptstadt die 39-Stunden-Woche und ein volles Urlaubsgeld vor, sagte Sprecher Stefan Schorn. Die Ärztegewerkschaft hofft, dass die Einigung Pilotcharakter für den Tarifkonflikt der Mediziner an den kommunalen Krankenhäusern haben könnte. Der Vertrag gilt vom 1. Juli an und endet, wenn sich Arbeitgeber und Ärztegewerkschaft bundesweit einigen. Die Gremien müssten noch zustimmen. Nähere Einzelheiten wollte die Stadt am Nachmittag mitteilen.

Sollte die Einigung von anderen Kliniken übernommen werden, kämen nach Einschätzung des Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem hohe Kosten auf die Krankenkassen zu. Er rechnete im Bayerischen Rundfunk mit Mehrkosten zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro. In Stuttgart hatten die Mediziner nicht gestreikt. Im Frühjahr war das Klinikum aber sechs Wochen vom nichtärztlichen Personal bestreikt worden. Damals ging es um die Arbeitszeit bei den Kommunen.

Im Norden gehen die Streiks weiter

An mehreren kommunalen Krankenhäusern in Schleswig-Holstein werden die Streiks der Klinikärzte fortgesetzt. Die Aktionen für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen hatten am Montag in Neumünster, Rendsburg und Eckernförde begonnen. Die Zahl der Streikenden liegt bisher bei nahezu 200. In Städten wie Pinneberg, Wedel, Elmshorn oder Heide laufen dagegen Verhandlungen mit den Arbeitgebern.

Auch in Hamburg legten Klinikärzte ihre Arbeit nieder. Mehrere hundert Beschäftigte des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE), der Asklepios Kliniken und weiterer Krankenhäuser sind in einen ganztägigen Warnstreik getreten. Sie folgten damit einem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen "Tarifflucht und Lohndumping". Sie versammelten sich am Morgen zu einer Auftaktkundgebung am UKE. Nach einer Demonstration durch die City soll Verdi Landeschef Wolfgang Rose sprechen.

AP/DPA / AP / DPA