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Teresa Reubel: Sozialarbeiterin in Indien

Ein großartiger Geografie-Lehrer weckte in Teresa Reubel die Sehnsucht nach der Ferne. Die kann sie jetzt als Sozialarbeiterin in Indien stillen. Dort kümmert sie sich um nachhaltiges Wirtschaften mit dem knappen Gut Wasser - und hat auch noch indisch kochen gelernt.

Name: Teresa Reubel
Alter: 20 Jahre
Heimatstadt: Bremen
Organisation: Freiwilligendienst weltwärts (Homepage)
Einsatzort: Nagpur, Indien

Während meiner letzten Schuljahre hatte ich einen wundervollen Geografhie-Leistungskurs. Der Lehrer hat mein Interesse für Entwicklungsländer und Ökologie geweckt. Nach dem Abitur wollte ich in die Welt ziehen, dabei Neues erleben und lernen und mich gleichzeitig für eine gute Sache einsetzen. Als ich dann vom Weltwärts-Programm erfuhr, habe ich mich beworben. Ich wusste einfach, das ist genau das Richtige für mich.

Nachhaltige Wasserwirtschaft

Ich beschäftige mich jetzt mitten in Indien auf einer Farm mit nachhaltiger Wasser- und Bodenwirtschaft, ich bin eine "Watershed"-Voluntärin. Wir sind hier nicht weit von der Millionenstadt Nagpur entfernt und erleben jeden Tag, wie wichtig es ist, mit schwindenden Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Der indische Projektpartner, Ecumenical Sangam, betreibt eine über 52.000 Quadratmeter große Modellfarm in seinem Basiszentrum Bamhani, welches 35 Kilometer südlich von Nagpur liegt. Dort lebe und arbeite ich. Die Organisation ermöglicht es mir, mich voll und ganz in die Arbeit einzubringen. So konnte ich zum Beispiel die nötigen Denkanstöße zum biologischen Anbau und zur Einführung der Tröpfchenbewässerung geben.

Bei uns in Deutschland reden wir nur davon, was hier bereits bittere Realität ist, dass sauberes Wasser Mangelware ist. Die Brunnen versiegen, und die Bauern können ihre Felder nicht mehr bestellen, weil die Industrie das Grundwasser abzapft. Meine Organisation, das Ecumenical Sangam, betreut 35 Dörfer; wir kümmern uns um Kranke, Kinder und um die Entwicklung von Ideen und Projekten. Die Arbeit hier bestätigt mich, später ein umweltorientiertes Studium zu wählen. Ich möchte gern International Forest Ecosystem Management studieren.

Andere Herangehensweise akzeptieren

Wenn man in eine fremde Kultur kommt, bekommt man früher oder später Probleme mit der Art, wie andere Menschen mit Dingen umgehen. Dann neigt man leicht dazu, deren Ansichten als falsch oder schlecht zu verurteilen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass die Menschen hier anders gestrickt sind und einfach nicht so funktionieren, wie wir es tun. Ein Beispiel: Vor kurzem habe ich versucht, mit einem indischen Mitarbeiter das weitere Vorgehen bei einem unserer Projekte zu besprechen. Anstatt gleich zum Thema zu kommen, machte er aber erst einmal minutenlangen Small Talk. Ich war enttäuscht und verärgert, weil es so schien, als wäre er nicht daran interessiert, unser Projekt weiterzubringen. Erst später wurde mir klar, dass er einfach eine andere Herangehensweise hat. Nachdem wir uns also "aufgewärmt" hatten, konnten wir uns auch daran machen, die Projektplanung voranzubringen.

Indien ist ein Land voller Farben, erschreckend und fesselnd zugleich. Die Menschen sind freundlich und aufgeschlossen, obwohl viele, die ich treffe, in ihrem Leben mit sehr wenig auskommen müssen. Wegen ihrer Herkunft, die Land, Kaste und viele weitere Faktoren mit einschließt, bleibt ihnen vieles verschlossen. Dagegen habe ich - auf der anderen Seite - aufgrund meiner Herkunft die Möglichkeit, so gut wie alles erreichen zu können. Diese Ungerechtigkeit - quasi am eigenen Leib - mitzuerleben, bewegt mich sehr. Andererseits gefällt mir aber auch wieder, mich in eine so unterschiedliche Kultur reinzudenken, mich irgendwie "passend" zu machen. Trotzdem merke ich, wie anders ich bin.

Was fehlt? Tee und Kälte

So vermisse ich ab und zu einfach die sichere Strom- und Wasserversorgung, die vor allem hier auf dem Land nicht gegeben ist. Allerdings gewöhnt man sich an alles! Am meisten fehlt mir aber, mich auf meinem Sofa in eine kuschelige Decke einzuwickeln und einen heißen Tee zu trinken - während es draußen stürmt und schneit ...

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