LKW-Maut Freie Fahrt für den Maut-Testlauf


Formell begann der Testlauf zur Einführung der LKW-Maut schon Sonntag morgen. Wegen des sonntäglichen Fahrverbots für LKW ging es jedoch erst ab 22.00 Uhr richtig los. Nun sind alle gespannt, ob das System hält.

Der Probebetrieb für die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen hat nun auch tatsächlich begonnen. Ab 22.00 Uhr am Sonntag durften die Lastwagen-Fahrer nach dem Ende des Wochenend-Fahrverbots wieder auf die Straße und konnten sich im Mautsystem anmelden. Angaben über die Zahl der Teilnehmer gab es zunächst nicht. Dem Maut-Konsortium Toll Collect zufolge funktionierte das elektronische System am Sonntag ohne Probleme. Einige Lastwagenfahrer berichteten der dpa jedoch, dass das Mautsystem nicht funktioniere. Nach dem offiziellen Start um Mitternacht lief der freiwillige Testbetrieb wegen des Fahrverbots zunächst im Leerlauf.

Die Gebühr soll vom 2. November an erhoben werden. Experten zweifeln jedoch daran, ob bis dahin alle technischen und organisatorischen Probleme ausgeräumt werden können. Die Deutsche Post kündigte bereits an, wegen der Maut die Paketpreise anzuheben. "Für unsere Filialkunden wird die Maut im Rahmen der nächsten Preismaßnahme berücksichtigt", sagte der Vorstand Express Europa der Post, Peter Kruse, dem 'Tagesspiegel am Sonntag'. Wann das passiert, sagte er allerdings nicht.

Die Transportbranche rechnete nicht mit Staus oder Verzögerungen auf den Autobahnen wegen des freiwilligen Maut-Testbetriebs. Die vor allem an Raststätten aufgestellten Maut-Automaten würden von den Spediteuren und Lastwagen wohl gar nicht genutzt werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), Heiner Rogge, am Sonntag der dpa in Bonn. Kein Unternehmen werde auf der zunächst geltenden freiwilligen Basis eine Zeitverzögerung in Kauf nehmen.

Noch "erhebliche Software-Probleme"

Die bisher etwa 3000 Maut-Automaten sind für diejenigen Fahrer gedacht, die kein Bordgerät zur Maut-Abrechnung haben. Von diesen so genannten On-Board-Units sind bisher nur etwa 75.000 installiert worden, während zwischen 450.000 und einer Million gebraucht werden. "Von Seiten der Unternehmen ist zu hören, dass davon nur etwa 30 bis 40 Prozent auch tatsächlich funktionieren", sagte Rogge. Es gebe offensichtlich noch "erhebliche Software-Probleme", die in der Testphase noch gelöst werden müssten.

Davon ist auch bereits seit Wochen in zahlreichen Medienberichten die Rede. Unter anderem berichtet das Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' in seiner jüngsten Ausgabe, bei Probeläufen seien bei vielen Bordgeräten die Sicherungen durchgebrannt, sobald der Fahrer den Zündschlüssel umdrehte. Die "Sterberate" der Geräte habe bis zu 80 Prozent betragen.

Betreiberkonsortium zufrieden

Das Betreiberkonsortium Toll Collect hingegen hat sich zufrieden zum Beginn des Probebetriebs der elektronischen Lkw-Maut geäußert. Die Einbuchungen über das Internet und über die Terminals liefen "sehr gut", sagte Toll Collect Hauptgeschäftsführer Michael Rummel am Montag im ZDF-'Morgenmagazin'. "Die Onboard-Units als dritte Einbuchungsmöglichkeit sind ja ohnehin schon länger im Betrieb und laufen jetzt gleitend in die Einführungsphase ein."

Mitte Oktober soll ein Gutachten Aufschluss darüber geben, ob für das System die Betriebsgenehmigung erteilt wird. Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) ist zuversichtlich, dass die Maut vom 2. November an erhoben werden kann. Durchschnittlich 12,4 Cent pro Kilometer müssen die Spediteure dann entrichten. Die Abbuchung erfolgt elektronisch, entweder über die Bordgeräte, über die Automaten an Grenzübergängen und Raststätten oder über das Internet.


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